Agrarsubventionen sollen in Wald fließen : SPD-Politiker fordern milliardenschweres Hilfsprogramm für den Wald

Dürre und Borkenkäfer setzen dem Wald schwer zu. Foto: dpa/Julian Stratenschulte/Alexandra Wey/imago/Eibnerdpa/Julian Stratenschulte/Alexandra Wey/imago/Eibner
Dürre und Borkenkäfer setzen dem Wald schwer zu. Foto: dpa/Julian Stratenschulte/Alexandra Wey/imago/Eibnerdpa/Julian Stratenschulte/Alexandra Wey/imago/Eibner

Es steht schlecht um den Wald in Deutschland. Erst kam die Dürre, dann der Borkenkäfer. Wo es einst grünte, stehen jetzt häufig nur noch braune Gerippe ohne Nadeln oder Blätter. Wie Waldbesitzer sind mit der Beseitigung der Schäden überfordert. Jetzt springen ihnen mehrere SPD-Bundestagsabgeordnete bei und fordern ein milliardenschweres Hilfsprogramm für den Wald.

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20. August 2019, 03:33 Uhr

Osnabrück | Das geht aus einem gemeinsamen Papier von SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch und mehreren Fachpolitikern hervor, das unserer Redaktion vorliegt. Darin fordern die Abgeordneten unter anderem die Einrichtung eines 500 Millionen Euro umfassenden Fonds auf europäischer Ebene.

Mit dem Geld soll Waldbauern zum einen bei der Beseitigung von Schadholz in den Wäldern geholfen werden. Zum anderen soll die EU Holz aufkaufen und einlagern, um so den Markt zu stabilisieren. Ein vergleichbares Programm hatte die EU zuletzt bei der Milchpreis-Krise vor einigen Jahren aufgelegt.

Foto: Heinz Krüssel
Heinz Krüssel
Foto: Heinz Krüssel


Zudem machen sich die SPD-Politiker dafür stark, zehn Prozent der EU-Agrarsubventionen künftig „für den klimarobusten Waldumbau sowie ökologisch sinnvolle Neuanpflanzungen zu reservieren“. Allein für Deutschland entspräche das bei den derzeitigen Zahlungen aus Brüssel einer jährlichen Summe von 620 Millionen Euro, die nicht mehr nur für Bauern, sondern auch für den Wald zur Verfügung stünden.

Obendrauf soll die EU eine jährliche Krisenreserve von 500 Millionen Euro für Extremwetterereignisse wie eben Dürre oder Sturm zurückgelegt werden. Auch dieses Geld soll aus den Agrarsubventionen abgezweigt werden.

 Foto: Stefan Rampfel/dpa
Stefan Rampfel
Foto: Stefan Rampfel/dpa


Auf nationaler Ebene fordern die Parlamentarier die Bundesregierung auf, 500 Million Euro für den Kauf von Fahrzeugen auszugeben, die bei Waldbränden eingesetzt werden können. „Ziel soll sein, dass ausreichend viele Löschhubschrauber sowie Räumpanzer deutschlandweit kurzfristig zur Verfügung stehen“, schreiben SPD-Vize Miersch, der agrarpolitische Sprecher Rainer Spiering, der wirtschaftspolitische Sprecher Bernd Westphal sowie der forstpolitische Sprecher Dirk Wiese.

Zuletzt hatten mehrere große Waldbrände in den ostdeutschen Bundesländern die Feuerwehren an ihre Grenzen gebracht. Bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern war beispielsweise ein Feuer auf einem ehemaligen Militärübungsplatz ausgebrochen. Erschwert wurden die Löscharbeiten durch Munitionsreste im Boden. Diese gefährdeten die Feuerwehrleute.

Foto: dpa/Julian Stähle
dpa/Julian Stähle
Foto: dpa/Julian Stähle


Die vier SPD-Politiker sprechen sich zudem für eine deutliche Aufstockung der bislang für die kommenden fünf Jahre reservierten Wald-Dürrehilfen von 25 Millionen Euro aus. Sie regen die Schaffung eines Waldfonds an, der mit 50 Millionen Euro pro Jahr bestückt werden soll.

Der Wald in Teilen Deutschlands und Europas leidet derzeit unter Trockenheit und einer Borkenkäferplage. Vielerorts sterben ganze Wälder ab. Waldbesitzer klagen, dass sie die Folgen finanziell nicht stemmen können. Weil aufgrund der nachhaltigen Schäden, so viel Holz anfällt, ist der Marktpreis im Keller.

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