Medizin : Ärztemangel verschärft sich

Punktuell gibt es eine Unterversorgung

nnn.de von
06. März 2015, 16:55 Uhr

Bei der medizinischen Versorgung ist Brandenburg bundesweites Schlusslicht. Das belegen die „Grunddaten der vertragsärztlichen Versorgung im Land Brandenburg“, die die Kassenärztliche Vereinigung (KV) gestern in Potsdam vorstellte. Demnach stand Ende 2013 für 753 Einwohner ein Vertragsarzt zur Verfügung. Im Bundesdurchschnitt kam zum gleichen Zeitpunkt einer auf 663 Einwohner. Mecklenburg-Vorpommern lag mit 653 Einwohnern pro Arzt über dem Bundesschnitt.

Bei der Versorgung mit Hausärzten lag Brandenburg mit 1624 Einwohnern je Hausarzt deutlich über dem Bundesdurchschnitt, der 1541 Einwohner pro Arzt betrug. Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern verzeichneten mit 1539 beziehungsweise 1425 Einwohnern pro Hausarzt deutlich bessere Werte. Allerdings ist nach Angaben des Fachbereichsleiters für „Sicherstellung“ bei der KV Brandenburg, Manfred Spigiel, bei den Hausärzten derzeit noch keine Region des Landes akut unterversorgt. Angesichts bevorstehender Ruhestandseintritte droht das unter anderem Herzberg und Pritzwalk.

„Sorgen machen müssen wir uns um Hautärzte und Augenärzte“, sagte Spigiel. Bei den Augenärzten herrsche in Finsterwalde, Elsterwerda und Lauchhammer schon heute eine Unterversorgung. Dort stehen bezogen auf die Zahl der Einwohner weniger als 50 Prozent der statistisch benötigten Fachärzte zur Verfügung. Junge Ärzte, die sich dort niederlassen wollen, können von der KV und den Krankenkassenverbänden des Landes einen Zuschuss von bis zu 50 000 Euro erhalten.


Aufkauf von Praxen umstritten


Kritisch sieht die KV dagegen ein von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplante Gesetz. Es sieht unter anderem vor, dass die KV in Regionen mit einer Überversorgung Arztpraxen kaufen sollen, um sie vom Markt zu nehmen und Ärzten einen Anreiz zu bieten, sich anderswo niederzulassen. Dabei berechnet das Bundesgesetz nach Angaben der KV die Versorgung auf der Ebene der Landkreise, während die KV Brandenburg bei der Berechnung die Kreise in kleinere Einheiten aufteilt.

Das führt zu der paradoxen Situation, dass ein Kinderarzt, der sich in Pritzwalk oder Wittstock (Dosse) niederlässt, einen Zuschuss von 50 000 Euro erhalten kann, weil dieser Bereich statistisch unterversorgt ist. Auf der Ebene der Landkreise sind jedoch sowohl der Landkreis Prignitz als auch der Landkreis Ostprignitz-Ruppin statistisch mit Kinderärzten überversorgt, so dass die KV eine in Pritzwalk frei werdende Kinderarztpraxis ankaufen und schließen müsste. 

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