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Susanne Neumann „Schulz muss jetzt dicke Bretter bohren“

Von Andreas Herholz | 23.02.2017, 21:00 Uhr

Susanne Neumann hat Sigmar Gabriel die Leviten gelesen . Nun ist sie gespannt auf den neuen SPD-Chef, der vor schwierigen Aufgaben steht

Susanne Neumann ist bundesweit bekannt geworden, als sie bei einem Auftritt im Berliner Willy-Brandt-Haus SPD-Chef Sigmar Gabriel die Leviten gelesen und gefordert hat, dass sich die Sozialdemokraten wieder mehr um die Interessen der „kleinen Leute“ kümmern sollten. Damals war die Partei in einem Stimmungstief. Der Kanzlerkandidat und designierte SPD-Chef Martin Schulz hat nun das Gegenteil bewirkt. Andreas Herholz sprach mit Susanne Neumann, SPD-Mitglied und Bezirkschefin der Gewerkschaft IG Bau in Gelsenkirchen, über das Phänomen.

Was hat Martin Schulz, was Sigmar Gabriel nicht hatte?

Neumann: Ausstrahlung! Er redet mit Gefühl. Die Menschen glauben ihm, was er sagt. Sigmar Gabriel wirkt immer so unnahbar. Schulz wirkt dagegen wie ein Kumpel. Es gibt jetzt viele neue Parteimitglieder. Ich werde nun ständig gefragt: Susi, soll ich jetzt reingehen?

Aber Sigmar Gabriel hat viel für die Partei getan. Das sollte man nicht vergessen. Allerdings: Es ist nur Sigmar Gabriel ausgetauscht worden. Der Rest der Mannschaft ist immer noch da. Schulz hat da eine schwierige Aufgabe vor sich. Er muss die Parteiflügel zusammenführen. Da drohen noch Auseinandersetzungen. Schulz muss jetzt dicke Bretter bohren.

Sie haben damals Korrekturen an der Agenda 2010 gefordert und vor allem die Befristung von Arbeitsverhältnissen kritisiert. Jetzt will Schulz genau dies anpacken.

Als ich am Dienstag im Radio gehört habe, dass es Pläne gibt für Änderungen des Arbeitslosengeldes I und bei der Befristung von Arbeitsverhältnissen hatte ich den ganzen Tag einen Smiley auf dem Gesicht.

Martin Schulz spricht die richtigen Themen an. Die SPD muss wieder eine Arbeitnehmerpartei werden. Der Genosse der Bosse war gestern und hat ausgedient. Jeder Politiker weiß heute inzwischen, was das Befristungsgesetz ist. Plötzlich beschäftigt man sich mit den Fehlern der Agenda 2010. Die Reformen haben zwar auch Gutes auf dem Arbeitsmarkt bewirkt, sie gehen aber in einigen Bereichen zu weit und sind ausgeufert. Die Befristung von Arbeitsverhältnissen geht viel zu weit und wird ausgenutzt. Da werden Menschen über Jahre gegängelt. Die Betroffenen leben in Unsicherheit, können keinen Urlaub planen, keine neue Wohnung suchen und kein Eigentum bilden, kaum für eine Familie sorgen. Viele Arbeitgeber wollen sich nicht an das Personal binden und wechseln es ständig.

Sieben Monate vor der Bundestagswahl – welches Erfolgsrezept würden Sie Martin Schulz mit auf den Weg geben?