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Interview Luise Befort Bereit für neue Abenteuer

Von Redaktion svz.de | 25.11.2017, 16:00 Uhr

Schauspielerin Luise Befort über Veganismus und ihre Grusel-Liebe

Die Schauspielerin Luise Befort ist schon in einigen Filmen und Serie zu sehen gewesen, richtig bekannt geworden ist sie mit der Rolle der magersüchtigen Emma in der Vox-Eigenproduktion „Club der roten Bänder“. Derzeit läuft die finale Staffel. Im Interview spricht die 21-Jährige über den schwierigen Abschied von der Serie, vegane Bärlauchspätzle und Begegnungen auf Augenhöhe.

Frau Befort, wie viel Emma steckt denn in Luise?
Die größte Gemeinsamkeit zwischen uns ist, dass wir für unsere Freunde da sind und uns Freundschaft sehr wichtig ist.

Emma ist magersüchtig, für die Rolle mussten Sie ein paar Kilo abnehmen. Haben Sie die schon wieder drauf?
Für die dritte Staffel habe ich nicht mehr abgenommen. Gerade in der ersten Staffel war das unter anderem für mich wichtig, um ein Gespür für die Rolle zu bekommen.

Wie ging es Ihnen in dieser Zeit körperlich?
Anderen ist es zwar nicht so aufgefallen, aber ich selbst habe gemerkt, dass ich schneller reizbar war als sonst.

Warum haben Sie sich damals dazu entschieden, diese Rolle zu übernehmen?
Eine Krankenhausgeschichte aus Sicht der Patienten zu erzählen, war etwas Neues. Wichtig für mich war, dass die Serie zeigt, dass man auch durch eine schwere Krankheit Kraft und Mut schöpfen und eine noch stärkere Person werden kann.
Konnten Sie Magersüchtigen durch die Rolle helfen?
Ja. Wir hätten uns niemals erträumen können, dass die Serie in Deutschland ähnliche Wellen schlagen könnte, wie in Spanien die Originalserie. Kurz bevor wir die erste Staffel gedreht haben, haben wir erfahren, dass dort die Besucherzahlen auf den Kinderstationen nach Ausstrahlung um 40 Prozent gestiegen sind. Es ist etwas besonderes, dass die Geschichte so viele Menschen erreichen und auch bewegen konnte. Mir haben Betroffene beispielsweise geschrieben, dass sie durch „Club der roten Bänder“ erkannt haben, dass sie selber erkrankt sind und jetzt eine Therapie begonnen haben oder ernsthaft darüber nachdenken, es zu tun. Dass dieses Projekt so etwas auslösen konnte, ist ein ganz großes Geschenk.

Beschäftigen Sie sich jetzt intensiver mit Ihrem Körper?
Dadurch, dass ich auch diese körperliche Erfahrung gemacht habe, ist mir noch mehr bewusst geworden, was mir gut tut und was nicht. Ich lebe bewusster und versuche auch die kleinen Dinge zu genießen und wahrzunehmen. Und ich bin froh darüber, dass ich so gesund bin, wie ich bin.

Wie fühlt es sich an, dass die Serie zu Ende ist?
Das ist ein ganz eigenartiges Gefühl. In den drei Jahren sind wir wie eine Familie geworden. Diese intensive Zeit und das, was wir erlebt haben, hat uns zusammengeschweißt. So richtig realisieren konnte ich es am Anfang nicht, jetzt kommt es langsam an. Richtig abschließen kann ich damit aber wahrscheinlich erst, wenn wir alle gemeinsam die letzte Folge geguckt haben.

Glauben Sie, dass es in Ihren zukünftigen Projekten ähnlich werden könnte?
So wie bei dieser Produktion habe ich es noch nie erlebt. Nicht nur wir sechs als Club sind eng befreundet, sondern auch das gesamte Team. Wir konnten uns einander blind vertrauen. Es wäre natürlich großartig, wenn es so nochmal passieren würde.

Was ist Ihnen während der Dreharbeiten zur Serie am schwersten gefallen?
Es war eine Herausforderung, über drei Jahre diese emotionale Reise zu machen. Gerade in der finalen Staffel durchlebt die Figur Emma eine Wahnsinns-Gefühls-Achterbahn. Über so einen langen Zeitraum in dieser Rolle zu sein war auch deshalb eine intensive Erfahrung. Für mich als Schauspielerin ist es großartig, solche Herausforderungen anzunehmen, weil ich daran wachse. Wir haben zusammen so viel erlebt, geweint und auch gelacht am Set. Wir sind über uns hinaus- und zusammengewachsen. Vielleicht war das auch das Schwierigste: sich von der Rolle und von dem Team zu verabschieden.
Ihre Rolle im Frankfurter Tatort kürzlich war ja komplett anders als die der Emma...
Darüber freue ich mich besonders: dass ich so viel ausprobieren darf und auch schon in so verschiedenen Genres spielen durfte. Der Tatort war eine ganz andere Erfahrung und der Dreh hat sehr viel Spaß gemacht.

Bei Instagram findet man zu Halloween Fotos von Ihnen, auf denen Sie verkleidet sind. Sind Sie ein Grusel-Fan?
Halloween ist so ein Tag im Jahr, den ich immer groß im Kalender markiere. Zuhause habe ich einen Kostümfundus und ich liebe es, Figuren zu kreieren und mit ihnen eine Geschichte zu erzählen. Kostüme zu entwerfen, Masken und eine Figur zu entwickeln, das ist auch etwas, das mir ganz gut liegt. In den letzten Jahren habe ich mich so verkleidet, dass mich mein bester Freund nicht erkannt hat, als ich vor seiner Tür stand. Diese Momente machen mir viel Spaß.

Und wovor gruselt es Sie?
Wirklich gruselig finde ich, was in der Welt zum Teil passiert. Vor Hass grusele ich mich und vor Gewalt.

Anfang des Jahres haben Sie in einem anderen Interview erzählt, dass Sie ein über Veganismus lesen und vegan gebacken haben. Sind Sie jetzt Veganerinn?
Ich bin Vegetarierin. Ich finde jedoch die vegane Bewegung wichtig und gut. Es sollte mehr Rechte für Tiere geben und eine Sensibilität dafür wachsen, dass Tiere auch ein Bewusstsein und eine Leidensfähigkeit haben.

Wie kochen Sie denn zuhause?
Frisch und überhaupt sehr gerne. Ich bin offen für Neues und experimentierfreudig. Manchmal stehe ich stundenlang in der Küche und probiere alles Mögliche. Anfang des Jahres habe ich vegane Kuchen und Bärlauchspätzle gemacht. Das schmeckte wirklich gut und mir ist aufgefallen, dass man die ganzen tierischen Produkte gar nicht braucht.

Bald ist Weihnachten. Was kommt denn an den Festtagen bei Ihnen auf den Teller?
Das überlege ich mir noch...

Apropos soziale Netzwerke: Glauben Sie, dass Schauspieler es durch die Nähe zu ihren Fans heute leichter haben, ihre Bekanntheit oder Beliebtheit zu steigern?
Heute bekommt man in Sekundenschnelle direktes Feedback über soziale Medien. Dadurch wächst natürlich auch die Bekanntheit, da es im Netz sofortige Diskussionen über Gesehenes oder sogar just im Moment Laufendes gibt und sich das sehr schnell verbreitet. Als es die sozialen Netzwerke nicht gab, gab es diese Nähe zu den Fans gar nicht. Durch Facebook, Instagram und Co. kann man heute verschiedene Facetten von sich zeigen. Ob das die Beliebtheit steigert, kommt bestimmt auch auf die Inhalte an, die gepostet werden.

Wie geht es für Sie nach dem „Club der roten Bänder“ weiter?
Die dritte Staffel vom „Club der roten Bänder“ ist jetzt am 13. November rausgekommen und Mitte Dezember startet die vierte Staffel von „Der Lack ist ab“. Dieses Jahr war ein sehr drehreiches Jahr, deshalb werde ich die nächste Zeit erstmal dafür nutzen, neue Energie und Kraft zu tanken, um mich dann neuen Abenteuern zu widmen.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Es gibt einige Dinge, die ich gerne noch tun würde. Ich hoffe, ich kann so viele Abenteuer wie möglich erleben in den nächsten zehn Jahren und noch mehr verschiedene Herausforderungen annehmen. Wenn ich immer noch das machen kann, was ich leidenschaftlich gerne tue, wäre das ein Traum. Vielleicht mache ich auch einen eigenen Film, wer weiß.

Frau Befort, mit welchem Schauspieler würden Sie gerne einmal zusammenarbeiten?
Mir ist es nicht wichtig, dass jemand ein großer Star ist, für mich kommt es darauf an, dass man sich auf Augenhöhe begegnet. Es gibt großartige Kollegen, die ich sehr inspirierend finde und deren Arbeit ich bewundere. Ich kann mir mit einigen gut vorstellen, dass wir gemeinsam sehr viel Spaß bei einer Zusammenarbeit hätten.

Ihr Bruder ist auch Schauspieler. Würden Sie gerne mal mit ihm zusammen drehen?
Mit meinem Bruder zu drehen wäre großartig. Vielleicht ist ein gemeinsames Projekt ja eine Option für die nächsten Jahre.

Sie sind erst 21 Jahre alt. Wie fühlt es sich an, wenn Sie bei Events oder Preisverleihungen neben großen Stars mit viel Erfahrung über den roten Teppich gehen?
Es gibt einige Persönlichkeiten, die wirklich tolle Projekte gemacht haben und deren Arbeit ich sehr schätze. Wenn ich sie treffe, freue ich mich einfach, sie kennenlernen zu dürfen. Noch habe ich niemanden getroffen, der abgehoben ist. Das finde ich toll.