Streit zwischen USA und China : Dax bricht ein und fällt unter 11.000 Punkte

Der Handelssaal der Frankfurter Börse.
Der Handelssaal der Frankfurter Börse.

Vor allem die eskalierenden Spannungen zwischen den USA und China lasten schwer auf den Kursen.

nnn.de von
06. Dezember 2018, 19:56 Uhr

Frankfurt/Main | Der Ausverkauf an den Aktienmärkten hat sich am Donnerstag beschleunigt und den Dax auf den niedrigsten Stand seit knapp zwei Jahren gedrückt. Ängste vor eskalierenden Spannungen zwischen den USA und China lasteten schwer auf den Kursen, der Dax sackte um 3,48 Prozent auf 10.810,98 Zähler ab. Es war der größte Tagesverlust seit dem Brexit-Votum in Großbritannien im Juni 2016. Mit einem Minus von gut 16 Prozent seit Jahresbeginn droht dem Leitindex ein tiefrotes Börsenjahr 2018.

Finanzchefin von Huawei festgenommen

Auslöser der Flucht aus Aktien war die Festnahme der Finanzchefin des chinesischen Smartphone-Herstellers Huawei in Kanada. Die USA drängen ihren nördlichen Nachbarn zur sofortigen Auslieferung der Tochter von Huawei-Gründer Ren Zhengfei. China, das gerade erst im Handelsstreit mit den USA einen "Waffenstillstand" vereinbart hatte, reagierte mit scharfem Protest. "Die Anleger wollen geradezu verzweifelt eine Lösung im Handelskrieg zwischen den USA und China", sagte Bill Chepolis vom Vermögensverwalter DWS. "Aber nach dem Vorfall in Kanada stehen die Märkte schon wieder unter Druck", so der Anlagestratege. Der MDax der mittelgroßen Börsentitel büßte 3,14 Prozent ein auf 22 447,75 Zähler, den niedrigsten Stand seit Anfang vergangenen Jahres.

Weiterlesen: In Kanada: Finanzchefin von Smartphone-Hersteller Huawei verhaftet

Desaströses Jahr

Mit dem Dax-Sturz unter 11.000 Punkte sei nun auch die letzte Hoffnung auf eine Jahresendrally geschwunden, sagte Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Das Jahr 2018 ist ein desaströses für Aktienanleger und das vierte Quartal eine Bankrotterklärung für den Dax." Zudem merkten Börsianer an, dass der Dax vom Rekordhoch Ende Januar nun mehr als 20 Prozent verloren habe – und damit in den sogenannten Bärenmarkt-Modus übergegangen sei.

Einzige Kursgewinner im Dax waren die Aktien von Vonovia mit einem Plus von knapp 1,3 Prozent. Für Deutschlands größten Immobilienkonzern laufen die Geschäfte dank des Immobilienbooms und steigender Mieten in den Metropolen sowie der jüngsten Zukäufe weiter gut.

Negative Aussagen der Citigroup zur eigenen Profitabilität im laufenden Quartal setzten auch deutsche Bankenwerte unter Druck. Die Papiere der Deutschen Bank büßten 4,4 Prozent ein, jene der Commerzbank verloren sogar 6,7 Prozent.

Die Papiere der Software AG fielen als einer der schwächsten MDax-Werte um 7,5 Prozent auf das tiefste Niveau seit Anfang 2017. Analyst Gerardus Vos von der Investmentbank Barclays hatte in einem Ausblick auf europäische Softwarekonzerne und IT-Dienstleister seine Schätzungen für 2019 und 2020 zusammengestrichen.

SGL Group ist Schlusslicht

Die Titel der SGL Group brachen nach der Vorlage eines Fünfjahresplans des Kohlefaserspezialisten um fast 20 Prozent ein auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2002. Sie waren damit weit abgeschlagenes Schlusslicht im SDax. Seit Jahresbeginn summiert sich der Kursverlust bereits auf über 60 Prozent. Analysten monierten vor allem eine enttäuschende Gewinnprognose für das kommende Jahr.

Dagegen stiegen die Papiere von Vossloh um 2 Prozent. Händler begründeten dies mit einem weiteren Großauftrag aus China für den Verkehrstechnikkonzern.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 büßte am Donnerstag 3,31 Prozent auf 3045,94 Punkte ein. Der französische Leitindex Cac 40 und der britische FTSE 100 verloren ebenfalls mehr als 3 Prozent. Der Dow Jones Industrial fiel zum Zeitpunkt des Handelsschlusses in Europa um 2,5 Prozent. Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite bei 0,11 Prozent. Der Rentenindex Rex blieb unverändert bei 141,83 Punkten. Der Bund-Future gewann 0,34 Prozent auf 163,42 Punkte. Der Euro legte zu und notierte zuletzt bei 1,1373 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1351 Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8810 Euro gekostet.


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