Zwei Betrugsvorwürfe angeklagt : Mutmaßlicher Windkraft-Betrüger Hendrik Holt muss im Emsland vor Gericht

von 05. Oktober 2020, 01:45 Uhr

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Der Emsländer Hendrik Holt soll gemeinsam mit Familienmitgliedern und Finanzchef Heinz L. WIndkraft-Investoren betrogen haben. Die Vorwürfe sind umfangreich. Wegen zwei Punkten muss sich der 30-Jährige Mitte Oktober vor dem Amtsgericht Meppen verantworten.
Der Emsländer Hendrik Holt soll gemeinsam mit Familienmitgliedern und Finanzchef Heinz L. WIndkraft-Investoren betrogen haben. Die Vorwürfe sind umfangreich. Wegen zwei Punkten muss sich der 30-Jährige Mitte Oktober vor dem Amtsgericht Meppen verantworten.

Der mutmaßliche Millionenbetrüger Hendrik Holt muss sich demnächst das erste Mal persönlich vor Gericht wegen seiner Windpark-Geschäfte verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat zwei Teilaspekte aus dem Großkomplex zur Anklage gebracht. Verhandelt wird in der emsländischen Heimat Holts.

Osnabrück | Der Termin steht bereits fest: Am 14. Oktober muss Holt vor dem Schöffengericht in Meppen erscheinen. Es ist nur ein Verhandlungstag angesetzt. Elf Zeugen sind geladen. Gerichtssprecherin Anette Schneckenberger bestätigte auf Anfrage den Termin. Möglicherweise werden auch Verwandte von Holt als Zeugen aussagen. Nach Recherchen unserer Redaktion muss sich Holt unter anderem wegen eines millionenschweren Flächendeals im Landkreis Rotenburg vor dem Amtsgericht verantworten. Der Jungunternehmer soll gemeinsam mit seinem „Finanzdirektor“ Heinz L. den Kauf von Flächen angepeilt haben, die bis dato im Besitz eines Torfunternehmens waren. Mit der Sache vertraute Personen hatten unserer Redaktion bestätigt, dass die Verträge bereits unterschriftsreif gewesen seien, es aber nie zum finalen Abschluss gekommen sei. Der Deal sei rückabgewickelt worden. Die „Oldenburgische Volkszeitung“ hatte einen verprellten Geschäftspartner mit den Worten zitiert: „Die haben voll auf Großkotz gemacht.“ (Weiterlesen: Die Erfolge des Hendrik Holt: Was war real? Was war Luftbuchung?) Rechnungen nicht beglichen? Offenbar blieben aber weitere Beteiligte wie ein Makler auf ihren Rechnungen sitzen. Die Staatsanwaltschaft geht dem Vernehmen nach davon aus, dass Holt und L. jene auch nie begleichen wollte. Die ausstehende Gebühr beträgt 266.000 Euro, hieß es vom Amtsgericht. Das Grundstücksgeschäft könnte mit den mutmaßlichen Betrügereien zusammenhängen, auf die internationale Energiekonzerne hereingefallen sein sollen. Holt und seine Mitstreiter sollen drei Konzerne über die Realisierbarkeit von Windkraftprojekten in Deutschland getäuscht und sie so um einen insgesamt zweistelligen Millionenbetrag gebracht haben. Mit falschen Unterschriften Investoren getäuscht? Bestandteil des Betruges sollen gefälschte Unterlagen zu Flächen gewesen sein, auf denen Windräder hätten gebaut werden sollen. Tatsächlich waren offenbar die Unterschriften vieler Grundstückseigentümer schlicht gefälscht. Möglicherweise diente der Kaufvertrag über die Flächen im Landkreis Rotenburg ebenfalls zur Vortäuschung falscher Tatsachen. Klar ist: Ende April 2019 ließ „Dr. Hendrik Holt“ in einer Presseerklärung mitteilen, sein Unternehmen habe „mehrere hundert Hektar Land im Landkreis Rotenburg Wümme erworben und weitere Flächen gesichert, um die Energiewende nachhaltig zu realisieren.“ Geplant seien Windkraftanlagen an 30 Standorten. Hier ein Ausschnitt, aus der mittlerweile gelöschten Mitteilung: Die hier behauptete Flächensicherung hat nach Informationen unserer Redaktion nie in dem genannten Umfang stattgefunden. Beim Landkreis Rotenburg waren weder Holt noch seine Unternehmen bekannt. Sehr wohl kursieren in der Region eine Reihe gefälschter Unterschriften von Grundstücksbesitzern. Die gefälschten Unterlagen sind nach unseren Informationen derweil in zwei Deals zu finden – mit dem schottischen Energiekonzern SSE und dem italienischen Mitbewerber Enel. Beide wurden offenbar getäuscht. Das ist der zweite Anklagepunkt Diese Deals scheinen auch im Zentrum des zweiten Anklagepunktes zu stehen. Wie das Amtsgericht Meppen auf Anfrage weiter mitteilte, geht es dabei um eine Maklergebühr in Höhe von 275.000 Euro für die Veräußerung vermeintlicher Projektrechte. Auch diese vertraglich zugesicherte Summe sollen Holt und L. nicht bezahlt haben. Obwohl Holt und L. die Taten gemeinsam begangenen haben sollen, muss sich nur der 30-Jährige vor Gericht verantworten. Der deutlich ältere Finanzchef der Holt-Gruppe konnte bei den bundesweiten Razzien im April zunächst nicht festgenommen werden. Er hatte sich in den Libanon abgesetzt. Hier wurde er später von Spezialkräften festgenommen und kürzlich dann nach Deutschland ausgeliefert. (Weiterlesen: Der Wind und die Millionen: Emsländischer Jungunternehmer ein Betrüger?) Holt-Anwalt: Mandant hat Hauptvorwürfe eingeräumt Holts Anwalt Thomas Klein sagte auf Anfrage, dass sein Mandant die in Meppen angeklagten Betrugsvorwürfe als „vollkommen grundlos“ zurückweise. Darüber hinaus sagte Klein, es sei für ihn „vollkommen unverständlich, dass diese beiden Punkte separat angeklagt worden sind.“ Sie stünden in engem Zusammenhang mit den hauptsächlichen Vorwürfen gegen seinen Mandanten: Er soll Energiekonzerne gemeinsam mit seiner Mutter, seinem Bruder, seiner Schwester und Heinz L. um einen zweistelligen Millionenbetrag betrogen haben. „In diesen Punkten hat sich mein Mandant umfassend geständig eingelassen“, so Klein. Zuvor hatten schon Holts Mutter und seine Schwester Geständnisse abgelegt. Die Untersuchungshaft war daraufhin für beide unter Auflagen ausgesetzt worden. Dies ist bei Hendrik Holt nicht der Fall, er sitzt weiter im Gefängnis und wird von hier am 14. Oktober in den Gerichtssaal eskortiert. ...

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