Magensäureblocker : Krebserregend? Behörde ruft Mittel gegen Sodbrennen zurück

Die Tabletten regeln die Säureproduktion im Magen. (Symbolbild)
Die Tabletten regeln die Säureproduktion im Magen. (Symbolbild)

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat am Dienstag ein Arzneimittel gegen Sodbrennen zurückgerufen.

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17. September 2019, 16:17 Uhr

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Magensäureblocker mit dem Wirkstoff Ranitidin werden zurückgerufen. Nachdem der Nachweis der krebserregenden Substanz NDMA (Nitrosamin) im letzten Jahr bereits zum Rückruf von Hochdruckmedikamenten mit dem Wirkstoff Valsartan und anderen "Sartanen“ geführt hat, sind jetzt offenbar auch Spuren von NDMA auch in Präparaten mit dem Wirkstoff Ranitidin nachgewiesen worden, wie die europäische Arzneimittel-Agentur EMA und die US-amerikanische Food and Drug Administration mitteilen.

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Ärzte schlagen Alarm

"Es liegen Indizien vor, dass auch der Wirkstoff weiterer Wirkstoffhersteller von der Verunreinigung betroffen sein könnte", so das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) weiter. Ranitidinhaltige Arzneimittel werden zur Regulation der Magensäureproduktion bei Sodbrennen, zur Behandlung der Refluxerkrankungen und zur Prophylaxe von Magengeschwüren eingesetzt.

Was ist das Nitrosamin NDMA?

NDMA erklärt

Das Nitrosamin NDMA (N-Nitrosodimethylamin) gehört zu den Substanzen, die in Tier­versuchen Krebs auslösen können. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft es als wahrscheinliches Karzinogen (Krebserreger) ein. Grundlage der Kanzerogenität ist die Bildung von DNA-Addukten, die durch ein Stoffwechselprodukt von NDMA ausgelöst wird.
NDMA kommt in einigen Lebensmitteln (Fleisch, Milchprodukte und Gemüse) und im Leitungswasser vor. In sehr geringen Mengen ist es vermutlich nicht schädlich. Die Standards für Medikamente sind jedoch sehr hoch. Sie sollten nur Wirkstoffe und Hilfsstoffe enthalten.


Eine amerikanische Online-Apotheke war offenbar bei Routinekontrollen auf das Nitrosamin gestoßen und hatte die Verunreinigung bei der US-Arzneimittelbehörde gemeldet. Es handelt sich um denselben Stoff, der im Vorjahr bereits den Valsartan-Skandal ausgelöst hatte. Laut Bundesregierung waren damals rund 900.000 Patienten vom "Valsartan-Skandal" betroffen.

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Rückruf von Magensäureblocker in Deutschland

Diese Ranitidin-Präparate sind betroffen:

  • Ranitidin-ratiopharm 150 mg und 300 mg, 20, 50 und 100 Filmtabletten, alle Chargen mit dem Verfalldatum bis 06/2021
  • Ranitidin-ratiopharm 50 mg/5 ml, 5x5 ml Injektionslösung, alle Chargen mit dem Verfalldatum bis 06/2021
  • Ranitidin AbZ 150 mg und 300 mg, 50 und 100 Filmtabletten, alle Chargen mit dem Verfalldatum bis 06/2021
  • Ranitidin 75 - 1 A Pharma, 10 und 14 Filmtabletten, alle Chargen
  • Ranitidin 150 und 300 - 1 A Pharma, 20, 50 und 100 Filmtabletten, alle Chargen
  • Ranitic 75 mg akut bei Sodbrennen, 14 Filmtabletten, alle Chargen
  • Ranitic 150 mg und 300 mg, 20, 50 und 100 Filmtabletten, alle Chargen
  • Ranibeta 300, 50 und 100 Filmtabletten, Chargen C700074, C700076, C700078
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