Ewige Suche nach Endlager : Wohin mit dem Atommüll? Karte zeigt mögliche Gebiete

Im Forschungszentrum Jülich lagern Castorenbehälter, die im Herbst 2019 voraussichtlich ins Zwischenlager Ahaus transportiert werden.
Im Forschungszentrum Jülich lagern Castorenbehälter, die im Herbst 2019 voraussichtlich ins Zwischenlager Ahaus transportiert werden.

Vor allem in Norddeutschland eignen sich Geologen zufolge theoretisch einige Orte für die Lagerung der Gefahrstoffe.

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26. April 2019, 06:00 Uhr

Hannover | Bis zum Jahr 2031 soll innerhalb Deutschlands der Standort für ein Endlager für hochradioaktiven Müll gefunden werden. Dazu hat sich das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit verpflichtet. Rund 30.000 Kubikmeter Atommüll müssen entsorgt werden. Doch die Suche nach einem geeigneten Endlager dauert schon seit Jahrzehnten an. In Kiel startete am Mittwoch eine Serie bundesweiter Infoveranstaltungen über das Suchverfahren.

Weiterlesen: Atomlager: Auch in MV wird gesucht

Welche Gebiete kommen zur Lagerung infrage?

International sind sich Experten einig: Die hoch radioaktiven Atom-Abfälle müssen tief in einem Bergwerk entsorgt werden. Als geologische Formationen kommen Salz, Ton und kristallines Gestein wie Granit infrage. Es gibt mehrere solche Gebiete in Deutschland, besonders viele liegen in Niedersachsen, einige in Mecklenburg-Vorpommern.

In der folgenden Karte sind die Salzstöcke blau gekennzeichnet, die nach einer Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) von 1995 als "untersuchungswürdig" bewertet wurden: Zwischenahn, Wahn, Waddekath, Gülze-Sumte und Gorleben – letzterer Salzstock wurde bereits für eine Endlagerung erkundet.

Die roten Markierungen stellen die kristallinen Gesteinsformationen dar (meist Granit), die laut der BGR-Studie von 1994 "untersuchungswürdig" sind. Grün sind die nach Kriterien von 2007 "untersuchungswürdigen" Tonsteinformationen.

Grafik: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
Grafik: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

2020 soll die Bundesgesellschaft für Endlagerung prüfen, welche der Gebiete für eine Endlagerung geeignet wären. Grundlage dafür sind dann allerdings aktuellere Kriterien, die die Endlagerkommission entwickelt hat. Anschließend sollen Bundestag und Bundesrat bestimmen, welche Standorte erkundet werden. Mithilfe der dabei gesammelten Informationen wird der Gesetzgeber letztlich ein Gebiet als Endlager festlegen.

Was ist überhaupt Atommüll?

Wenn für radioaktive Stoffe keine Verwendung mehr vorgesehen ist, gelten sie als Atommüll. Der größte Teil radioaktiver Rückstände entsteht bei der Stromerzeugung in den Atomkraftwerken. In Deutschland sind es jährlich rund 450 Tonnen. Kleinere Mengen fallen auch in einigen Industrie- und Forschungsunternehmen sowie dem medizinischen Bereich an.

Der größte Müllberg besteht aus schwach- und mittelradioaktiven Abfällen. Das umfasst Putzlappen, Werkzeuge, Behälter, Schlämme und Öle sowie Arbeitskleidung aus der Uranwirtschaft, aus Laboren oder Röntgenabteilungen in Krankenhäusern.

Hochradioaktiv sind dagegen die in den Kernkraftwerken abgebrannten Brennelemente. Die mit Uran angereicherten Kernbrennstäbe müssen nach der Brennzeit wegen ihrer extrem gefährlichen Strahlung und Hitze erst in Wasserbecken abklingen und dann in speziell gesicherten Castor-Behältern gelagert werden.

Die folgende Grafik zeigt wie viel Atommüll im Jahr 2017 in den einzelnen Zwischenlagern untergebracht waren:

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Ein Teil der in Deutschland abgebrannten Brennelemente wird in Frankreich und Großbritannien recycelt. Die Abfälle davon kommen zurück nach Deutschland. Grund für den Auslandstransport ist ein Gesetz von 2005. Es untersagt, dass Brennstäbe in Deutschland weiterverarbeitet werden.

Ideen zur Entsorgung, die verworfen wurden
  • In den Weltraum schießen: Die vielen Raketenstarts wären sehr teuer und bergen das hohe Risiko, das die Raumsonde mit dem Material beim Start explodiert. 
  • Ins Erdinnere verfrachten: Die technische Machbarkeit ist nicht geklärt. Es besteht das Risiko, dass die Abfälle mit den tektonischen Platten verschoben werden und bei Erdbeben oder Vulkanausbrüchen die Menschheit gefährden. 
  • Im Eis einfrieren: Die Wärme, die der Müll abstrahlt, würde das Abschmelzen der Polarkappen beschleunigen. 
  • Technisch abbauen: Noch ist keine Methode etabliert, wie langlebige strahlende Substanzen in kurzlebige Stoffe umgewandelt werden könnten.  
  • In Hallen unterbringen: Den hohen Sicherheitsansprüchen genügt eine überirdische Lagerung derzeit nicht.  
  • Ins Ausland exportieren: Das ist derzeit gesetzlich verboten und gilt als ethisch verwerflich. 

(Quelle: Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit)

 

Wie lange braucht Atommüll, um abgebaut zu werden?

Schwach- oder mittelradioaktive Abfälle haben eine lange Halbswertszeit, brauchen also viele Jahre, um abgebaut zu werden. Sie werden derzeit in Zwischenlagern wie dem Bergwerk Asse II bei Wolfenbüttel untergebracht.

Halbwertszeit meint die Zeitdauer, die verstreicht, bis die Hälfte der instabilen Atome zerfallen ist – was auch die radioaktive Strahlung halbiert.

Die Brennelemente aus Kernkraftwerken bestehen aus einem breiten Gemisch unterschiedlicher radioaktiver Substanzen. Einige der Stoffe wandeln und zerfallen sehr schnell – innerhalb Sekundenbruchteilen – bei anderen, wie Uran-238, entspricht die Halbwertszeit dem gegenwärtigen Alter der Erde.


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