Unternehmen : Auch langweilige Tätigkeiten fördern die Kreativität

Professor Michael Leyer. /Michael Leyer/dpa/Archivbild
Professor Michael Leyer. /Michael Leyer/dpa/Archivbild

Es wird allgemein als ein großer Vorteil der Digitalisierung angesehen, dass einfache und sich stetig wiederholende Tätigkeiten ihr übernommen werden. Doch so einfach ist dies nicht, sagt ein Rostocker Professor.

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16. Oktober 2019, 07:38 Uhr

Auch in Zeiten der Digitalisierung sollten Unternehmen darauf achten, ihren Mitarbeitern einen Anteil von einfachen und standardisierten Tätigkeiten in ihrem Arbeitsfeld zu bieten. Dies sei notwendig, weil sich daraus die Fähigkeit zum Erlernen von anspruchsvolleren und innovativen Aufgaben ergebe, sagte der Rostocker Professor für Betriebswirtschaftslehre, Michael Leyer, der Deutschen Presse-Agentur. Dies widerspreche eigentlich dem Trend, Mitarbeiter von langweiligen Aufgaben zu entlasten. Der wesentliche Unterschied zwischen Software und Mensch sei allerdings, dass die Software nur innerhalb bestimmter Parameter arbeitet, während ein Mensch durch Kreativität auch außerhalb der Parameter auf neue Ideen kommen kann.

Eine von ihm gemeinsam mit der Frankfurt School of Finance & Management erarbeitete Studie habe ergeben, dass immer mehr Unternehmen merken, dass ihre Mitarbeiter weniger Wissen haben und ein geringeres Verständnis von Zusammenhängen zeigen. Mitarbeiter würden durch digitale Unterstützung immer mehr in eine Empfängerrolle von Aufträgen gedrängt. «Sie werden zum Nicht-Mitdenken erzogen, selbst wenn ihnen mehr Verantwortung gegeben wird», sagte Leyer. Der Grund dafür sei, dass intelligente Software einen Teil des Denkens übernimmt, dabei aber in den vorgegebenen Grenzen bleibt.

«Echte Innovationen gibt es so nicht», betonte Leyer. Wenn sich dann Rahmenbedingungen wie Kundenanforderungen oder Technologien ändern, gerate das Unternehmen in Gefahr, nicht mit zukunftssichernden Innovationen aufwarten zu können. «Erste Unternehmen haben dies erkannt. Sie steuern gegen, indem sie Mitarbeiter wieder zu Experten aufwerten und die Digitalisierung zur Unterstützung ihrer Mitarbeiter einsetzen anstelle diese zu ersetzen», fasst Leyer zusammen. So könne die Effizienz erhöht werden, aber die Balance zu Möglichkeiten von Innovationen werde gehalten.

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