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Reisen in die Natur Die Gärten am Bodensee

Von Gerd Krauskopf | 03.06.2017, 16:00 Uhr

An den westlichen Seeufern entdecken Gartenfreunde auf einer Zeitreise die schönsten kleinen und großen Refugien.

Hortense, die Stieftochter Napoleons war es, die den westlichen Bodensee aus dem Dornröschenschlaf des Mittelalters geweckt hat. Nach der Niederlage von Waterloo und der daraus resultierenden Verbannung zog es Hortense 1816 dorthin.

Sie erwarb die herrschaftlichen Anwesen Schloss Seeheim bei Konstanz und Schloss Arenenberg im Schweizer Kanton Thurgau. Ihr folgten Künstler, Literaten, Politiker und Bankiers, die sich in ihrer Nähe in prachtvollen Villen mit herrschaftlichen Parkanlagen niederließen und ausschweifende Feste feierten. Heute sind in einer paradiesischen Vielfalt vom verwunschenen Bauerngarten bis hin zu Schlossgärten Gäste willkommen.

So auch bei Adolf Röösli in Berg oberhalb von Arbon auf Schweizer Seite. Dort hat der Gärtnermeister aus Zürich das arg heruntergekommene Schlösschen Grosser Hahnberg mit einem verwilderten Garten 1992 erworben. Heute erinnert alles durch seiner Hände Arbeit an eine Miniaturausgabe von Versailles. Am verwunschenen kleinen Teich fehlen nur noch Staffelei und Leinwand, um die farbenprächtigen Rhododendren und Azaleenbüsche vor einer mächtigen, seltenen Föhrenart in Öl festzuhalten.

Der Weg zu weiteren Gärten in Deutschland führt nach kurzer Fahrt zur Halbinsel Höri am Untersee. Dort ist oberhalb des Bodensees ein kleiner Kräutergarten in Schienen auf dem Schienerberg das Ziel. Nach einem kurzen Aufstieg auf dem steil aufsteigenden Miniaturkreuzgang mit vierzehn Stationen hat Georg-Johannes Maier neben einer ehemaligen Kapelle nach alter Klostertradition einen kleinen, bewusst lieblich gehaltenen Kräutergarten angelegt. Unter der damaligen Kirche Sankt Michael und Sankt Mauritius öffnet er täglich zur Meditation für Gäste eine winzig kleine Krypta.

„Des isch a Fuulenzer”, urteilten die damaligen Bewohner von Gaienhofen einige See-Orte weiter über den komischen Menschen Hermann Hesse, der ihrer Meinung nach nicht arbeiten ging und auch kein Vieh hielt. Der Autor und seine Frau Mia hatten ein riesiges Grundstück über dem See gekauft. Dort ließen sie sich ein Haus bauen, zogen 1907 ein, und Hesse legte einen Selbstversorgergarten mit verschiedenen Bäumen, Nutzpflanzen und Blumen an. 2003 erwarb die Diplombiologin Eva Eberwein das total verwilderte Grundstück und machte ein kulturelles Kleinod daraus.

Per Schiff geht es von Gaienhofen nach Konstanz zur Bodenseepromenade zum Schloss Seeheim. Nach dem Zusammenbruch der napoleonischen Ära war es der erste Wohnsitz von Hortense. Bleiben konnte sie dort auf Drängen Frankreichs nicht. Daher zog sie in ihr Schloss Arenenberg. Noch heute erzählt man sich von den ausschweifenden Festen dort in den Lustgärten Seeheims mit erlauchten Persönlichkeiten. Überliefert ist vom französischen Schriftsteller Chateaubriand der Ausspruch an seine angebetete Madame Récamier an einem lauschigen Uferplätzchen: „Ich will nicht sterben, ich will nur in dir vergehen, wie die Wellen zu deinen Füßen.“

>> Infos: www.tourismus-untersee.eu