Ein Angebot des medienhaus nord

Seebestattung Greifswalder Urnen an Nordseeküste angespült

Von Redaktion svz.de | 02.01.2019, 12:10 Uhr

Fehler bei geplanter Seebestattung führt zu makaberen Fund an der Nordseeküste.

Drei zur Seebestattung vorgesehene Urnen aus dem Greifswalder Krematorium sind an der niederländischen Nordseeküste angespült worden

Urnen aus Versehen ins Meer gefallen

Die niederländische Reederei Trip Scheepvaart in Scheveningen gestand ein, dass ein Fehler bei der geplanten Seebestattung unterlaufen sei. Der nasse Karton mit den Urnen sei einem Mitarbeiter von der Reling ins Meer gerutscht, sagte Silvia Roos von der Reederei am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Die Urnen sollten aus dem Karton genommen, geöffnet und die Asche bei einer anonymen Bestattung im Meer verstreut werden. „Der Vorfall ist uns sehr unangenehm.“ In Deutschland sind Seebestattungen nur in biologisch abbaubaren Urnen erlaubt, wie Andreas Neumann von der Reederei Teßnow in Peenemünde sagte. Diese bestünden aus einem Salz-Ton-Gemisch oder aus einem Pappmaterial, das sich innerhalb weniger Tage auflöst. Zum Teil würden Urnen beschwert, um sicher zu gehen, dass sie auch untergehen.

Staatsanwaltschaft prüft mögliche Störung der Totenruhe

In den Niederlanden ist es dagegen laut der Reederei Trip Scheepvaart erlaubt, die Asche im Meer zu verstreuen. Die Asche von zwei Verstorbenen sei inzwischen dem Meer übergeben worden, eine dritte Seebestattung sei geplant. Zudem überlege die Reederei, wie man sich bei den Angehörigen entschuldige. Auf den Urnen standen Name und Geburtsdatum der Verstorbenen. Zudem ließ sich auch das Krematorium identifizieren. Nach Angaben der Polizei in Anklam stammen die Toten aus Vorpommern.

Für die Angehörigen der im August und September Gestorbenen sei es vermutlich schwer, sich nun auf diese Weise nochmals mit dem Trauerfall beschäftigen zu müssen. Die Staatsanwaltschaft prüfe eine mögliche Störung der Totenruhe, sehe aber derzeit keinen Ansatzpunkt für Ermittlungen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die Greifswalder Vize-Oberbürgermeisterin Jeanette von Busse (CDU) zeigte sich verärgert. „Ich bin schockiert, wie mit den Urnen umgegangen wurde und kann mir nicht erklären, wie sie über Bord geraten konnten.“ Von der Stadt sei die Einäscherung ordnungsgemäß erfolgt und die Urne an den zuständigen Bestatter übergeben worden.

Mysteriöses Strandgut

Eine Urne beschäftigte vor Jahren auch den Inselpolizisten von Hiddensee. Der Bestattungsbehälter war an den Strand gespült worden. Die Herkunft des Fundes sollte Kommissar Horst Henk aufklären. Drei Anhaltspunkte erleichterten ihm die Arbeit an dem Fall: Auf der Urne waren der Name des Toten vermerkt, das Datum seines Todes und der Einäscherung vermerkt. Im Internet stieß Henk auf die Todesanzeige für den Verstorbenen – diese Spur führte ihn zu dem Bestatter und den Hinterbliebenen und zur Auflösung des Urnenrätsels. Die Asche des Verstorbenen war ursprünglich in Schleswig Holstein dem Meer übergeben worden. Allerdings in einer Urne für Erdbestattungen.  Das Gefäß sank nicht auf den Grund, sondern wurde fortgespült.  Die sterblichen Überreste wurden ein zweites Mal bestattet.  roll