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Städtpartnerschaft Die Esten sind die Besten

Von JCHR | 26.06.2017, 21:00 Uhr

Siebenköpfige Delegation aus Bützow von der Reise nach Sillamäe begeistert

Mittlerweile haben die sieben Bützower ihre Koffer wieder ausgepackt. Gepackt hatten sie ihn, weil sie über das Wochenende in die Bützower Partnerstadt Sillamäe nach Estland reisten. Die kleine Stadt unweit der russischen Grenze und des finnischen Meerbusens feierte nämlich ihr 60-jähriges Stadtrecht. Und dazu luden Bürgermeister Tönis Kalberg und die Stadtregierung auch Bützower ein.

Bürgermeister Christian Grüschow, Wolfgang Wehrmann, Axel Ulrich, Eckhard und Gudrun Knoll, Marlies Schwarz und Margrid Zikarsky nahmen die Einladung gern an. Geschichtliches und Wissenswertes aus der Gegenwart lernten die Bützower. Sillamäe gibt es schon seit mehr als 600 Jahren. Doch zwischenzeitlich war der Ort von den Landkarten verschwunden und wurde geheim gehalten. Die Stadt wurde regelrecht abgeriegelt. Der Grund: Die Sowjetunion betrieb dort Uranforschung, Wissenschaftler arbeiteten dort an einer Atombombe.

Davon ist nun nichts mehr zu sehen. Seit die Baltischen Staaten unabhängig und Mitglied in der Europäischen Union sind, kamen viele Förderprogramme ins Land. So entstand auch die Städtepartnerschaft zu Bützow. Eine Berufsschule aus Sillamäe war nämlich auf der Suche nach einer Partnerstadt in Deutschland. Sie wurden über das Internet auf den Berufsbildungsverein Steinhagen aufmerksam. Der damalige Bürgermeister Lothar Stroppe und Peter Müller vom BBV fedelten schließlich die Partnerschaft ein. 2003 kamen erste Auszubildende aus der Metallverarbeitung nach Steinhagen. Einen davon, Arthur, trafen die Bützower sogar beim „Feuerfest am Meer“ am Wochenende in Sillamäe.

Für längere Zeit wurde es ruhig um die Städtepartnerschaft. Das könnte sich nun ändern, denn die Bützower sind hellauf begeistert von ihrem Kurztrip. „Die Gastfreundlichkeit und das ganze Drumherum, das habe ich so noch nicht erlebt“, schwärmt Margrid Zikarsky vom Fremdenverkehrsverein. Es sei mehr gegessen worden als eigentlich in den Bauch passte und häufig sei auch angestoßen worden.

Auch Christian Grüschow ist begeistert. „Das war ein sehr schöner Aufenthalt. Alles war super durchorganisiert und alle waren sehr gastfreundlich. Nun hoffen wir auf einen baldigen Besuch aus Estland.“ Vielleicht schon beim nächsten Stadtfest?

Es soll aber nicht nur bei Willensbekundungen bleiben. Das machte Grüschow in einer Rede beim offiziellen Empfang aller Delegationen in Sillamäe deutlich. Er sagte dort, dass eine konkrete Zusammenarbeit vertieft und intensiviert werden müsse. Daraufhin sprach ihn eine Lehrerin an. Gemeinsam entstand die Idee eines Schüleraustausches. Sechs bis acht Wochen sollten es sein, um einen sprachlichen Mehrwert zu haben, so Grüschow. Schüler, die estnisch lernen, dürften in Bützow schwer zu finden sein. Aber laut Grüschow würden in Estland etwa 90 Prozent der Schüler Russisch sprechen. Und die Esten könnten hier Deutsch lernen und zugleich von den handwerklichen Vorteilen der Region profitieren – also ganz so, wie es bei der Gründung der Fall war.