Buchenhof : Die Eiche und ihr kleiner Freund

Stolz stehen sie vor ihrer Lars-Eiche, wie sie den Baum liebevoll nach ihrem Enkel benannt haben: Gisela und Günter Doer
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Stolz stehen sie vor ihrer Lars-Eiche, wie sie den Baum liebevoll nach ihrem Enkel benannt haben: Gisela und Günter Doer

Gisela und Günter Doer erinnern sich an die Geschichte vom Baum ihres Enkels

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22. Juni 2020, 05:00 Uhr

Der kleine Junge, gerade mal zwei Jahre alt, sitzt im Sandkasten und baut Sandburgen. Plötzlich schaut da ein Stöckchen heraus. Der Junge zieht daran und hält das komplette Stöckchen in der Hand. Aber er wundert sich, ist doch oben ein winziges Blatt dran und unten hängt neben einer kurzen Wurzel noch eine Eichel. „Opaaa!“, ruft er aufgeregt und läuft mit seinen kurzen Beinchen so schnell er kann zum Großvater, um ihm stolz und fragend zugleich seinen Fund zu zeigen.

Und der, Opa Günter Doer, erklärt seinem Enkel so einfach wie möglich, dass dies ein Sämling sei und dass daraus, wenn man ihn in die Erde bringt, ein riesengroßer Eichenbaum wird. Das war 1985. Und der kleine Junge Lars war der erste Enkelsohn von Gisela und Günter Doer. Das Ehepaar lebte damals in Kaarz bei Sternberg, wo Günter Doer 38 Jahre lang als Revierförster tätig war.


Oma und Opa müssen umziehen

Opa und Enkel pflanzten nun den Sämling in einen Blumentopf, dann erklärte der erfahrene Waldmann, dass diese kleine Eiche jeden Tag einen Schluck Wasser bekommen muss, um ein großer Baum zu werden. Und tatsächlich hat der kleine Lars, der aufgrund seiner studierenden Eltern viel bei den Großeltern war, sein Bäumchen jeden Tag gegossen. Nach einem Jahr pflanzten die Zwei den Minibaum in den Garten, wo er noch acht, neun Jahre wachsen durfte.
Dann aber ging der Revierförster in Rente. „Zu DDR-Zeiten hieß es, ihr könnt für immer in Kaarz bleiben, denn die Försterei war weit weg vom Schuss“, erzählt Gisela Doer weiter. „Aber dann kam die Wende und plötzlich war diese Aussage hinfällig. Wir mussten uns eine neue Bleibe suchen. Doch in die Stadt wollten wir nicht. Wir waren von unserer Einsamkeit und dem Wald so verwöhnt…“

Eines Tages aber kam der jüngste Sohn Torsten, Revierförster in Rosenow, mit der frohen Botschaft, er hätte für sie ein Haus gefunden. In Buchenhof, im Wald, etwas ab vom Schuss. Wie sie es gewohnt waren. Die Besichtigung war zunächst ein Schock, denn das Haus, ebenfalls ein Försterhaus, gebaut 1959, war mehr als drei Jahre nicht mehr bewohnt gewesen. Trotzdem kauften sie es und noch Land dazu, denn irgendwo musste ja die Lars-Eiche weiterwachsen…


Der Baum kommt mit ins neue Heim

Die Eiche war inzwischen zu einem Heister, einer etwa ein Meter fünfzig hohen Peitsche geworden. Als nun 1995 nach langen Restaurations- und Umbauarbeiten der Umzug anstand, wurde der inzwischen 12-jährige Lars ganz traurig. Günter Doer erinnert sich, wie er damals wieder zu ihm gelaufen kam: „Opa… meine Eiche können wir doch noch mal ausgraben und neu einpflanzen, denn sie muss mit! Da nun die Eiche dank der guten Pflege schon ein stattliches Wurzelwerk hatte, sah ich eine Chance, dass sie diesen Umzug überlebt.“

Die Lars-Eiche zog also mit um von Kaarz nach Buchenhof und fand an der Grundstücksgrenze ihr neues und endgültiges Zuhause. Inzwischen ist sie 35 Jahre alt und gute 18 Meter hoch, schätzte der ehemalige Revierförster. „Immer wenn Lars kommt, fragt er: was macht meine Eiche? Und dann klettert der heute 37-Jährige hinein und genießt von dort aus die Aussicht ins Land oder klettert auch nur um des Kletterns wegen. Der junge Mann hat nämlich Sportmanagement studiert und ist Kletterlehrer. Als solcher kraxelt er dann aber mit seinen Schülern an Felswänden hoch. Deshalb ist so eine Eiche für ihn überhaupt kein Problem“, so Günter Doer.

Seine Frau Gisela ergänzt abschließend: „Lars war unser erster Enkel und seine Baumgeschichte ist für uns so eine schöne Erinnerung. Da kann man doch verstehen, dass sein Baum, unsere Lars-Eiche, zwischen all den vielen Bäumen um uns herum zu unserem Lieblingsstück geworden ist, nicht wahr?“

Unsere Serie

Der erste Schnuller des Sohnemanns, der heute schon 30 Jahre alt ist, eine Schallplatte mit Musik, bei der sich Mann und Frau kennengelernt haben, das Kennzeichen des ersten eigenen Autos, ein Werkzeug, auf das man nicht verzichten möchte, ein Souvenir, das an einen besonderen Urlaub erinnert. Über das und vieles mehr möchten wir jeden Montag berichten. Haben auch Sie, liebe Leser, ein Lieblingsstück? Dann lassen Sie es uns wissen und erzählen Sie uns die Geschichte dazu. Tipps nehmen wir gerne am Telefon unter 038461/421 81 64 (9 bis 17 Uhr) oder per E-Mail an
buetzow@svz.de mit dem Betreff „FMA – Mein Lieblingsstück“ entgegen.


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