Schwaan : Kein Ostsee-Hering in Konserven

Heringfischer in der Ostsee: Ihre Ware landet nur in geringen Mengen bei der Firma Strelasund, einer Tochter der Schwaaner Fischwarenfabrik Sywan.
Heringfischer in der Ostsee: Ihre Ware landet nur in geringen Mengen bei der Firma Strelasund, einer Tochter der Schwaaner Fischwarenfabrik Sywan.

Schwaaner Fischwarenfabrik Sywan konzentriert sich fast vollständig auf den Fang aus dem Nordostatlantik und aus der Nordsee

nnn.de von
21. Juli 2018, 15:00 Uhr

Rund 6500 Tonnen Fisch verarbeitet die Schwaaner Firma Sywan im Jahr, und zwar fast nur Hering. Doch der stammt wiederum zu 98 Prozent aus dem Nordostatlantik und aus der Nordsee. Deshalb betrifft die Diskussion um Fangverbot und Fangquote für diesen Brotfisch in der westlichen Ostsee die Firma Sywan kaum. Als Brotfisch wird eine Fischart bezeichnet, die den Hauptertrag ausmacht.

Nur der Produktions-standort der Firma Sywan in Stralsund wäre von Beschränkungen des Heringfangs in der Ostsee betroffen, erläutert Ralf Böschen, der mit Antje Kobs die Geschäfte führt. Unter dem Namen Strelasund werde dort Ostsee-Hering für den Großhandel verarbeitet. Der sei zwar nicht zertifiziert, aber nachhaltig befischt.

Komme für diesen Hering ein Fangverbot, wie ihn die Wissenschaftler empfehlen, breche für Sywan diese Produktgruppe für ein Jahr weg. Dr. Christoph Zimmermann, Leiter des Thünen-Instituts für Ostsee-Fischerei in Rostock, hat jüngst in einem Interview gesagt, die Wissenschaftler würden ein Fangverbot empfehlen, wenn der Hering-Bestand nicht mit einer Quote kurzfristig wachse.

Sein Vorschlag: eine Reduktion von mindestens 44 Prozent. Er rechnet damit, dass die deutschen Ostsee-Fischer künftig nur noch 15 000 Tonnen im Jahr fangen könnten. Damit kämen sie wegen des Heringpreises aus. Böschen befürchtet für die Fischwarenfabrik Sywan, dass im Fall einer Fangquote langjährige Geschäftsbeziehungen zerstört werden könnten. Arbeitsplätze seien deshalb bei Sywan aber nicht gefährdet.

Ein Hering-Fangverbot in der westlichen Ostsee bedeute für die Fischereien in der Region aber sehr wohl ein großes Problem, fährt Ralf Böschen fort. „Vielleicht sind die übernächstes Jahr dann nicht mehr da“, sagt der Geschäftsführer. Das tue ihm für diese Fischereien leid. Mit Stellnetzen zu fischen, sei mühsam. Diese Fischer seien in der verhältnismäßig flachen Ostsee mit ganz kleinen Fangschiffen unterwegs und holten genau die Tiere heraus, die man brauche. Auch wegen der Tradition sei es schade, wenn diese kleinen Betriebe verschwänden.

Zurück zu Sywan: Die Schwaaner konzentrieren sich auf den Hering aus der norwegischen, irischen, keltischen See sowie aus der Nordsee. „Die Hauptmenge besteht aus zertifiziertem MSC-Fisch“, erläutert der Geschäftsführer. Das „Marine Stewardship Council“ aus London ist eine gemeinnützige Organisation. Der Verbraucher kennt sein blaues MSC-Logo seit etwa 20 Jahren. Es ist auf Verpackungen in den Lebensmittelläden zu finden und garantiert nachhaltige Fischerei. „Der Nordostatlantik und die Ostsee sind in meinen Augen die am besten kontrollierten Fanggebiete“, sagt Ralf Böschen. Die Anrainerstaaten verhandeln über Fangquoten. Die Fischereiminister der EU hatten sich dem Deutschen Naturschutzring zufolge für 2018 auf eine Erhöhung der Fangquoten für Seelachs, Kabeljau, Schellfisch und Hering geeinigt. Deutsche Fischer dürfen in diesem Jahr ein Viertel mehr Hering fangen als im Vorjahr – also rund 65 000 Tonnen. Kommt Großbritannien nach dem Brexit als eigene Fangnation dazu, ist damit zu rechnen, dass es einen höheren Anteil fordert. Ralf Böschen befürchtet, dass es deshalb im nächsten Jahr zu Einschränkungen beim Fischfang im Nordostatlantik kommt. Und das hätte wahrscheinlich erhebliche Folgen für die Fischwarenfabrik in Schwaan, deren Kerngeschäft die Produktion von Fischdauerkonserven ist.

Auch der Preis je Fischkonserve spiele in Deutschland eine Rolle, sagt Ralf Böschen. Komme er in die Nähe eines Euros, strafe der Kunde das ab. „Im europäischen Ausland sind die Kunden mehr bereit, mehr Geld für ein hochwertiges Naturprodukt auszugeben“, weiß er.

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