Schwaan : Kleine Tricks erleichtern Pflege

Praktisches Üben von bekannten Alltagssituationen: Conny Bartsch (l) dreht den 'Patienten' mit minimalsten Kraftaufwand auf die Seite.
Praktisches Üben von bekannten Alltagssituationen: Conny Bartsch (l) dreht den "Patienten" mit minimalsten Kraftaufwand auf die Seite.

In der Fachklinik Waldeck bestreiten Mitarbeiter einen Kinaesthetics-Kursus, der auch pflegenden Angehörigen helfen kann

nnn.de von
29. März 2019, 20:00 Uhr

Schwester Conny tritt an das Bett eines Patienten. Sie muss ihn, der seine Beine nicht allein koordinieren kann, aus dem Bett in den Rollstuhl heben. Das Heben allerdings ist ihr nicht zumutbar, denn dafür ist der Patient viel zu schwer. An dieser Stelle muss sich also Schwester Conny an die ersten Stunden ihres Kinaesthetics-Kurses erinnern, welches das Ziel überschreibt: „…die noch vorhandenen Fähigkeiten des zu pflegenden Menschen respektvoll zu erhalten und zu fördern, aber auch den Pflegenden vor Überlastungen zu schützen.“

Also hebt sie den Patienten nicht aus dem Bett, sondern lässt ihn sich weitestgehend allein auf die Seite drehen, unterstützt das Umdrehen nur über einen leichten Druck auf Schulter und Po, nachdem sie ihm die Beine angestellt hat. Dabei gesteht sie: „Ich bin immer zu schnell und will zu viel gleichzeitig. Ich weiß, er soll das, was er noch kann, ja allein machen.“ „Ja, dann musst Du Dir einen Kittel anziehen mit zwei Taschen, für jede Hand eine…“, sagt Nicola Zacharias und lacht.

Der Pflegeberuf gilt als einer der, im wahrsten Sinne des Wortes, schwersten Berufe. Die Kinaesthetics setzt genau da. 13 Schwestern, Pfleger, zwei Ergotherapeuten und eine Logopädin nehmen derzeit das Angebot der Fachklinik Waldeck wahr, sich in der Pflege, konkret in der Kinaesthetics weiterzubilden. Die Fachfrau dafür ist Nicola Zacharias aus Lüneburg. Sie war 20 Jahre als Krankenschwester tätig, ließ sich zum Kinaesthetics-Trainerin ausbilden und machte sich selbstständig.

Kinaesthetics kann mit der „Wissenschaft der Bewegungswahrnehmung“ übersetzt werden. Sie geht davon aus, dass Hilfestellungen durch einen Pfleger, einer Schwester dann für den Patienten gesundheits- und entwicklungsfördernd sind, wenn sie die Bewegungsressourcen, die Eigenaktivität und Selbstwirksamkeit eines zu pflegenden Menschen unterstützen. Dazu muss der Pflegende aber wissen, was und wie er den Patienten in der Bewegung unterstützen kann, ohne seine eigene Gesundheit dabei zu schaden.

„Weil wir aber mit Menschen arbeiten, die alle anders sind und deren Verhalten wir nicht vorhersehen können, gibt es keine grundsätzlichen Techniken. Der Pfleger muss sich an die Situation anpassen, sich in die Bewegungen des Patienten einfühlen können und dann, wenn nötig, minimalste Hilfestellungen geben“, so die Kinaesthetics-Trainerin. „So kann Kinestaethics zu erstaunlichen Fortschritten bei den pflegebedürftigen Menschen führen. Ja, sie verhindert sogar, dass sich Pflegende überanstrengen, ihre eigene Gesundheit riskieren“, erklärt Nicola Zachariasr.

Während des Kursus lässt sie Situationen aus dem Pflegealltag nachstellen, um so die kinaesthetische Unterstützung dabei zu üben. „Was man hört, behält man nicht so, als wenn man es tut!“, weiß die Dozentin.

Diese Ausbildung ist aber auch oder erst recht für pflegende Angehörige geeignet. Wer zu Hause einen Angehörigen pflegt und sich dafür interessiert, wie er den körperlichen Umgang mit ihm für ihn und sich erleichtern kann, der kann sich über www.wir-pflegen-zuhause.de informieren und zu einem Kinaesthetics-Kurs anmelden. Dieser wird, so Nicola Zacharias, auch von der Pflegekasse bezahlt. Auch ein Kursus in der häuslichen Umgebung sei möglich.

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