Mahnfeuer an der Autobahn

Das Feuer lodert: Landwirte der Region entzündeten an der A20 bei Gnemern ein Mahnfeuer.
Das Feuer lodert: Landwirte der Region entzündeten an der A20 bei Gnemern ein Mahnfeuer.

Landwirte der Region Bützow und Schwaan setzen Proteste gegen die Agrarpolitik des Bundes fort

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03. Februar 2020, 20:00 Uhr

Direkt an der A 20 bei Klein Gnemern auf einer erhöhten Ackerfläche haben Landwirte Holz aufgestapelt. Unterstützt wurden sie von Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Klein Sien und der Jugendwehr. Als es dunkelt, wird das Holz entzündet. Schnell entwickelte sich ein hoch loderndes Feuer. Ein Mahnfeuer, mit dem sich Landwirte aus der Region Bützow und Schwaan dem bundesweiten Protesten anschließen.

Bei Klein Gnemern sind die Landwirte Ulrich Constien, Agrar GmbH Klein Sien, Harald Krey vom Landwirtschaftsbetrieb Krey/Springborn, Kurzen Trechow, die Landwirte Dirk Schneekloth, Bernitt, Jens Lötter, Baumgarten, Diedrich Röder, Brookhusen, Lorenz Petersen von der Beketaler Schweinemast Heinz Neemken, sowie Manfred Bissa, Agrarhöfe Göllin /Laase, zusammengekommen, um ihren Protest kundzutun. Insgesamt sind es 25 Bauern und Sympathisanten.

Ihr Protest richtet sich vor allem gegen das Agrarpaket der Bundesregierung und die Verschärfung der Düngeverordnung. Bereits seit Herbst organisieren Bauern bundesweite Proteste und fordern dabei mehr Wertschätzung für ihre Arbeit. Viele sehen sich zu Unrecht kritisiert, während sie versuchen, umwelt- und klimaschonender zu wirtschaften. „Ich bin seit 16 Jahren Betriebsleiter“, erklärt Ulrich Constien. „Uns liegen Umwelt und Klima erst recht am Herzen, denn wir leben davon. So streuen wir von Jahr zu Jahr weniger Kunstdünger. Insektizide werden minimal eingesetzt. Wir legen Blühflächen an.“

Aber auch die möglichen Folgen des geplanten Mercosur-Abkommen zwischen der Europäischen Union und dem südamerikanischen Staatenbund treibt die Landwirte um. Sie befürchten, dass bei einem Abkommen über die Freihandelszone der hiesige Markt mit Agrarprodukten überschwemmt werden könnte, die nach geringeren Qualitätsauflagen und nicht so kontrolliert hergestellt werden wie hierzulande.

„Unsere Menschen sind schon lange viel umweltbewusster geworden, legen großen Wert auf Bioprodukte, protestieren gegen Massentierhaltung. Aber die Billigprodukte aus solchen Ländern, wo es nicht so hohe Auflagen zur qualitätsgerechten Fleisch- und Pflanzenproduktion gibt wie bei uns, werden nach wie vor gekauft. Das widerspricht sich doch!“, erklärt Constien.

Deshalb wenden sich die Bauern an die Menschen, gemeinsam mehr Druck auf die Politik auszuüben, um zu zeigen, dass es so nicht mehr weiter gehen könne. „Wir wollen aber auch die Bevölkerung dafür sensibilisieren, dass sie genauer hinschauen, was sie in den Supermärkten kaufen.“ Und er ergänzt: „Wir gehen nicht aus Langeweile auf die Straße. Es geht um unsere Existenz.“

Die Aktionen der Bauern sollen fortgesetzt werden. Jeden 1. Sonnabend im Monat sollen Mahnfeuer entzündet werden, kündigt der Bauernverband Bützow an. Wer mit den Landwirten da ins Gespräch kommen will, ist herzlich eingeladen. Die Proteste gehen solange weiter, bis die Politik mit den Bauern auf Augenhöhe ins Gespräch kommt.

Das Feuer der Landwirte wurde von vielen Autofahrer auf der A 20 registriert, die per Hupe einen Gruß sendeten.

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