Schwaan : Mathias W. äußert Reue vor Gericht

Auftakt im Prozess gegen Mathias W.: Der heute 44-Jährige soll 2012 einen Schwaaner Supermarkt überfallen haben.
Auftakt im Prozess gegen Mathias W.: Der heute 44-Jährige soll 2012 einen Schwaaner Supermarkt überfallen haben.

Prozessauftakt wegen räuberischer Erpressung in einem Schwaaner Supermarkt. Zwei Zeuginnen sagten aus. Vermutlich „Deal“ für den Angeklagten.

nnn.de von
13. Juni 2018, 05:00 Uhr

Obwohl die Straftat, die gestern im Landgericht Rostock verhandelt wurde, schon fast sechs Jahre zurück liegt, haben Sabine K. (43) und Christine B. (47), damals Verkäuferinnen im Norma-Markt in Schwaan, nichts vergessen. „Es war am 24. Oktober 2012, kurz vor Ladenschluss um 20 Uhr, als ein vermummter Mann reinstürmte“, berichtete die 43-Jährige. „Er hielt mir eine schwarze Pistole mit langem Lauf an den Kopf und verlangte Geld.“ Sie hätte laut geschrien und sei in den Aufenthaltsraum gelaufen, wo sich ihre Kollegin befand. „Der Täter verfolgte mich mit der Waffe in der Hand. Ich rief meiner Kollegin meine Geheimzahl für die Kasse zu und als die aufging, nahm der Mann alle Scheine raus. Es ging alles sehr schnell.“ Der Täter erbeutete 600 Euro. Sie hätte den Schock jetzt überwunden und arbeite noch bei Norma, obwohl sieben Wochen später der Markt erneut überfallen wurde.

Christine B. leidet noch immer. „Ich konnte meinen Beruf nicht mehr ausüben. Ich habe eine Ausbildung als Krankenschwester gemacht und arbeite jetzt in diesem Beruf“, berichtete sie. „Ich hatte schreckliche Angst. Ich bekam die Kasse nicht auf, weil ich die PIN meiner Kollegin nicht kannte.“ Auch später hätte sie oft aus Angst gezittert.

Die Ermittler fanden am Tatabend vor sechs Jahren auf dem Parkplatz des Norma-Marktes einen Einweghandschuh, den offensichtlich der Räuber verloren hatte. Der Handschuh wurde auf DNA untersucht, aber der dazugehörige Mann nicht gefunden. Erst im November 2016 gab es einen Treffer in der DNA-Analyse-Kartei. Die Merkmale wiesen auf den 44-jährigen Konstruktionsmechaniker und gebürtigen Rostocker Mathias W. hin. Er hatte am 17. März 2016 in Baden-Württemberg einen Netto-Markt überfallen und 1400 Euro erbeutet. Hier ging er der Polizei ins Netz. Da W. bis 2012 nicht vorbestraft war, konnte kein Vergleich stattfinden, denn seine DNA war damals noch nicht in der Kartei.

„Ich weiß, es ist nicht entschuldbar, was ich getan habe“, sagte der Angeklagte zu den beiden Zeuginnen. „Ich möchte mich trotzdem entschuldigen. Ich bereue es wirklich.“

Auf Anregung seines Verteidigers fand ein Vorgespräch statt. Alle Gerichtsbeteiligten einigten sich auf eine Gesamtfreiheitsstrafe, die die Strafe für den Überfall auf den Netto-Markt in Steilheim mit einschließt und die sieben Jahre nicht überschreitet. Voraussetzung für diesen „Deal“ ist ein glaubwürdiges Geständnis. Mathias W. verbüßt zur Zeit eine fünfjährige Haftstrafe wegen schweren Raubes in der JVA Schwäbisch Hall. Zu dieser Strafe kämen dann zwei Jahre hinzu.

Der Prozess wird am 15. Juni fortgesetzt.

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