Archäologen in Bützow : "Wir sind die Totengräber"

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Schon eine kleine Sensation: Grabungsmitarbeiter Wolf Bähr hält einen vollständigen Krug aus dem 13. Jahrhundert in den Händen.
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Schon eine kleine Sensation: Grabungsmitarbeiter Wolf Bähr hält einen vollständigen Krug aus dem 13. Jahrhundert in den Händen.

Bützower Wohnungsgesellschaft baut Wohnhaus, aber erst sind die Archäologen dran.

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09. Oktober 2018, 20:00 Uhr

Eine Baggerschaufel gräbt sich ins Erdreich. Zutage treten Fundamente eines Kellers. Also unterbricht Silvio Bothe von Ga-Land-Bau seine Arbeit und überlässt wieder Dr. Jörg Ansorge und seinen Grabungsmitarbeitern das Feld. Zwischen Jungfern- und Gödenstraße haben die Bauarbeiten für die neuen Wohnhäuser der Bützower Wohnungsgesellschaft (Büwo) begonnen. Doch bevor die Fundamente gesetzt werden, haben die Bodendenkmalpfleger hier ihre Arbeit zu erledigen.

Büwo-Geschäftsführerin Monika Gräning freut sich, dass sie nun endlich loslegen kann mit dem ehrgeizigen Wohnprojekt. Zwei Häuser mit jeweils sechs Wohneinheiten sollen dort entstehen. Doch wie bei jedem Bau ist der Bauherr verpflichtet, sich bei den Tiefbauarbeiten auf die Finger schauen zu lassen. Dafür ist Dr. Jörg Ansorge im Auftrag des Landesamtes für Kultur- und Denkmalpflege nach Bützow aufgebrochen.

Büwo-Geschäftsführerin Monika Gräning sieht den Einsatz der Grabungsspezialisten aus zwei ganz unterschiedlichen Positionen. „Natürlich ist die Bewahrung der Geschichte wichtig. Was wäre die Menschheit ohne ihre Geschichte“, sagt die Büwo-Chefin. Auf der anderen Seite sind da natürlich die Kosten für solche Untersuchungen, die das Bauvorhaben zusätzlich verteuern. In diesem Falle flossen zwar zu 50 Prozent der geplanten Kosten Fördermittel. Doch wie hoch diese Kosten tatsächlich am Ende ausfallen, hängt natürlich auch davon ab, was die Bodendenkmalpfleger noch in der Erde finden. Schließlich bewegen sie sich in der historischen Altstadt von Bützow.


„Wir sind die letzte Instanz“

Jörg Ansorge kennt natürlich die Bedenken der Bauherren, verweist aber darauf, dass bei den Untersuchungen auch wichtige Erkenntnisse zur Festigkeit des Untergrundes zutage treten können. Sein Hauptaugenmerk und das der Grabungsmitarbeiter liegt natürlich aber in der Dokumentation und Erfassung, was sie in der Erde finden. Daraus lasse sich nun einmal die Stadtgeschichte ablesen.

„Wir sind sozusagen die Totengräber, die letzte Instanz“, sagt Jörg Ansorge, bevor dann die Stadtgeschichte dem neuen Haus weichen wird. Und keine zwei Stunden nach dem ersten Gespräch vor Ort werden Jörg Ansorge und seine Mitarbeiter fündig. Nachdem im Bereich der Gödenstraße ein Streifen auf eine Tiefe von rund zwei Metern ausgehoben ist, werden deutlich die Schichten der verschiedenen Jahrhunderte und verschiedener Bauphasen sichtbar. Das geht bis in die Stadtgründung zurück, ist sich Jörg Ansorge sicher. Und Wolf Bähr gräbt einen vollständig erhaltenen Krug aus dieser Zeit, der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, aus.

Rund vier Wochen werden die Bodendenkmalpfleger an diesem Standort zu tun haben. Von Ende Oktober an sollen dann die ersten Arbeiten am Fundament beginnen, sagt Monika Gräning. Anfang Dezember möchte sie gerne Grundsteinlegung feiern. Knapp ein Jahr später sollen beide Häuser stehen. Dafür hat sie mit der Bützower Hochbau GmbH einen Generalauftragnehmer gebunden.

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