Der Kommandant geht von Bord

Bert Petzold (l.) und Frank Thiede fühlen sich  beide durch die Patenschaft Wittenberges zu U31 mit der Stadt verbunden. Lars Reinhold
Bert Petzold (l.) und Frank Thiede fühlen sich beide durch die Patenschaft Wittenberges zu U31 mit der Stadt verbunden. Lars Reinhold

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11. Januar 2011, 01:57 Uhr

Wittenberge | 8700 Seemeilen (mehr als 16 000 Kilometer), davon zwei Drittel in Tauchfahrt in 103 Tagen - die erste Einsatzfahrt des Wittenberger Paten-U-Bootes U31 hatte es in sich. Gleichzeitig war es die letzte Fahrt unter Kommandant Korvettenkapitän Bert Petzold.

"Zuerst ging es Ende Mai vergangenen Jahres ins Skagerrak, wo die Sonarsysteme, also die Unterwasser-Ortungsanlagen des Bootes, erprobt wurden", berichtet Kommandant Bert Petzold. "Mitte Juni marschierten wir in Richtung Portugal und beteiligten uns dort südlich von Lissabon am internationalen Manöver ,Swordfish." U31 habe dort die Rolle eines Nato-Gegners in einem möglichen Krisenszenario eingenommen, erläutert der 37-Jährige, der seit August 2007 das Kommando über die U31 und die 29 Mann starke Besatzung - darunter zwei Frauen - führt. Im Zuge von ,Swordfish habe man auch die Zusammenarbeit mit Kampfschwimmern geübt. "Ich glaube, wir konnten die Leistungsfähigkeit unseres U-Bootes sehr gut unter Beweis stellen", sagte Petzold und muss schmunzeln.

Im August kreuzte U31 für zwei Törns im Mittelmeer, beteiligte sich hier an der Operation "Active Endeavour", um im Rahmen der Terrorismusbekämpfung den Schiffsverkehr zu beobachten und Überwachungsdaten an die Nato zu melden. Da das U-Boot als erstes seiner Klasse bislang fast ausschließlich Erprobungsfahrten zu absolvieren hatte, war "Active Endeavour" der erste reguläre Einsatz in seiner fünfjährigen Dienstzeit. Am 18. August legte U31 im spanischen Cartegana in Richtung Deutschland ab und erreichte nach einem Tankstopp im französischen Brest am 4. September Eckernförde.

Für Bert Petzold endet damit seine Zeit als aktiver U-Boot-Fahrer. "Turnusgemäß gebe ich das Kommando jetzt im Januar an meinen Nachfolger, Kapitänleutnant Stefan Meyer, ab, bleibe aber U-Boot-Fahrer am Schreibtisch." Künftig werde er im Flottenkommando Dienst tun und in einer 24-Stunden-Rufbereitschaft mit zwei anderen Kameraden für die Auswertung von Nachrichten der im Einsatz stehenden U-Boote zuständig sein. "Erfahrungsgemäß braucht es dafür Leute, die selbst auf U-Booten gefahren sind, denn die wissen am ehesten, was ein Kommandant in welcher Situation wie meint."

Rückblickend war es für Petzold eine schöne und spannende Zeit - in der auch die Patenschaft zur Elbestadt eine wesentliche Rolle gespielt hat. "Es war immer ein Erlebnis, beispielsweise zum Stadt- und Hafenfest oder zum Feuerwehrball nach Wittenberge zu kommen. Die Besatzung ist immer aufgeschlossen und interessiert empfangen worden und hat nie Anfeindungen erlebt, und ich hoffe, dass mein Nachfolger die Verbindung weiter pflegt."

Der gute Draht zur Patenstadt dürfte nicht unwesentlich auf den ersten Kommandanten von U31, Fregattenkapitän Frank Thiede, zurückgehen. Noch bevor er mit dem gerade fertiggestellten U-Boot erstmals auslief, kamen Thiede und eine Abordnung der Besatzung im Sommer 2002 nach Wittenberge, um beim Befüllen der Sandsäcke und deren Transport zu den in Folge des Hochwassers bedrohten Deichen zu helfen.

"Diese Präsenz, die wir ganz am Anfang gezeigt haben, unterscheidet unsere Verbindung zur Patenstadt von der anderer Marineeinheiten", bemerkt Thiede. "Mit unserer Hilfe vor Ort konnten wir den Wittenbergern zumindest etwas zurückgeben." Thiede, der bis Juli 2005 das Kommando über U31 hatte, ist inzwischen im Nato-Dienst. "Ich bin als Stabsoffizier bei einer Stelle eingesetzt, die U-Boot-Einsätze in umschlossenen und flachen Gewässern plant, beispielsweise in der Ostsee."

Noch immer mit U31 verbunden, hält Thiede auch Kontakt zu Wittenberge. "Die Einladung zum Feuerwehrball nehme ich immer gerne an. Es macht auch Spaß zu sehen, was sich hier in der Stadt verändert."

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