Groß Rünz : Artenvielfalt an der Hacke

Bunte Gießkannen-Parade  auf dem Eschenhof
Bunte Gießkannen-Parade auf dem Eschenhof

Die Geschichte vom verwilderten Eschenhof und dem gemeinsamen Gärtnern

nnn.de von
08. Februar 2019, 20:00 Uhr

Es waren einmal eine Biogärtnerin namens Marie Runge und eine Hobbygärtnerin, Nicole Bowe geheißen. Just fünf Jahre mag es her sein, dass über sie im winterlich-kalten Frühjahr 2014 die verwegene Idee kam, mit einigen interessierten Menschen auf dem verwilderten Hofgelände in Groß Rünz, einem Ortsteil der Gemeinde Königsfeld, Gartenbau zu betreiben. Mit viel Mut und Tatendrang, Eigeninitiative und reichlich kreativen Ideen konnten sie den Hof schnell wieder in Betrieb nehmen. Durch Hörensagen wuchs die einstige Pioniergruppe beständig um weitere Begeisterte, so dass es im Jahr darauf logischerweise zum nächsten Schritt kommen musste: Sie gründeten 2015 den gemeinnützigen Verein „Eschenhof – Gemeinsam Gärtnern“ und wurden offiziell zu einem „Wir“.

In jenem Jahr erhielten wir alsbald die Biozertifizierung für das gepachtete Grundstück – mit großer Unterstützung durch unser damaliges Vorstandsmitglied Karin Homann und unseren heutigen Berater Roger Meyer zur Capellen. Seither entstanden weitere wertvolle Kooperationen wie mit den kleinen Wildsprösslingen, dem Waldkindergarten bei Dechow. Die Partner ackern fleißig auf dem Eschenhof mit. Anerkennung erhielten wir von Anfang an durch das Biosphärenreservatsamt Schaalsee. Auch die finanzielle Unterstützung durch Leader war für uns sehr wichtig, um große Anschaffungen wie den Kauf der roten „Ruthje Marie Luise“ – unseres geliebten kleinen Traktors – sowie einer neuen Bewässerungsanlage und eines „dichten“ Wildzaunes zu tätigen. In diesem Jahr wird es übrigens in der gesamten Gegend nach Brot duften – dank des neuen Backofens.

Und heute – Anfang 2019? Insgesamt lässt sich sagen, dass unser aller Tatendrang nicht weniger wurde: Die Freude auf dem Acker, in der Obstplantage oder in den Folientunneln und selbst für interne Abläufe und Satzungszwecke können wir uns begeistern. Unermüdlich verfolgen die Vorstandsfrauen Nicole Bowe, Andrea Keil, Marie Runge, Barbara Nikolić und Bianca Studt die selbstgesteckten Ziele aus der Vereinssatzung, optimieren Zuständigkeiten und Abläufe. Sie kümmern sich zielsicher von A bis Z um regelmäßige Arbeitseinsätze, um Fördermittel, das Mitgliederwesen, Spenden, die Steuererklärung, ein umfangreiches Vertragswesen, tolle Workshops, den liebgewonnenen Zusammenhalt und Austausch der Mitglieder.

Mittlerweile sind wir 48 Mitglieder im Verein. Wobei jeder Haushalt, jede Familie nur eine Mitgliedschaft benötigt. Somit sind wir sehr viele, engagierte, talentierte und überaus fröhliche Menschen, die sich für den Eschenhof, die Region und unser Miteinander einsetzen. Denn der Eschenhof wurde mit der Zeit immer mehr zu einem Ort der generationsübergreifenden Begegnung, der Kommunikation mit Gästen, Freunden und allen Interessierten. Hier treffen sich Familien mit Kindern, Großeltern, Freunde, Studenten, Singles, Hobbyköche und Gourmets. Neben mindestens zweimal wöchentlichem Gärtnern finden bereits seit Beginn des Projekts Wochenend-Gartentreffen, Work-Camps und vieles mehr statt. Ein besonderes Netzwerk für alle und da könnte man doch glatt sagen: „Artenvielfalt auf dem Acker und an der Hacke!“

Seither lernen wir sehr viel voneinander und darüber, wie wir ein breites ökologisches Sortiment nach traditionellen Methoden anbauen. Auf ganz praktische Weise erfahren wir, wo unsere Lebensmittel herkommen und wie viel Arbeit im Gemüseanbau steckt. Durch das gemeinsame Gärtnern entwickeln wir Verständnis für das Zusammenspiel von Pflanzenbau, Produktionsweise und Verarbeitung mit Auswirkungen für Natur, Klima und Gesellschaft.

Nach einer erfolgreichen Gartensaison 2018 machen wir bis Ende Februar eine wohlverdiente Winterpause, denn noch verbreiten Frost und Schnee eine winterliche Ruhe im Garten. Das heißt aber nicht etwa, dass wir den Spaten in der Ecke stehen lassen und die Gießkannen an den Nagel hängen!

Denn die Geschichte geht immer weiter: Wir arbeiten gerade zahlreiche neue Ideen aus. Neue Seminarreihen wie die Saatgutwerkstatt, aber auch Bewährtes wie Kräuterseminare werden wir öffentlich anbieten. Wir verstehen uns als Versuchsfeld und Vorreiter und möchten den uns liebgewonnenen Ort weiter ausgestalten. Ihr werdet noch viel von uns hören – künftig auch einmal im Monat mit ganz persönlichen Geschichten in der SVZ. Seid neugierig – ruft uns an, kommt vorbei und macht mit!

Tipps vom Eschenhof

Schon seit vielen Jahren ist Barbara Nikolic ehrenamtlich engagiert. Sozialer Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind ihr wichtig. Individuelle Teilhabe und Integration, stabile demokratische Strukturen und ein buntes kulturelles Leben sind ihr wichtig. Das Gärtnern wurde zum Lieblingshobby.
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