Reaktion auf unser Interview : Debatte um Rechtsextremismus: Gägelower Bürgermeister legt nach

Symbol der Rechten: Gemaltes Familienidyll im als „Nazidorf“ verrufenen Jamel in Mecklenburg-Vorpommern.
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Symbol der Rechten: Gemaltes Familienidyll im als „Nazidorf“ verrufenen Jamel in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Gemeinde Gägelow fühlt sich im Kampf gegen Rechtsextremismus vom Landkreis Nordwestmecklenburg allein gelassen

nnn.de von
11. Juli 2018, 20:45 Uhr

Ungläubig reibt sich Uwe Wandel die Augen. Gerade erst hat der Bürgermeister der Gemeinde Gägelow eine Pressemitteilung gelesen, in welcher der Landkreis Nordwestmecklenburg und die Polizeiinspektion Wismar den Vorwurf Wandels zurückweisen, ihn in die rechte Ecke gestellt zu haben. Das hatte der 60-Jährige in einem SVZ-Interview vom vergangenen Sonnabend erklärt. „Dabei bleibe ich auch. Aus genau diesem Grund habe ich ja eine gemeinsame Beratung von Polizei und Landkreis verlassen“, bekräftigt Uwe Wandel seinen Vorwurf.

Nach Aussage des Landkreises hatte die Polizei die Verpachtung einer zentral gelegenen Weidefläche durch die Gemeinde an einen rechtsgesinnten Einwohner in dem kleinen als Nazi-Dorf verrufenen Jamel moniert. „Nach Auskunft der Polizei wird diese Wiese regelmäßig für deren Einsätze benötigt, da auf dem gegenüberliegenden Grundstück eines bekannten Rechtsextremisten regelmäßig Veranstaltungen durchgeführt werden“, sagt der Justitiar des Landkreises, Yann-Christoph Collin.

Nun erwartet der Landkreis von der Gemeinde die Kündigung des Pachtvertrags. Yann-Christoph Collin: „Das Sommersonnenwendefest hat gezeigt, dass auch die Wiese zur Durchführung der Veranstaltung genutzt wurde. So wurden von dort Kremserfahrten für Veranstaltungsteilnehmer durchgeführt.“ Daher habe sich die Verpachtung offensichtlich nicht bewährt. In der gemeinsamen Presseerklärung heißt es dazu weiter: „Da bis zum Jahresende weitere rechtsextrem motivierte Veranstaltungen zu erwarten sind, sollte die Kündigung des Mietvertrages schnellstmöglich erfolgen. Einzelne Mitglieder des Entscheidungsgremiums ,in die rechte Ecke zu stellen’, wäre aber falsch und das haben weder Vertreter des Landkreises Nordwestmecklenburg noch der Polizeiinspektion Wismar getan.“

In der Erklärung wird auch auf die enge Zusammenarbeit staatlicher Stellen im Kampf gegen Extremismus und die Hilfe, die der Gemeinde in den vergangenen Jahren zuteil geworden wäre, verwiesen. „Ich kann mich nicht daran erinnern, wann uns der Landkreis jemals unterstützt hätte. Zusammenkünfte gab es regelmäßig nur in Vorbereitung des Musikfestivals ’Jamel rockt den Förster’. Wenn dem Landkreis nicht mehr einfällt, weiß ich auch nicht“, sagt Uwe Wandel. Als Bürgermeister fühle er sich vom Landkreis allein gelassen.


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