Zarrentin : Hier gibt’s noch den Osterhasen

Osterhasen lieben Grünland mit vielen Wildkräutern.
Osterhasen lieben Grünland mit vielen Wildkräutern.

Im Unesco-Biosphärenreservat Schaalsee kann man den Feldhasen noch relativ häufig beobachten

nnn.de von
21. April 2019, 05:00 Uhr

Wahrscheinlich wird kein anderes Tier so oft aus Teig und Schokolade geformt wie der Hase. Morgen wird er wieder, hübsch verpackt in glänzender Folie, in zahlreichen Osternestern sitzen.

Der Hase gehört zu den populärsten Tieren unserer Kultur. Auch wenn ihn mancher in der Natur noch nie gesehen hat, das Märchen „Vom Hase und vom Igel“ kennt wohl jeder und auch vom „Angsthasen“ oder vom „Osterhasen“ haben wir alle schon gehört. Sprichwörtlich sind neben seiner Schnelligkeit und seiner Scheu auch seine langen Ohren.

Alle als Haustiere gehaltenen „Hasen“ sind übrigens gar keine Hasen, sondern Kaninchen. Durch selektive Zucht entstanden aus dem Europäischen Wildkaninchen unzählige Haustierrassen. Der Feldhase (Lepus europaeus) und das Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) unterscheiden sich sowohl im Körperbau als auch im Sozialverhalten. Kaninchen sind kleiner als Hasen, wirken rundlicher und den wesentlich kürzeren Ohren fehlt die für Hasen typische schwarze Spitze. Sie graben Höhlen und leben darin in Gruppenverbänden. Hasen hingegen sind Einzelgänger, leben oberirdisch und verbringen den Tag ruhend in flachen, gut versteckten Mulden, den sogenannten Sassen.

Als typischer Bewohner der Offenlandschaften fand der Hase in der ursprünglichen Feldflur mit ihren Hecken und artenreichen Feldrändern jahrhundertelang Lebensraum. Er vermehrte sich so prächtig, dass es Zeiten gab, in denen die Kirche den Verzehr von Hasenfleisch verbot, um „Unzucht“ vorzubeugen.

Mit der fortschreitenden Intensivierung der Landwirtschaft geht der Hasenbestand in vielen Teilen Europas seit den 1960er Jahren kontinuierlich zurück. Der Einsatz von Pestiziden und Dünger, der intensive Maschineneinsatz und der Strukturverlust durch immer größer werdende Felder, machen dem Hasen das Leben schwer. In einigen deutschen Bundesländern steht er bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Die Bestandsentwicklung des Feldhasen zeigt eindrücklich, dass Artenschutz in erster Linie Lebensraumschutz sein muss.

Im Unesco-Biosphärenreservat Schaalsee kann man den Feldhasen noch relativ häufig beobachten. Er profitiert vom Programm der Ökologischen Grünlandnutzung, das auf etwa 50 Prozent der Grünlandflächen Anwendung findet. Diese Nutzungsform zeichnet sich durch maßvolle Düngung und den vollständigen Verzicht auf Pestizide aus. Dadurch findet der Hase hier, anders als auf intensiv bewirtschaftetem Grünland, eine Vielzahl von Kräutern und Stauden, auf die er als reiner Pflanzenfresser angewiesen ist. Auf Flächen, die durch das Biosphärenreservatsamt und den Zweckverband „Schaalsee-Landschaft“ verpachtet werden, ist außerdem eine späte Erst-Mahd vereinbart, um zu verhindern, dass Bodenbrüter und Junghasen Opfer der Mähbalken werden.

Die ökologische Grünlandnutzung trägt nicht nur zum Erhalt der Artenvielfalt unserer Kulturlandschaft bei, sondern dient auch dem Boden- und Gewässerschutz. Aus diesem gesellschaftlichen Interesse heraus, wird diese Nutzungsform vom Land Mecklenburg-Vorpommern und der Europäischen Union finanziell gefördert.

 Aus der Biosphäre

Holger Quardokus

Holger Quardokus ist Ranger im Unesco-Biosphärenreservat Schaalsee. Hauptaufgaben eines Rangers sind Naturbeobachtung, Dokumentation, Bildungsarbeit, Besucherbetreuung und Landschaftspflege. Ranger sind die ersten Ansprechpartner für die Bürger in allen Fragen, die den Naturschutz im Biosphärenreservat betreffen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.schaalsee.de.

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