Alarm in Köchelstorf : Landwirte beklagen zu viel Regen

Volker Winkler, Abteilungsleiter und Vorstandsmitglied der Agrargenossenschaft e.G. Köchelstorf, vor einem „abgesoffenen“ Feld mit jungem Winterweizen bei Buchholz.
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Volker Winkler, Abteilungsleiter und Vorstandsmitglied der Agrargenossenschaft e.G. Köchelstorf, vor einem „abgesoffenen“ Feld mit jungem Winterweizen bei Buchholz.

Rekordniederschläge im abgelaufenen Jahr sorgen für Ernteverluste

nnn.de von
03. Januar 2018, 21:00 Uhr

Landwirte jammern immer – so die oft gehörte, landläufige Meinung. Doch vor dem Hintergrund der aktuellen Situation im Ackerbau hierzulande ist dieses Jammern mehr als gerechtfertigt: „Der gesamte Ackerbau hat 2017 enorm viel Geld gekostet“, fasst Reinhard Drews, Vorstandschef der Agrargenossenschaft Köchelstorf zusammen. „Und wenn es so weitergeht, sieht es für dieses Jahr auch nicht wesentlich besser aus“, fügt er hinzu.

Schuld sei eindeutig der Regen – 965 bis 984 Millimeter Niederschlag auf den Quadratmeter seien im abgelaufenen Jahr gemessen worden, an einigen exponierten Stellen sogar um die 1000, berichtet der Landwirt. „Üblich sind bei uns 650 bis 750 Millimeter“, so Drews. Das hat in seinem Unternehmen dazu geführt, dass es große Probleme mit der Qualität der Wintergerste und des Winterweizens gegeben hat. „Gerade im Juli, als die Ernte beginnen sollte, hatten wir mehr als 200 Millimeter Niederschlag“, erinnert sich der Vorstandschef. Folge: Die Fallzahlen, sprich der Eiweißgehalt des Korns ging zurück und vieles, was als Brotgetreide gedacht war, eignete sich nur noch als Tierfutter. Zu einem entsprechend niedrigen Preis. Hinzu kamen hohe Kosten für die Trocknung der Körner. Beim Raps sah es ähnlich aus – der verfaulte zum Teil auf den Feldern.

„So viel rumgesaut haben wir noch nie bei der Ernte“, findet Reinhard Drews drastische Worte. Und meint damit, dass die schweren, von dem vielen Wasser übersättigten Lehmböden kaum oder gar nicht zu befahren waren. Tat man es doch, drohten Schäden an den Maschinen, die auch zu Hauf auftraten. „Das bedeutete hoher Technikverschleiß, hoher Kraftstoffverbrauch und oftmals nur das Erreichen der halben Tagesleistung“, so der erfahrene Landwirt.

So wie der Agrargenossenschaft Köchelstorf erging es vielen Landwirtschaftbetrieben im Landkreis. „Nach dem extrem nassen Sommer und Herbst 2017 stehen die Landwirte in unserem Landkreis vor einer Ausnahmesituation. Zum heutigen Zeitpunkt sind die letzten Zuckerrüben noch nicht gerodet und auch die Maisernte ist nässebedingt abgebrochen worden“, verdeutlicht Petra Böttcher, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes die Situation. Die Bedingungen der Ernte von Zuckerrüben und Mais sei zuletzt extrem schwierig gewesen, man könne sie auch „Materialschlacht“ bezeichnen: Festgefahrene Erntemaschinen und Transportfahrzeuge sorgten immer wieder für Verzögerungen, die notwendigen Bergungsarbeiten für Schäden an den Maschinen. „Eine Folge dieser Situation sind die Strukturschäden der spät abgeernteten Ackerflächen. Diese reichen in die neue Saison 2018 hinein und bereiten allgemein Kopfzerbrechen“, so Böttcher. Die Flächen müssten nun mit Sommerkulturen, also Sommerweizen, Sommergerste, Mais, Zuckerrüben oder Leguminosen wie Ackerbohnen oder Erbsen bestellt werden. Die Ertragserwartungen dieser Kulturen liegt deutlich unter denen der Winterkulturen wie Weizen, Gerste und Raps. „Aber auch für diese Kulturen gilt: wie die Saat, so die Ernte. Gerade das stellt viele Landwirte auf schweren Böden, die nur langsam abtrocknen, vor große Probleme“, befürchtet die Verbandsgeschäftführerin.

Das sieht auch Reinhard Drews so: „Die Voraussetzungen für die Ernte von 2018 ist so schlecht wie nie“, meint der Köchelstorfer Landwirt. Die bereits ausgebrachte Wintergerste verfaule im Boden, der Winterweizen habe dünne Bestände und durch die hohe Bodenverdichtung und die fehlende Frostgare entwickelten sich die Wurzeln zu schwach, führt er aus. „In der ersten Novemberwoche haben wir die Bestellung abgebrochen. Es brachte einfach nichts mehr“, erklärt Drews. Dadurch seien etwa 15 Prozent der geplanten Winterweizen-Fläche nicht bestellt worden. Die Köchelstorfer hoffen nun, dass es im Februar/März besser aussieht und sie die Sommerfeldfrüchte, Weizen, Gerste und 80 Hektar Erbsen in den Boden bringen können. Schwacher Trost für sie: Im Nachbarbundesland Schleswig-Holstein konnten teilweise 40 Prozent der Äcker nicht bestellt werden, in einem Gebiet gibt es einen Totalusfall.

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