Skandal : Plastikschnipsel sorgen für Zoff

Gestern auf einer Grünfläche bei Karft, Bantiner Weg: Plastikmüll verschmutzt die Umwelt.  Fotos: svz
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Gestern auf einer Grünfläche bei Karft, Bantiner Weg: Plastikmüll verschmutzt die Umwelt. Fotos: svz

Müll aus Biogasanlage verschmutzt Schaalseegebiet: Belieferter Bauer aus Drönnewitz sauer über Mogelpackung.

nnn.de von
11. Dezember 2014, 00:45 Uhr

Aufgeschreckt durch schnipselgroße Plastikmüllfunde, offensichtlich Rückstände aus Gärsubstraten, die derzeit fein säuberlich gehäckselt auf Ackerflächen nahe Bantin, Karft und Drönnewitz liegen, zeigt sich Klaus Jarmatz, Leiter des Amtes für das Biosphärenreservat Schaalsee gestern geschockt: „Wir kennen das Thema schon länger, bis gestern hatten die Vor-Ort-Termine aber nichts erbracht. Besonderes Augenmerk legen wir als Amt auf die Naturschutzflächen, zu denen auch landwirtschaftliche Flächen in Größenordnungen gehören. In allen Verträgen ist da das Ausbringen von Klärschlamm, Gärresten und Geflügelkot strikt untersagt. Das kontrollieren wir, und diese Flächen sind auch nicht betroffen. Wir haben ab sofort mit unserem Rangerdienst einen verschärften Blick auf alle Flächen. Fakt ist, diese Art der Entsorgung, die keiner landwirtschaftlichen Praxis entspricht, muss sofort abgestellt werden.“

Holger Rehhagen von der Agrargenossenschaft Drönnewitz e. G., der Besitzerin einer der verunreinigten Flächen, versteht die Welt in diesen Tagen auch nicht mehr: „Ich war fest davon überzeugt, dass ich Flüssigdünger aus einer Biogasanlage mit Gärsubstraten aus der Landwirtschaft bekomme. Und nun dieser Plastikmüll auf etwa 12 Hektar.“ Wo das genau herkomme, werde momentan von den zuständigen Behörden geprüft. Nun müsse man erst mal abwarten, bis die Untersuchungsergebnisse vorlägen. „Aber schön ist das wirklich nicht, zumal eigentlich wieder Rinder auf diese Grünlandfläche sollen. Ich habe nicht erwartet, dass plötzlich solche Probleme auf mich zukommen“, gesteht er gegenüber der SVZ.

Kreisbauenverbandsvorsitzender Dietrich Groth bricht eine Lanze für den von der Mogelpackung betroffenen Bauern. Der könne gar nicht überprüfen, was ihm da geliefert werde. „Es sind geschlossene Behälter. Hier gilt klar das Verursacherprinzip.“ Groth wundert sich aber auch, wie so ein Zeug überhaupt in einer Biogasanlage landen könne. Ihm sei vor Jahren schon mal ähnliches angeboten worden. „Ich habe aber dankend abgelehnt.“

Aus der Vergangenheit sei ihm kein solch ähnlich gelagerter Fall bekannt, betont auch Harald Elgeti, Geschäftsführer des Bauernverbandes gegenüber unserer Redaktion. Normalerweise käme so etwas in den von Landwirten der Region betriebenen Biogasanlagen nicht vor. Ob sich die gefundenen Plastikschnipsel je selbst zersetzen würden, wage er zu bezweifeln. „Wir brauchen einfach schärfere Kontrollen vor der Freigabe von Flüssigdünger“, fordert Elgeti deshalb.

Derselben Auffassung ist auch Wittendörps Bürgermeister Bernd Ankele. Die betreffenden Flächen gehören zu seiner Gemeinde: „Ich vermute, dass in diesem Segment viel Schindluder getrieben wird. Landwirte und Biogas-Anlagenbetreiber haben deshalb eine besonders hohe Verantwortung im Öko-Bereich und müssen alle an einem Strang ziehen. Ich hoffe, dass dieser Fall die Ausnahme bleibt und nicht zur Regel wird.“

Die Betreiber der Biogasanlage Karft gestanden indes gestern Fehler im eigenen Unternehmen, vor allem aber bei einem Zulieferer ein. So werde die Anlage in Karft mit aufbereiteten Speiseresten eines Unternehmens aus Ludwigsfelde versorgt, teilte die Unternehmensführung mit – jährlich etwa 8000 Tonnen. Dabei sei es zu einer Reihe von Fehlern gekommen. Sowohl in der Ausgangskontrolle in Ludwigsfelde, als auch in der Eingangskontrolle in Karft seien die Plastikreste nicht entdeckt worden. Auch beim Entleeren des Lagers mit Gärresten in Karft habe es Kontrollücken gegeben. So sei nicht bemerkt worden, dass mit der Restentleerung Plastikteile auf die Felder ausgebracht worden seien, so die Geschäftsführung. Das Unternehmen habe jetzt Konsequenzen gezogen: So sei die Eingangskontrolle verschärft und neue Technik eingesetzt worden. Zudem wurde die Ludwigsfelder Firma aufgefordert, vor der Aufbereitung der Lebensmittel per Hand alle blauen Mülltüten zu entfernen, um Verunreinigungen zu vermeiden. Für den Ludwigsfelder steht indes das gesamte Geschäft auf dem Spiel: Sollten weitere Verstöße festgestellt und erneut Plastikteile in den aufbereiteten Lebensmitteln entdeckt werden, würden alle Geschäftsbeziehungen beendet, teilten die Betreiber der Karfter Biogasanlage mit. Das Bio-Kraftwerk war bislang unauffällig: Bei bisherigen Kontrollen seien keine Verstöße festgestellt worden, erklärte Regina Rinas, Chefin des Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg gestern in Schwerin auf Anfrage. Die vor eineinhalb Jahren in der Region festgestellten Plastikteile in Gärresten auf dem Acker stammten aus einer anderen Biogasanlage, hatten Untersuchungen ergeben. Nach dem jetzt festgestellten Fall seien gemeinsam mit der landwirtschaftlichen Fachbehörde 18 Proben gezogen worden, sagte Rinas. Die Ergebnisse stünden allerdings noch aus.

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