Krembz : „Wir sind auf einem guten Weg“

„Von einer Pflichtfeuerwehr sind wir zum Glück noch weit entfernt“, sagt der Krembzer Wehrführer Benjamin Tardel (r.). Er und sein Stellvertreter Armin Hennig hoffen aber auf weitere ehrenamtliche Mitstreiter.
„Von einer Pflichtfeuerwehr sind wir zum Glück noch weit entfernt“, sagt der Krembzer Wehrführer Benjamin Tardel (r.). Er und sein Stellvertreter Armin Hennig hoffen aber auf weitere ehrenamtliche Mitstreiter.

Krembzer Wehrführer Benjamin Tardel ist seit knapp einem Jahr im Amt Mitstreiter werden weiterhin gesucht

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11. Februar 2020, 05:00 Uhr

Sie sind da, wenn andere Hilfe benötigen: Feuerwehren. Eine von rund 100 Wehren in Nordwestmecklenburg ist Krembz. Dort wurde mit Benjamin Tardel vor fast genau einem Jahr ein neuer Wehrführer gewählt. SVZ-Redakteur Michael Schmidt sprach mit ihm über Probleme, Ziele und Herausforderungen.

Herr Tardel, im Alter von 28 Jahren wurden Sie vor fast genau einem Jahr zum Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Krembz gewählt. Was war die größte Überraschung, die Sie seitdem erlebt haben?
Benjamin Tardel: Das ist eine gute Frage. Am meisten überrascht hat mich, mit welch einer Wucht und Komplexität ein Sturm im vergangenen Herbst über Groß Salitz hinweggefegt war und welche Schäden er anrichtete. Wir als Krembzer Feuerwehr und Brandschützer aus Gadebusch sowie das Technische Hilfswerk waren damals stundenlang im Einsatz.

Was ist das größte Problem, mit dem eine Feuerwehr auf dem Lande zu kämpfen hat?
Die Fläche, so hat allein die Gemeinde Krembz acht Ortsteile, in denen wir Einsätze abarbeiten, manchmal auch mit Unterstützung anderer Feuerwehren.

Ein wichtiges Thema ist die Löschwasserversorgung, wie schätzen Sie diese in der Gemeinde Krembz aktuell ein?
Die Situation ist aus unserer Sicht verbesserungswürdig. Es haben aber bereits Gespräche mit der Gemeindevertretung und dem Bürgermeister stattgefunden. Das eine oder andere Vorhaben wird in naher Zukunft auch realisiert. Denn es gibt zum Beispiel Hydranten, die quasi die letzten Ableger einer Netzleitung sind und für uns wegen einer im schlimmsten Fall zu geringen Leistung eigentlich nicht wirklich in Frage kommen. Löschteiche oder ähnliche Alternativen gibt es bereits oder sind in Planung.

Mehrere Kommunen in Nordwestmecklenburg, wie Holdorf und Veelböken, wollen mit Hilfe eines Landesprogramms ein neues Feuerwehrauto anschaffen. Wäre dies auch eine Option für Krembz?
Eher nicht. Denn der Gesetzgeber sieht eine personelle Mindeststärke vor, wenn wir eigenständig kleinere Einsätze abarbeiten wollen. So ist eine Gruppenstärke von mindestens neun Kameraden gesetzlich vorgesehen. In dem zur Rede stehenden Fahrzeug, auch bekannt als TSF-W, wäre aber nur Platz für sechs Feuerwehrleute. Außerdem wäre auch kein Platz für ein zweites Einsatzfahrzeug bei uns vorhanden. Unser jetziges Feuerwehrauto ist ein Löschgruppenfahrzeug mit 2000 Litern Wasser an Bord. Damit können neun Kameraden ausrücken. Das TSF-W hingegen besitzt zwar einen 1000 Liter großen Wassertank, jedoch unter anderem auch keinen Allradantrieb sowie eine Schiebeleiter, welche aufgrund der Rettungshöhe von zwölf Metern, gleichzusetzen mit dem dritten Obergeschoss, für die Gemeinde Krembz dringend notwendig ist.

An welchen Dingen hapert es bei der technischen Ausstattung?
Wir konnten inzwischen vieles erneuern oder Ersatz beschaffen. So haben zum Beispiel unsere Atemschutzgeräteträger eine komplett neue Schutzkleidung erhalten – von den Stiefeln bis zum Helm. Durch eine Spende bekamen wir außerdem ein Spezialwerkzeug, um damit zum Beispiel Fahrzeugtüren oder auch Wohnungstüren in Notsituationen schnell öffnen zu können. Erneuert wurden außerdem Strahlrohre und Handlampen. Mit Hilfe unseres Fördervereins wollen wir darüber hinaus eine Wärmebildkamera beschaffen. Wir sind auf einem guten Weg, Technik und Ausstattung durchzusanieren und sind dafür der Gemeinde auch sehr dankbar.

Seit 25 Jahren existiert in Krembz eine Jugendfeuerwehr. Wie viele junge Menschen machen dort aktuell mit?
Momentan sind in der Kinderabteilung zehn Mädchen und Jungen, hinzu kommen zehn Jugendliche. Diese jungen Kameraden werden von Stefan und Jana Neumann sowie Fenja Iken betreut. Drei Mitstreiter aus der Jugendwehr werden voraussichtlich im nächsten Jahr in die aktive Wehr wechseln und ihre Grundausbildung starten.

Wie ist es um die personelle Situation in der aktiven Feuerwehr bestellt?
Hier sind wir 20 Frauen und Männer, von denen drei im kommenden Jahr aus Altersgründen in die Ehrenabteilung wechseln werden. Die Zahl 20 ist übrigens von großer Bedeutung. Denn so viele Brandschützer muss eine Feuerwehr wie Krembz haben.

Was passiert, wenn die Zahl der Einsatzkräfte sinkt?
Dann erhalten unser Bürgermeister und die Gemeindevertretung unverzüglich eine Meldung darüber, um nach einer Lösung zu suchen. Wenn alle Stränge reißen sollten, droht eine Art Pflichtfeuerwehr, zu der Einwohner herangezogen werden. Aber davon sind wir zum Glück noch weit entfernt. Schon jetzt werben wir für eine freiwillige Mitgliedschaft.

Was raten Sie denjenigen, die vielleicht überlegen, Brandschützer zu werden?
Über die Feuerwehr können sie sehr schnell viele Kontakte knüpfen und auch Freundschaften schließen. Außerdem ist es immer eine gute Sache, anderen dank einer Feuerwehr-Ausbildung auch im Privatleben helfen zu können. Wir hier in Krembz haben seit kurzem übrigens auch einen echten Berufsfeuerwehrmann in unseren Reihen, der uns mit seinem Wissen ein weiteres Stück voranbringt. Trotzdem benötigen wir weitere Mitglieder, um die an uns gestellten Aufgaben bewältigen zu können. Jeder, nicht nur hier in der Gemeinde, sondern auch anderswo, sollte sich selbst einmal fragen, was er tun würde, wenn er Hilfe benötigt und niemand kommt. Jeder kann und sollte auch seinen Teil zum Wohle anderer beitragen und sich einer der Hilfsorganisationen anschließen. Interessierte laden wir recht herzlich ein, sich selbst ein Bild von unserer Arbeit zu machen und Mitglied zu werden

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