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Schlagsdorf „Fluchtkirche“ braucht Hilfe

Von Tore Degenkolbe | 21.11.2017, 21:00 Uhr

Der Förderverein des Gotteshauses in Schlagsdorf sucht Unterstützung, um den schleichenden Verfall des Gebäudes zu bekämpfen

Seit mehr als 800 Jahren steht die Kirche im Ortskern von Schlagsdorf, nun droht sie zu verfallen. Das will der Förderverein der Kirche nicht zulassen und wirbt um Hilfe.

„Wir tragen die Verantwortung dafür, dass dieses Kulturgut für die Nachwelt erhalten bleibt“, sagt der Vorsitzende des Fördervereins, Michael Schimanel. Schließlich sollen auch noch nachfolgende Generationen von dem historischen Bau etwas haben. „Es ist das älteste Gebäude in der Region und fast so beeindruckend wie der Ratzeburger Dom“, findet Hans Jörg Bettelhäuser, der sich im Förderverein für den Erhalt der Kirche einsetzt.

Der Berliner unterhält in Ratzeburg ein Ferienhaus und besucht den Dom und die Kirche gleichermaßen. „Da muss man kein Mitglied der Kirche sein, um den Bau zu bewundern“, sagt er. Im Gegenteil – Hans Jörg Bettelhäuser sieht sich als „nicht gerade kirchenaffin“. Dennoch steckte er Energie und Geld in die Kirche, die er während der Ost-West-Teilung nur aus der Entfernung sehen konnte. „Direkt nach dem Grenzfall fuhr ich hierher und sah sie mir aus der Nähe an“, erinnert er sich.

Die Kirche selbst hat in ihrer Geschichte einiges erlebt. Die letzte Legende stammt aus der Zeit der DDR. „Die dem Westen zugewandten Turmfenster sind zugemauert. Angeblich, weil von dort aus die Flucht in die BRD geplant wurde“, erzählt Pastorin Hanna Blumenschein. Ob das aber stimmt, das weiß niemand so genau. „Tatsächlich haben mal zwei Jungs ihre Flucht von dem Kirchturm aus geplant und sind auch entwischt“, erinnert sich der ehemalige Pastor Wilfried Krause. Ob darum aber die Fenster vermauert wurden, weiß er nicht. „Vorstellbar ist es, aber glauben kann ich es nicht. Unterlagen dazu gibt es nämlich keine.“

Noch hat die Kirche einige Baustellen. „Die nächsten anzugehenden Dinge sind das Austauschen von hölzernen Stützbalken, die durch Stein ersetzt werden sollen und das Schließen von Rissen im Gewölbe“, sagt Michael Schimanel. Beides dient der Statik. Daneben soll das Glockenspiel repariert werden. Momentan schweigen sie. Die Tragbalken bergen die Gefahr, zu versagen. Die Glocken würden in der Bewegung reißen und in den Kirchsaal stürzen. „Die Gefahr wollen wir nicht eingehen“, sagt die Pastorin. Außerdem müssen die Klöppel der Glocken ersetzt werden. „Die Gesamtkosten liegen bei 119 000 Euro, darin enthalten 21 000 Euro für die Glocken“, so Hanna Blumenschein.

So eine Summe ist für die Kirchengemeinde, die einen Anteil von zehn Prozent selbst erbringen muss, nicht leicht zu stemmen. „Das ist schon eine andere Tasse Tee. Aber 2018 sollen die Glocken wieder läuten“, sagt der Vorsitzende des Fördervereins. Schließlich ist die Übergangslösung einer CD mit Glockengeläut eben nur eine Übergangslösung.

Hans Jörg Bettelhäuser appelliert daher direkt an die – laut der Pastorin sehr jungen – Gemeindemitglieder. „Wir können diesen Teil unserer Heimat nicht verkommen lassen.“ Die Geschichte des Ortes werde so dokumentiert. „Dass die Kirche nicht umsonst steht, dafür muss ein Bewusstsein her.“