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Wismar Lichterglanz im Alten Hafen

Von Redaktion svz.de | 18.12.2017, 21:00 Uhr

Schiffe fuhren ein letztes Mal hinaus in die winterliche Wismarbucht

Tausende Lichter erleuchteten beim letzten touristischen Höhepunkt des Jahres am 3. Advent wieder die Wismarbucht. Zum 13. Mal war im Alten Hafen unter organisatorischer Gesamtleitung der Freunde vom Förderverein „Poeler Kogge“ die längst zur beliebten Tradition gewordene Seemannsweihnacht zu erleben. 14 große und kleine Schiffe, einem überlieferten Brauch folgend, fuhren dabei ein letztes Mal hinaus in die winterliche Wismarbucht.

Die lichtgeschmückte Schiffsflottille bestand während der diesjährigen Lichterfahrt u.a. aus der Kogge „Wissemara“, dem Lotsenschoner „Atalanta“, den vier Schiffen der Adler-Reederei, dem Ausflugsschiff „Sturmvogel II“, der Barkasse „Ragna“ sowie den Kuttern „Vorwärts“ und „Charisma“. Auch das Zeesboot „Lisette“ und die „Günther Schöps“ und „Konrad Otto“ der Poeler und Kühlungsborner Seenotretter waren dabei.

Mit ihren tausenden Lichtern erhellten die Fahrzeuge die dunkle Nacht auf See, wie es einst die Fischer mit brennenden Fackeln taten. Sie vollzogen damit eine Art maritimen Erntedank an die See, in Huldigung ihres Schutzpatrons der Seefahrer, dem heiligen St. Nikolai. War ihnen doch trotz oftmals grausamer Naturgewalten wiederum eine gesunde Heimkehr beschieden bei ertragreichen Fängen, um so die Familie zu ernähren.

Und das ist die Geschichte der Wismarer Lichterfahrt: Es war Winter 2005 und das Jahr neigte sich langsam dem Ende zu. Wie alle anderen kleinen und großen Schiffe, erstrahlte auch die noch im Rohbau befindliche Kogge „Wissemara“ im vorweihnachtlichen Lichterglanz. Und noch Jahre zuvor wäre es um diese Zeit niemanden eingefallen, ohne zwingenden Grund hinaus in die nasskalte, dunkle und einsame Ostseebucht zu fahren. Doch an jenem 3. Advent passierte es. Mehr noch, tausende Besucher zog dies Ereignis magisch an. Sie erlebten eine zu dieser Jahreszeit ungewöhnliche Präsenz kleiner und größerer Boote, vom Kutter bis zu Traditionsschiffen und dazu Gewusel der Schiffsbesatzungen. Sie alle ließen ihre Lichterketten leuchten und trugen zudem vorweihnachtliche Dekoration. Mit der Dämmerung setzte sich ein aus 25 Einheiten bestehende Konvoi mit hunderten Gästen an Bord in Bewegung. Es war der Beginn der Wiederbelebung der Lichterfahrt anlässlich der maritimen Weihnacht im Hafen.

Alle Wismarer Kirchenglocken begannen zu läuten. Dann hielt Bischof Dr. Andreas von Malzahn, damals noch Pastor in Wismar, die passende Andacht. Als Vertreter der Fischerzunft, übermittelte der heute noch dienstälteste seines Standes, der Poeler Arno Gössel Worte des Grußes. Blechbläsern und Shantychorgesang bildeten einen musikalischen Rahmen. Das Ganze fand damals noch auf einem an der Pier festgemachten Ponton mit Überzelt statt, zur Adventszeit umfunktioniert als Weihnachtsinsel. Resonanz und Publikumsinteresse waren überwältigend. Niemand hatte damit gerechnet, dass diese Inszenierung trotz Schmuddelwetters tausende Besucher anlocken würde. Damit hat die vorweihnachtlich-maritim-touristisch geprägte Attraktion bis heute Bestand. Anliegen ist es nach wie vor, einen Teil der Erlöse aus Einnahmen von Vereinen und karitativen Verbänden ausgewählten sozialen Projekten zur Verfügung zu stellen.