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Güstrow Großes Interesse am „Klosterhof“

Von Eckhard Rosentreter | 13.06.2017, 21:00 Uhr

AWG Güstrow-Parchim stellt ihr Projekt für Güstrows Innenstadtbebauung erstmals offiziell vor.

Katholische Kirche und Fürsten, Juden und Bauernmarkt – das Areal zwischen Armesünderstraße, Tiefetal, Schnoienstraße und Pferdemarkt in Güstrow hatte schon viele Besitzer und Bewohner. Fast 800 Jahre reicht die Geschichte der Besiedlung dieses Güstrower Innenstadtgebietes zurück, berichtet der Hobbyhistoriker Ulrich Schirow. Die heutige Bezeichnung, „Klosterhof“, rühre daher, dass für kurze Zeit auch einmal rund 20 Mönche mit ihrem Gotteshaus hier ansässig waren.

In etwa anderthalb Jahren werden Güstrower Bürger von der jetzigen Bruchfläche Besitz ergreifen – als Mieter der AWG. Die Allgemeine Wohnungsbaugenossenschaft Güstrow-Parchim und Umgebung eG ist hier seit genau einer Woche erst beurkundeter Eigentümer eines 3415 Quadratmeter großen Grundstücks. Drei Jahre, nachdem die Genossenschaft den „Sonnenhof“ neu gebaut hat, kann sie nun ihre Pläne zur Vitalisierung auch des gegenüberliegenden „Klosterhofes“ umsetzen.

Drei Mehrfamilienhäuser werden entlang der Armesünderstraße errichtet, im modernen Stil des „Sonnenhofs“. Ein weiterer Neubau, in eher klassischer Bauweise, soll das Gebiet zur Straße Klosterhof hin abgrenzen und gemeinsam mit dem Pferdemarkt 45 den Quartiercharakter bilden. Insgesamt 30 Wohnungen, die Mehrheit barrierefrei, werden so in Güstrows Altstadt neu entstehen. Und mitten drin, als trockene Stele, soll der nach einem früheren Bürgermeister, dem kürzlich gestorbenen Manfred Kirsch, im Volksmund bekannte „Kirschbrunnen“ wieder einen würdigen Platz bekommen.

Dabei war der Pferdemarkt 45 ein „Knackpunkt“ in den Verhandlungen mit der Stadt, erinnerte AWG-Vorstand Norbert Karsten. So viel sei schon mal versprochen: Das nicht denkmalgeschützte Haus, eher eine „graue Maus“, die jedoch städtebaulich wichtig für Güstrow sei, werde man nach der umfassenden Sanierung kaum noch wiedererkennen – im positiven Sinne.

Karsten: „Viele Einzelheiten waren zu klären, manche Überraschung hat uns die Schweißperlen auf die Stirn getrieben.“ Schließlich sollen rund 9 Millionen Euro in das gesamte Vorhaben investiert werden. Um das Projekt rentierlich und ohne astronomische Mietpreise gestalten zu können, bezuschussen Bund, Land und Stadt das Projekt aus der Städtebauförderung mit rund 2,5 Millionen Euro, bemerkte der CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg. Bürgermeister Arne Schuldt (parteilos) bestätigt das: „Ohne die Städtebauförderung wäre das gar nicht möglich.“ Ein Großteil davon, rechnet Schuldt dagegen, fließe aber durch Steuern und dank der künftigen Mieter in die staatlichen Haushalte zurück. Die ersten, Norbert Karsten rechnet mit insgesamt zwei Jahren Bauzeit insgesamt, sollten im Winter 2018/19 ihre neue Wohnung im „Klosterhof“ beziehen können.