Herdenschutz : „Der Wolf ist zu klug für Zäune“

Tagsüber noch ohne Strom: Rico Nöller richtet einen Elektrozaun bei Mühlengeez.
Tagsüber noch ohne Strom: Rico Nöller richtet einen Elektrozaun bei Mühlengeez.

Zäune, Strom und Hunde: Schafzüchter Rico Nöller erklärt, wie er seine Tiere vor dem Wolf schützt – und wo die Probleme liegen.

nnn.de von
08. Februar 2018, 05:00 Uhr

Bevor Rico Nöllers Schafe starben, war der Wolf schon in der Nähe. Nur konnte der Schafszüchter damals die Zeichen nicht deuten. Nöllner merkte nur, dass etwas anders war. Die Schafe standen eng zusammen, sie bewegten sich kaum. Zwei Tage später war es geschehen: Letztes Jahr, Mitte Februar, fand er fünf tote Tiere auf der Weide in der Nähe des Mela-Geländes. „Der Wolfsriss hatte mich fertig gemacht. Ich hatte danach keine ruhige Nacht mehr“, sagt Nöller.

Nach dem Wolfsangriff war alles anders. Jeden Tag, wenn er zu seiner Herde fuhr, begleitete ihn die Angst. Wird er wieder von weitem die Raben sehen, wie sie sich an einem toten Lamm laben? Er rüstete auf. Seine Elektrozäune wuchsen von 90 Zentimetern auf 1,06 m. Doch reicht das? Er zweifelt. Einen perfekten Schutz wird es für seine Schafe nicht geben. Nöller ist sich sicher, Wölfe sind zu intelligent für Elektrozäune, egal wie hoch sie sind. „Ein Wolfsrudel ist in der Lage, die Schafe in Panik zu versetzen, damit diese dann selbst die Umzäunung einreißen“, sagt Nöller.

Manch ein Schäfer setzt Hunde ein, um die Herde auch während der Nacht zu bewachen. Doch das ist kompliziert. Herdenschutzhunde verteidigen die Tiere auch gegen Dackel, Kinder und Senioren. Nöller: „Schutzhunde kann ich nicht verantworten. Die funktionieren vielleicht in Gegenden ohne Anwohner oder Touristen, aber bei mir ist das zu gefährlich.“

Damals, nach dem Angriff, waren nicht nur fünf Tiere tot, drei Schafe torkelten mit blutenden Kehlen über die Wiese. Diese konnte er grade noch retten. Für die toten Schafe bestellte er einen Wolfsgutachter, der ein Rissprotokoll anfertigte. DNA-Spuren wurden genommen. Zwei Wochen später bekam Nöller es schriftlich: Es war ein Wolf. Die Dokumentation war wichtig, danach bekam er eine Entschädigung ausgezahlt.

Trotzdem genügt Rico Nöller das nicht. Er stammt aus einer Familie leidenschaftlicher Schafzüchter, er selbst ist Deutscher Meister im Leistungshüten. Hier geht es nicht nur um den Gewinn, sondern um die Berufsehre. „Ich produziere doch kein Wolfsfutter, für das ich dann Geld vom Staat bekomme. Entweder ich kann hier Schafe halten oder eben nicht“, sagt Nöller.

An das Nicht mag Rico Nöller gar nicht denken. Ähnlich geht es Wilfried Baldermann. Der Dobbiner hält 50 Schafe, dazu zwölf Ziegen zur Bewirtschaftung auf dem Großen Werder im Krakower Obersee. Als seinen Beitrag zum Naturschutz, wie der Bürgermeister der Gemeinde betont. Mit dem Wolf habe er noch keine Probleme. Doch Baldermann weiß auch: Der Wolf kann schwimmen. Sollte der den Großen Werder für sich als Jagdrevier entdecken, sieht auch Baldermann schwarz für seine Schafszucht. Die Insel könne er nicht einfrieden. Der CDU-Lokalpolitiker greift eine bekannte Losung auf: „Wir brauchen für den Wolf eine Obergrenze.“

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