Gutow : Ein Spagat: historisch und modern

Mandy Facklam, Maler-Helferin, Tischler Tobias Kroll, Oliver Beier, Tischler-Lehrling im dritten Jahr, Werkstattleiter André Runge und Tom Heinrich, Tischler-Azubi im dritten Jahr (v.l.) an einer der fünf Eichentüren für die denkmalgeschützte Kaserne in Appen.
Mandy Facklam, Maler-Helferin, Tischler Tobias Kroll, Oliver Beier, Tischler-Lehrling im dritten Jahr, Werkstattleiter André Runge und Tom Heinrich, Tischler-Azubi im dritten Jahr (v.l.) an einer der fünf Eichentüren für die denkmalgeschützte Kaserne in Appen.

Denkmalpflege Jähne GmbH bewahrt Denkmale und erfüllt Anforderungen an Wärmedämmung, Sicherheitstechnik und Brandschutz.

nnn.de von
06. Februar 2018, 05:00 Uhr

Eine Eichenholztür liegt gestern Nachmittag in der Restaurierungswerkstatt der Denkmalpflege Jähne GmbH Güstrow mit Sitz in Gutow. Farbe, Glas und Beschläge sind entfernt, das Holz ist restauriert und formatiert. Als nächster Schritt werden Sicherheitstechnik und Sicherheitsverglasung eingebaut. Vier weitere Türen werden ebenso auf Vordermann gebracht.

Die Eichenholztüren stammen aus der Unteroffizierschule Appen bei Pinneberg. Die Kaserne ist ein Kulturdenkmal. Der Gutower Betrieb sorgt seit November dafür, dass sie ihre historische Gestalt – die Kaserne wurde ab 1935 gebaut – behält. Außer den Türen werden auch rund 500 Kasten-Fenster restauriert und modernisiert.

Historisches und Modernes in Einklang zu bringen, ist der Spagat, den der Betrieb in seiner Arbeit – ausschließlich an Denkmalen – zu bewältigen hat. Fenster, Türen, Treppen und Holzfußböden sind das Metier. Lutz Jähne, Geschäftsführer und Gesellschafter: „Unsere Aufgabe ist es, einerseits die Denkmale in ihrer Originalität zu erhalten und zu bewahren, aber andererseits müssen wir alle Anforderungen der heutigen Zeit an Wärmedämmung, Sicherheitstechnik sowie Rauch- und Brandschutz erfüllen.“ Die Gutower Restauratoren arbeiten daher mit Spezialisten zusammen. Jähne: „Wir haben z.B. im Kulturhaus Velbert-Langenberg bei Wuppertal eine historische Tür von 1905 aus massiver Eiche kopiert, die nach der Restaurierung vollautomatisch funktionieren musste.“

In Mecklenburg-Vorpommern hat die GmbH ihre Spuren in den vergangenen Jahren bis heute vor allem im Schloss Bothmer hinterlassen. „Da sind wir fast die Hausfirma“, ist Lutz Jähne auf die Arbeit seiner Kollegen stolz. 20 sind es, Tischler, Maler, Schlosser und Helfer in der Restaurierungswerkstatt, die mit anderen Qualifikationen ihre handwerklichen Fähigkeiten und Fertigkeiten einbringen. Darunter sind auch zwei Tischler-Lehrlinge. „Wir altern zwar als Betrieb, denn wir sind seit 27 Jahren im Geschäft, aber Azubis verjüngen die Belegschaft“, freut sich der Chef. Allerdings wird sich der Trend nicht fortsetzen. „Wir fahren die Lehrlingsausbildung zurück, weil wir keine Bewerber finden, die für den Tischler-Beruf brennen. Aber gerade unsere Arbeit ist noch komplexer und verlangt einem Azubi noch mehr ab“, bedauert er.

Nichtsdestotrotz ist Lutz Jähne mit der aktuellen Auftragslage zufrieden. „Wir aquirieren ständig, hoffen z.B. gerade, dass wir an der Französische Friedrichstadtkirche in Berlin das erste Mal den Zuschlag bekommen. Außerdem beschäftige ich mich jetzt schon mit Objekten für 2019“, berichtet Jähne. Wichtig sind dafür Referenzobjekte. Maren Schiffka, Kunsthistorikerin und seit 20 Jahren technische Mitarbeiterin in der GmbH: „Die definieren sich über Qualität, Preis und die Einhaltung von Terminen.“

In der Güstrower Region ist die Denkmalpflege Jähne GmbH zurzeit nicht tätig. Die nächste größere Aufgabe könnten die Fenster und Türen des Güstrower Schlosses sein. Lutz Jähne: „Wir werden uns bewerben.“

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