Güstrow : Wenig Gegenwind bei Glyphosat

Der Unkrautvernichter Glyphosat ist umstritten.
Der Unkrautvernichter Glyphosat ist umstritten.

Wie stehen Kommunen zu Glyphosatverbot? Bauernverband fordert finanzielles Entgegenkommen für von Verbot betroffene Bauern.

nnn.de von
07. Februar 2018, 05:00 Uhr

Nach Rostock verbietet auch Neustrelitz als zweite Stadt in Mecklenburg-Vorpommern ihren Pächtern den Einsatz von Glyphosat auf ihren kommunalen Flächen. Droht jetzt ein flächendeckendes Verbot im Nordosten und auch in der Region Güstrow für den Einsatz des umstrittenen Pflanzenschutzmittels?

Schon jetzt deutet sich Streit an. Denn einmal Glyphosat spritzen, ersetze viele Stunden Arbeit, argumentieren viele Landwirte. Mehr Arbeit bedeutet höhere Kosten. Und wenn die Maschinen „dank Glyphosats“ die Felder nicht umpflügen müssen, verbrauchen sie auch keinen Diesel. Dadurch erspare man der Umwelt eine Menge CO2. Deshalb fordert Peter Brandt vom Bauernverband Güstrow: „Im Falles eines Verbots, sollten die Verpächter den Bauern entgegenkommen. Dem Mehraufwand, den ein Glyphosat-Verbot nun mal erzeugen würde, sollte eine finanzielle Entlastung bei der Pacht folgen.“ Auch der Präsident des MV-Bauernverbandes, Detlef Kurreck, Bürgermeister und Landwirt in Bastorf, kritisiert Glyphosatverbote: „Natürlich kann ein Eigentümer mit seinen Flächen verfahren, wie er das will. Aber es wäre doch schön, wenn er damit im Rahmen der Gesetzgebung bleiben würde – und Glyphosat ist nicht verboten.“

Die Landwirte im Umland von Güstrow sind bisher von einem Verbot nicht betroffen. Die Kreisstadt hat keine Pläne ihren Pächtern den Einsatz von Glyphosat auf Äckern zu verbieten. „In den Ausschüssen war Glyphosat bisher noch kein Thema“, sagt Bürgermeister-Stellvertreter Andreas Brunotte (CDU). Innerhalb des Stadtgebietes sind chemische Unkrautvernichter laut Straßenreinigungssatzung ohnehin generell für die Gehweg- und Straßenreinigung verboten. Das Unkraut muss quasi per Handarbeit entfernt werden.

Auch im Rathaus Laage gibt es bisher keine Pläne für ein Verbot. Bürgermeister Holger Anders (FDP) stört die einseitige Debatte um das Mittel, er fordert einen besseren Dialog mit den Bauern. „Glyphosat ist noch immer offiziell zugelassenes Mittel. Nur politisch etwas vorzugeben, halte ich für schwierig. Und im Falle eines Verbotes müssten die Kommunen auch mit den Pächtern über mögliche Alternativen sprechen und nicht nur verbieten“, sagt Anders.

„Glyphosat wird eingesetzt, das weiß ich von einigen Landwirten“, sagt Reinhard Knaack (Die Linke), Bürgermeister der stark landwirtschaftlich geprägten Gemeinde Lalendorf. Er wolle die Probleme, die sich um den Unkrautvernichter ranken, nicht verniedlichen, aber nur mit einem „Verdacht auf…“ wolle er nichts reglementieren. Der frühere LPG-Vorsitzende und ausgewiesene Fachmann bescheinigt Landwirtschaftsminister Schmidt ein „unglückliches Agieren“ in dieser Sache. Knaack möchte die Diskussion lieber in eine etwas andere Richtung lenken, möchte mehr Nachdenken über die Fruchtfolge erreichen. „Bei vernünftiger Fruchtfolge muss überhaupt nicht jedes Jahr und schon gar nicht auf jedem Schlag mit Glyphosat gearbeitet werden. Ich persönlich bin nicht für ein generelles Verbot. Das löst das Problem nicht.“

Das Thema bleibt umstritten. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation legt nahe, dass das Mittel „wahrscheinlich krebsgefährdend“ sei. Das Bundesinstitut für Risikobewertung widerspricht in einer eigenen Bewertung, ebenso die US-Umweltbehörde oder auch das Gesundheitsministerium Kanadas. Umweltschützer befürchten, Glyphosat habe zudem Einfluss auf das Insektensterben.
 

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