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Grabschmuck in Hagenow „Plaste gehört nicht auf das Grab“

Von MAYK | 29.11.2017, 21:00 Uhr

Künstlich oder Natur? Hagenows Friedhofsverwaltung hat nach dem Totensonntag wieder mit uneinsichtigen Angehörigen zu kämpfen

Es ist ein altes Problem, das Sylvia Hermann, Chefin der Friedhofsverwaltung der Kirchgemeinde, eigentlich für erledigt hielt. Doch spätestens seit dem vergangenen Totensonntag ist es wieder da.  Plasteblumen, Weidenkätzchen aus Kunststoff, Gestecke in Styroporkissen. Das sieht alles schön und farbenfroh aus, doch es es nicht statthaft. Die Friedhofssatzung ist da sehr eindeutig und das bereits seit dem Jahr 2003. Es geht nicht um Geschmack oder Bevormundung, es geht auch nicht um ein Förderprogramm für Gärtnereien. Es geht um ein Entsorgungsproblem. Schmuck aus Kunststoff verrottet nicht. Das muss Grabverzierung aber, denn die Friedhofsverwaltung muss gerade bei der Entsorgung die Kosten im Blick haben. Hermann: „Wenn es zu viel  wird, müssen wir die Kosten auf die Gebühren umlegen. Das will auch niemand. Für uns ist auch der Aufwand des Trennens zu hoch, denn das meiste Künstliche im Grabschmuck landet doch im Müll. Unsortiert.“

Daher wird nun durchgegriffen. In den kommenden Tagen werden die Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung von Grab zu Grab ziehen und Plasteschmuck fotografieren. Dann werden die Angehörigen angeschrieben und gebeten, den Schmuck wegzunehmen. „Die ersten haben wir in den Tagen schon auf das Thema angesprochen“, erzählte gestern Olaf Haustein, Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung. „Nicht alle haben Verständnis dafür.“

Im vergangenen Jahr ging es noch direkter zu. Da sammelten die Bediensteten den unverottbaren Grabschmuck einfach ein und hoben ihn auf. Prompt ging in der Stadt das Gerücht um,  jemand würde die Grabgestecke stehlen.  Am Ende kamen so etliche Säcke mit Plastemüll zusammen, die entsorgt werden müssen.

Soweit will es die Kirchgemeinde in diesem Jahr nicht kommen lassen. Daher werden die Besitzer der betroffenen Grabstellen nun angeschrieben. Es ist ein Herbstthema, das rund um den Totensonntag besondere Brisanz erfährt. Denn zu diesem Zeitpunkt bekommen viele Gräber ihre Wintereindeckung. Und da sei die Verlockung nicht zuletzt aus Kostengründen groß, weiß Hermann. Auch Pastor Volker Höppner stellt sich hinter die Verwaltung. Die Regelung sei schließlich nicht neu.

Dabei ist es im Einzelfall durchaus kompliziert festzustellen, was auf eine Grabstelle soll und was nicht. Denn Wachsrosen sind beispielsweise gestattet, weil sie sich langfristig zersetzen. Das gilt auch für bestimmte Schaumstoffe aber eben nicht für Styropor. Weidenkätzchen gibt es in Natur aber auch für die Ewigkeit. Den Unterschied erfährt man nur, wenn man anfasst. Viele künstliche Blumen sehen den Originalen täuschend ähnlich.

Abseits vom Entsorgungsproblem trägt sich die Kirchgemeinde in Sachen Friedhof noch mit einem weiteren wichtigen Projekt. Das marode Eingangsportal des Friedhofes soll im kommenden Jahr saniert werden.