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Neue Ausstellung in boizenburg „Wir haben hier gearbeitet“

Von kfri | 08.06.2017, 21:00 Uhr

Eröffnung der Outdoor-Ausstellung zur Elbewerft zeigt großes Bedürfnis nach Aufarbeitung der Geschichte

Bei der Frage „Wer hat früher hier gearbeitet?“ hoben 12 der 20 Besucher, die zur Eröffnung der Outdoor-Ausstellung über die Elbewerft gekommen waren, die Hand. Das Bedürfnis, über die große Geschichte der Elbewerft zu reden und die Erinnerung daran lebendig zu halten, ist offenbar groß. Bei manchen auch der Schmerz darüber, dass es die Werft mit der mehr als 200-jährigen Geschichte, auf der das erste Motorschiff Deutschlands - mit Petroleum betrieben - gebaut wurde und wo zu DDR-Zeiten rund 2  000 Menschen arbeiteten. „Ich kenne welche, die sind seitdem nie wieder hier hinten gewesen“, erzählte Eitel Schneider, der damals die Abteilung Einkauf leitete, und meinte damit die Zeit 1997, als die Elbewerft endgültig geschlossen wurde.

„Das war damals ein tolles kollektives Miteinander, erinnerte sich Margret Lorenz, aus Boizenburg, die sich 1980 bis 1997 von der Putzfrau zur Büromitarbeiterin im Wareneingang hochgearbeitet hatte. „Heute muss man sich überall durchkämpfen, wir leben in einer Ellenbogengesellschaft.“ Ihr Ehemann Wolfgang war von 1968 bis 1997 Schlosser auf der Werft, Walter Jung aus Goldenitz hat seine Ausbildung zum Schiffbauer dort gemacht und Jürgen Schmal war lange Maler in der Hauptmechanik. Am längsten von den Anwesenden hat sicher Heinz Gohsmann, heute den meisten als Stadtvertreter der SPD bekannt, auf der Elbewerft gearbeitet, so dass er viele interessante Geschichten am Rande erzählen konnte. „Ich habe 1952 auf der Werft in der Tischlerei gelernt und war von 1968 bis 1990 Investbauleiter“, berichtete er. Damit war er auch für die Materialbeschaffung für die Bauten zuständig, zu DDR-Zeiten ein oft abenteuerliches Unterfangen. „Wir hatten ja nichts zu tauschen wie die Fliesenwerke“, blickte er mit einem Lächeln zurück.

„Ich bin sehr zufrieden, mit so vielen Besuchern habe ich gar nicht gerechnet“, zog Ausstellungsmacher Jens Tandler nach der ersten Führung Bilanz. An verschiedenen ehemaligen Werftgebäuden entlang des Fährwegs hängen nun die acht Informationstafeln mit Fotos und Texten, die sich mit den verschiedenen Phasen der langen Werftgeschichte beschäftigen (siehe SVZ vom 30.5.2017).

Beeindruckt von der Ausstellung, aber auch insgesamt von dem Projekt „Werft.Kultur.Boizenburg“, für das die Ausstellung ein erster Schritt war, zeigte sich auch Karoline Weber von der Kulturstiftung des Bundes, die das Projekt mit Mitteln aus dem ‘Fond neue Länder’ unterstützt hat. Speziell dieser Fonds soll bürgerschaftlich getragene Initiativen fördern, die sich auf lokaler und regionaler Ebene kulturell engagieren. „Wir sind ja eine aufsuchende Förderung“, sagte sie im Gespräch. „Wir finden, dass der Kino-Club hier großartige Arbeit leistet, mit der Jugendarbeit, dem Elbkahntheater und dem Engagement für die Flüchtlinge, und unterstützen deshalb auch das neue Projekt zur Werftkultur. Es wurde klar, dass das ein großes Anliegen hier ist, weil damit Identität gestiftet wird und die Verlusterfahrung aufgearbeitet werden kann.“ Im Moment werde eine Anschlussfinanzierung für das Musical über die 60er Jahre auf der Werft geprüft.