Neuhaus : Die gute alte Zeit

Auch wenn Annemarie Brusch und Johanna Bathel noch skeptisch wirken, Gerald Schmidt genießt die Zeit, in der auch Männer noch modisch voll auf der Höhe waren.
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Auch wenn Annemarie Brusch und Johanna Bathel noch skeptisch wirken, Gerald Schmidt genießt die Zeit, in der auch Männer noch modisch voll auf der Höhe waren.

Die Aktiven des Neuhauser Karnevals schwelgen zur Jubiläumssession in Erinnerungen an das Gründungsjahr 1954

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17. Februar 2020, 05:00 Uhr

Früher war alles besser: Frauen trugen ihre Kleider mit viel Chic und Unterröcken, Männer hatten noch so viel Haare auf dem Kopf, dass sie diese zu einer Tolle getürmt über der Stirn tragen konnten. Das Temperament? Prüde bis draufgängerisch. Die Sehnsucht reichte nur bis Italien, die Helden hießen Elvis, James Dean oder Marilyn, die Welt war schwarz-weiß bis rosa-rot, und weil es noch kein Smartphone gab, wurde in Neuhaus 1954 der „einzig wahre Karnevalsverein“ erfunden. So will es die Legende, sagt die „Pink Lady“, Karnevalspräsidentin Heike Pink, in der Bütt, die heute Abend eine Musikbox ist.

Die ersten Probleme mit der guten alten Zeit treten auf, wenn Tiere aus selbiger wiederauferstehen. Trotz roter Häkelmütze und Trillerpfeife wurde Helga Fischer vom Wolf vernascht. Zum Glück für Rotkäppchen in der Bütt übernimmt Vater Staat heute Vor- und Nachsorge. Kein Wirtschaftswunder und durchs soziale Netz gefallen sind dagegen Elli (Elisabeth Siefert) und Freddy (Manfred Bonatz), sie warten seit über 30 Jahren an der NCC-Bar auf ihre Belobigung durch den längst abgewickelten Arbeiter- und Bauernstaat. Ganz allein darf Gerald Schmidt sein allererstes eigenes Bier in 35 Jahren Büttenleben auf Ex genießen und beweist nonchalant, dass Männer mit Stil durchaus gewagtere Farben tragen können. Die verklemmten 50er-Jahre weit hinter sich gelassen haben Michaela Strandhöfer, Annemarie Brusch und Johanna Bathel, mit seiner herausfordernden Offenheit zerlegt das freche Mädelgespann zur Riesenfreude des Publikums die örtliche Frauenarztpraxis.

Ganz schlicht und deshalb umso begeisternder die Gesangsnummern des Abends, ein umjubeltes Duett von Anna und Paula Holz, Carlo von der Band „Hochfrequent“ im Solo mit einem Häkelgurt, Sabrina Breitenstein mit Unterstützung des Kinderballetts der „Flamingos“ und Lou Rath als motorisierter Frauenschwarm. Fliegende Petticoats und wippende Zöpfe: Die Musik der 1950er- Jahre ist natürlich ein gefundenes Fressen für alle Tanzgruppen des NCC und dank der Spende vom diesjährigen Neuhauser Hallenfußballturnier gibt es für die Tänzerinnen neues Schuhwerk. Kein Wunder also, dass es auch das närrische Publikum kaum auf den Stühlen hält und die Tanzfläche direkt zum ersten „Jailhouse-Rock“ der Aftershow-Party stürmt.
Wer mit dem NCC in die gute alte Zeit abtauchen will, hat dazu nochmal am Sonnabend, 22. Februar, um 20 Uhr Gelegenheit. Es gibt noch Restkarten an der Abendkasse.

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