Zarrentin : Ein, zwei, drei, vier Wintervögel

Beim Beobachten hilft Henrik Helterhoff und seiner Schwester Sarah ein Vogelbestimmungsbuch.   Fotos: Katharina Golze (2)
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Beim Beobachten hilft Henrik Helterhoff und seiner Schwester Sarah ein Vogelbestimmungsbuch. Fotos: Katharina Golze (2)

Vogelinteressierte und Ranger zählen sechs Arten

nnn.de von
07. Januar 2019, 08:03 Uhr

Ein aufgeschnittener Apfel, Sonnenblumenkerne, Haferflocken und Talkringe liegen bereit, doch die Vögel lassen im Zarrentiner Pahlhuus auf sich warten. Sieben Vogelinteressierte sowie Ranger Torsten Wäder haben sich am Sonntag vor einem Fenster im Ausstellungsraum positioniert. Sie wollen eine Stunde lang Meisen, Kleiber und andere Wintervögel zählen.

Von Freitag bis Sonntag hatte der Naturschutzbund (Nabu) und der Landesbund Vogelschutz zu einer bundesweiten Zählaktion aufgerufen. Jeder konnte mitmachen und die gezählten Vogelarten online melden. Seit zwei Jahren beteiligt sich auch das Pahlhuus an der „Stunde der Wintervögel“. Extra dafür hat Torsten Wäder ein paar Tage zuvor die Futterstelle am Fenster angelegt. „Wir füttern eigentlich nicht, sondern sorgen dafür, dass sie auf natürliche Weise Futter finden“, etwa durch Brachflächen und Blühstreifen, so der Ranger. Sie wollen die Menschen für die Vogelwelt sensibilisieren, daher machen sie mit beim Zählen.

Gezählt werden soll nicht jeder einzelne Vogel, sondern immer die höchste Anzahl ihrer Art, erklärt er den Besuchern. Er stoppt die Zeit und nach kurzem Warten trauen sich auch die ersten Meisen. Sie haben sich in einem kahlen Baum neben der Futterstelle ihr Versteck gesucht. Hektisch picken sie nur ein paar Körner und fliegen zurück. „Sie gucken, ob ein Sperber kommt“, erklärt Torsten Wäder. Der Greifvogel ist ihr Feind. Der Ranger nutzt die Zählaktion auch, um die Vogelwelt zu erklären. Woran sind Weiden- und Sumpfmeise zu unterscheiden, wollen die Besucher wissen. An Bart und Kehlfleck, weiß der Lassahner. „Die Kohlmeise ist die größte Meise“, erklärt er. Auf Latein heißt sie „Parus major“, auch ein Major sei von großer Bedeutung. Neben der Eselsbrücke erklärt er auch, woher der Kleiber seinen Namen hat: „Das kommt von Kleben. Er klebt seine Höhle mit Lehm und Speichel zu.“ Auch könne der Kleiber kopfüber den Baum herunterlaufen.

Wie aus dem nichts ruft Henrik Helterhoff: „Guck mal ein Kleiber.“ Der Zehnjährige kennt sich aus. Von seiner Oma hat er viel über Vogelarten gelernt und hat auch ein Bestimmungsbuch. Gern fotografiert er die Tiere, nur: „Eine Beutelmeise habe ich noch nie gesehen.“

Die Besucher sind alle Vogelexperten. Kommt ein Vogel zur Futterstelle, kennen sie sofort den Namen und wissen auch, wer noch fehlt: nämlich Buchfink, Rotkehlchen und Spatz. „Besonderer Augenmerk liegt in diesem Jahr auf der Amsel, weil sie einen Virus hat und in manchen Bereichen komplett verschwunden ist“, erklärt Torsten Wäder. Die Besucher zählen eine. Die Zugvögel aus dem Lied „Amsel, Drossel, Fink und Star“ fliegen aber nur noch selten weg, denn die, die bleiben, bekommen die besten Brutplätze. „Kommt aber der Winter, sind sie die Verlierer“, so der Ranger. Nach genau einer Stunde ist die Zählung vorbei. „Sechs Arten, das ist entscheidend weniger als im letzten Jahr“, resümiert Wäder. Aber auch dieses Ergebnis hilft dem Nabu bei der Analyse der Bestandsentwicklung und des Zugverhaltens der Wintervögel.

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