Neuhaus : Fraßspuren sind ein gutes Zeichen

Wildblumen mitten in Neuhaus: Zwischen Haus des Gastes und Amtsgericht konnte man sich in den letzten Monat von der Schönheit der heimischen Blüten überzeugen.
Wildblumen mitten in Neuhaus: Zwischen Haus des Gastes und Amtsgericht konnte man sich in den letzten Monat von der Schönheit der heimischen Blüten überzeugen.

Naturgartenexpertin erläuterte, wie man seinen Garten für den Klimawandel rüstet.

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24. September 2019, 12:00 Uhr

Auch wenn es dem Gärtner derzeit in den Fingern juckt, alles schön schier für den Winter zu machen, appelliert Naturgartenexpertin Susanne Reiter: „Bitte nicht aufräumen und Abgeblühtes stehen lassen. Samen bieten überlebenswichtiges Futter für Vögel, Insekten finden in alten Fruchtständen ein Winterquartier. Wenn überhaupt, sollten Sie Stauden erst im Frühjahr zurückschneiden.“

Dass in Zeiten von Klimawandel und Insektensterben Garten nicht gleich Garten ist, wird schnell deutlich im Vortrag von Susanne Reiter, die vom mecklenburgischen Stöllnitz aus als Diplomlandwirtin und Landschaftsarchitektin bundesweit naturnahe Flächen plant und umsetzt. Nach Neuhaus eingeladen hat sie BENe-Projektmanager Olaf Anderßon, der im Rahmen des Netzwerkes „Naturnahe, blütenreiche Gärten“ Interessierten möglichst viele Praxistipps vermitteln möchte.

An fünf Punkten macht Susanne Reiter den naturnahen Garten fest: Er sollte selbstverständlich giftfrei sein, in seinem Mittelpunkt stehen heimische Pflanzen und ungefüllte, d.h. züchterisch nicht veränderte, Blüten und er bietet viele verschiedene Lebensräume für Tiere jeglicher Art. „Das Thema Aufräumen betrifft auch vermeintliches Unkraut und Ungeziefer. Von der Brennnessel hängen allein 60 Insektenarten ab. Lassen Sie Blattläuse an der Pflanze, denn sie sind eine wichtige Nahrung für Vögel. Ihre Pflanze wird das mit Sicherheit überleben. Freuen Sie sich einfach, wenn irgendwo in Ihre Pflanzen Löcher gefressen sind, dann haben Insekten Nahrung gefunden.“

Das größte Umdenken für den Gartenliebhaber erfordert sicherlich die Wahl der richtigen Pflanzen, denn als heimisch definiert Susanne Reiter nur die Blumen, die vor 1492 – der Entdeckung Amerikas – bereits in unseren Breiten bekannt waren. So fällt von der aus Afrika stammenden Geranie bis zur vermeintlichen Wildblume Lupine, die auch ein Import aus Amerika ist, sehr viel Beliebtes aus unseren Gärten weg. „Es ist besonders wichtig, dass die Pflanzen nicht züchterisch verändert wurden. Denn möglichst große Blüten bedeuten immer weniger oder gar keinen Pollen wie bei den meisten Blumen, die Sie im Baumarkt kaufen können“, begründet Susanne Reiter die Beschränkung, die einer kleinen, unauffälligen, aber umso wichtigeren Zielgruppe helfen soll: „Unsere Honigbienen sind Generalisten, aber Wildbienen, die wir besonders schützen müssen, sind spezialisiert auf ganz bestimmte Arten. Deshalb zählt jeder Quadratmeter Wildblumen und das geht sogar auf dem Balkon.“ Kamille, Glockenblume oder Königskerze rücken vom unbeachteten Wegesrand in den Mittelpunkt des Gartens. Zusätzlich zu ihrem attraktiven Aussehen bieten die heimischen Blühpflanzen noch einen weiteren großen Vorteil, erläutert Susanne Reiter: „Diese Pflanzen können sehr viel besser mit dem Klimawandel umgehen. In der Trockenheit der letzten zwei Jahre können sie sich behaupten, sie sind zwar kleiner, aber auch ohne zusätzliche Wassergaben lebensfähig.“

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