Darchau : „Hier rollten 1989 die Tränen“

Direkt vom Trachtenumzug des Münchner Oktoberfestes zum Brückenfest – die Danzwiewer aus der Teldau
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Direkt vom Trachtenumzug des Münchner Oktoberfestes zum Brückenfest – die Danzwiewer aus der Teldau

An historischer Stelle feiern Tausende das 8. Brückenfest, das an die Öffnung der Grenzen vor 30 Jahren erinnert

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04. Oktober 2019, 05:00 Uhr

„Es ist wirklich etwas frisch an den Ohren“, lacht Wilfried Klinge, der gemeinsam mit Ronny Nowak an einer der zwei hölzernen Brückenaufgänge zum Festgelände die ersten Gäste empfängt. Ein Blick in die großen Spendenkannen verrät, dass die vielen, dick eingemummelten Besucher der morgendlichen Andacht schon eifrig für die Durchführung des diesjährigen Festes gespendet haben, dass wahrscheinlich als bisher kältestes Brückenfest in die Annalen eingehen wird. Natürlich nur im Hinblick auf die meteorologischen Daten, denn in Sachen Begegnung zwischen Ost und West, diesseits und jenseits der Elbe haben das Organisations-Team und die Gemeinde Neuhaus wieder ein buntes Angebot für die ganze Familie aufgefahren. Die Verkehrsströme aus Richtung Mecklenburg nach Darchau und mit Fähre „Tanja“ über die Elbe sprechen auch beim 8. Brückenfest für sich.

Mit dem Choral „Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen, gib mir Mut zum ersten Schritt“ begrüßt der Posaunenchor aus Stapel die Gäste. Genau der Posaunenchor, der in den Tagen um den 25. November 1989 die Menschen hinter dem Grenzzaun in Darchau unermüdlich mit seiner Musik unterstützt hat, dass auch endlich an der Elbe die Grenze fällt, schlägt die musikalische Brücke zwischen dem Mauerfall vor 30 Jahren und der Gegenwart. „Hier rollten 1989 die Tränen, als wirklich der Zaun aufging“, blickt Christian Fabel, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Amt Neuhaus, zurück. Und er hat Mühe, seine Rührung zu unterdrücken: „Ich habe selbst 30 Jahre in diesem anderen System gelebt und gerade für uns Menschen im Sperrgebiet direkt hinter den Grenzanlagen war es ein sehr eingeschränktes Leben mit vielen Verboten und Repressalien. Wie haben wir uns nach dieser Freiheit gesehnt.“

„Dranbleiben! So kommt die Brücke“, mit diesem Slogan lockt der Brückenverein in Zeiten des Wartens auf ein Planfeststellungsverfahren an seinen Stand. „Es gibt immer wieder Verantwortliche, die das Geld für die Brücke anders verplanen möchten. Da müssen wir aufpassen“, argumentiert Felix Petersen, der für die CDU im Lüneburger Kreistag sitzt, „Ich bin immer gegen die Arena gewesen, denn mit aktuell 25 Millionen Euro kostet sie mehr als der Eigenanteil des Landkreises für die Brücke betragen würde. Man muss sich immer fragen, was kann ich mir leisten und da hat diese Brücke eindeutig Vorrang. Zumal Rücklagen für schlechtere Zeiten gebildet werden müssen.“ Der 31-jährige Politiker hat beim geplanten Brückenbau auch die Region im Blick, denn als Kandidat der CDU möchte er im kommenden November Bürgermeister von Bleckede werden. „Die Fähre nach Bleckede bleibt und die neue ist auch schon bestellt, aber die Menschen aus Neu Bleckede brauchen auch eine feste Querung. Zudem ist die Brücke auch eine wichtige Investition in den Klimaschutz, denn bei Fährausfall werden lange Umwege vermieden. Besonders auch für landwirtschaftliche Fahrzeuge, die noch lange nicht auf klimafreundliche Antriebe umgerüstet sind“, betont Felix Petersen.


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