Verkehrssicherheit in Kogel : Kogeler sind wütend auf die Polizei

Kogels Bürgermeister André Brosch zeigt Auswertungen der Verkehrszählung.
Kogels Bürgermeister André Brosch zeigt Auswertungen der Verkehrszählung.

Bürgermeister André Brosch: „Es gibt zu wenige Verkehrskontrollen“. Für mehr Sicherheit der Kinder fordert die Gemeinde Radwegbau und Tempo 30.

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07. Februar 2018, 21:00 Uhr

„Erschreckender Spitzenreiter war ein Auto, das mit 128 Stundenkilometer bei erlaubtem Tempo 50 durch Kölzin gebrettert ist“, schüttelt André Brosch den Kopf. Und präsentiert die Ergebnisse einer vierwöchigen Verkehrszählung von April 2017, die die Gemeinde Kogel in Auftrag gegeben hatte. 10 037 Fahrzeuge seien gezählt worden. Ein Motorrad sei mit 91 km/h, ein Lkw mit 100 km/h gemessen worden. „90,8 Prozent aller Fahrzeuge hat die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten. 1175 mal wurden Lkw gezählt, darunter 13,8 Prozent  Schwerlastverkehr“, resümiert der Bürgermeister. Die rollende Technik, besonders die aus der Landwirtschaft, werde immer größer, breiter und schwerer. Es gäbe  Fahrzeuge mit bis zu 60 Tonnen Tragkraft inklusive Anhänger. „Dafür sind unsere Gemeindestraßen nicht ausgelegt. Beim Ausweichen werden Borde kaputtgefahren. Selbst die 2009 neu gemachte Lindenstraße in Kölzin  weist schon wieder erhebliche Schäden auf“, berichtet der Ehrenamtliche, der seit 2009 die kommunalen Zügel für etwa 650 Einwohner  in Kogel, Kölzin, Krohnshof, Pamprin, Schaalmühle, Vietow und Fliegenhof  in den Händen hält. „Sehr viele Anwohner hatten sich  über das starke Verkehrsaufkommen und  zu schnelles Fahren in ihren Orten beschwert“, erinnert sich der 44-Jährige. „Deshalb brauchen wir ganz dringend  einen Radweg von Kogel über Kölzin bis zur L 04. Damit unsere Kinder gefahrlos von Ort zu Ort gelangen können. Wir hoffen ja, dass das im Zuge des Radwegeneubaus zwischen Wittenburg und Zarrentin  mitrealisiert wird.“

Richtig wütend macht das Dorfoberhaupt  die Antwort der Polizei in Boizenburg aus dem Juli 2016 auf das Ansinnen, mehr Kontrollen in der Gemeinde durchzuführen. Entsprechende Maßnahmen hätten  gezeigt, dass die präventive Wirkung derartiger Kontrollen faktisch nicht vorhanden sei. „Die Aussage der Polizei finde ich mehr als abenteuerlich“, schimpft Brosch.

Fredo Kreft, Revierleiter von Boizenburg, will das nicht unkommentiert im Raum stehen lassen. „Wir führen in erster Linie an Unfallschwerpunkten Kontrollen durch und ahnden Verstöße. Unsere Kapazität an Personal ist nicht unendlich. Ich  muss  gut  überlegen, wo ich  Kollegen einsetze. Im Übrigen ist auch der Landkreis mit gefordert, Messungen durchzuführen. Von 2016  bis heute gab es in und um Kogel keine Tempo-Unfälle.“

Auf der letzten Gemeindevertretersitzung ist  der Beschluss gefasst worden, das Amt Zarrentin zu beauftragen, in allen Ortsteilen eine Tempobegrenzung auf 30 Stundenkilometer an sensiblen Stellen wie Kitas, Schulbushaltestellen oder zu engen Straßen  umzusetzen. „Eine Änderung des Bundesrechtes macht es deutlich leichter, eine Geschwindigkeitsreduzierung zu erreichen“, so Brosch.  Außerdem solle die Polizei nochmals aufgefordert werden, Messungen durchzuführen und Verstöße zu ahnden. „Außerdem gibt es die Überlegung, eine elektronische Leuchttafel anzuschaffen, die jedem Kraftfahrer das aktuelle Tempo signalisiert.“

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