Neu Gülze : Leidenschaft für Landwirtschaft

Auch die Bürokratie gehört dazu. 50 Prozent der Arbeitszeit wird für die korrekte Pflege von Anträgen und Formularen aufgebraucht.
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Auch die Bürokratie gehört dazu. 50 Prozent der Arbeitszeit wird für die korrekte Pflege von Anträgen und Formularen aufgebraucht.

Hans-Jürgen Michalska stand am Scheideweg, hat sich aber bewusst für die Weiterführung des Familienbetriebes entschieden

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14. April 2019, 20:00 Uhr

Neu Gülze | Wenn Hans-Jürgen Michalska aus Neu Gülze über die Landwirtschaft nachdenkt, sieht er nicht nur Positives. Eine stetig ändernde Gesetzeslage, ein enorm strapazierter Bodenmarkt und kritisches Verbraucherverhalten sind nur ein paar Aspekte, die der 39-Jährige dabei vor Augen hat. Und auch die Trockenheit des letzten und dieses Jahres lässt ihn nicht los.

Dennoch hat er sich bewusst dazu entschlossen, weiterhin in diesem Berufszweig, den er gelernt hat, tätig zu sein und den Familienbetrieb weiter zu führen.

Ganz selbstverständlich war dies für ihn indes nicht. „Mit dem plötzlichen Tod meines Vaters im letzten Jahr habe ich – gerade bei dem Bild, das die Landwirtschaft in der Öffentlichkeit hat - natürlich noch einmal alles auf den Prüfstand gestellt“, beschreibt Michalska den Punkt eines Scheideweges, der ihn schlussendlich in seiner Entscheidung nur bestätigte.

Besonders zwei Argumente hätten dafür gesprochen, sich trotz der allgemein differenzierten Betrachtung weiter in diesem Berufsfeld zu engagieren. „Wir Landwirte sind doch diejenigen, die das erste menschliche Grundbedürfnis stillen: die Nahrungsaufnahme. Und dafür möchte ich auch zukünftig sorgen“, erklärt der Neu Gülzer.

Außerdem empfindet er eine enorme Leidenschaft dafür, seine Produkte mit einem hohen Qualitätsanspruch zu produzieren. „Ich bin stets bemüht, unter ökonomischen und ökologischen Aspekten nachhaltig zu arbeiten“, sagt der Landwirt, dessen Betrieb deswegen auch schon, seit sein Vater ihn 1991 gegründet hat, mit der Biosphäre zusammenarbeitet.

Damit weist Hans-Jürgen Michalska jedoch auch auf die Kehrseite der Medaille hin, die das gesamte Feld des Agrarbereichs erst in einen solchen Misskredit gebracht hat. „Natürlich gibt es die schwarzen Schafe, die viel Schindluder an der Umwelt betreiben. Da sollte der Gesetzgeber auf jeden Fall genauer hinschauen“, ist die Meinung des Landwirts, der sich auch ein wenig aus diesem Grund für eine Fortführung des Familienbetriebs entschieden hat.

So weiß er, dass auf den 450 Hektar seines Landes die Fruchtfolge eingehalten wird und Monokulturen keine Chance haben. Zudem fügt er an:„Wir haben sogar eine fünf Hektar große Bienenweide angelegt, um die Artenvielfalt zu unterstützen.“ Von seiner Arbeit könnten sich interessierte Verbraucher auch immer wieder persönlich überzeugen, indem sie dem Hof in Neu Gülze einen Besuch abstatten. „Sofern ich Zeit habe, stehe ich für jegliche Erklärungen bereit“, sagt der Landwirt.

Die Zeit ist es jedoch, die ihm auch ein wenig im Nacken sitzt. So hat Hans-Jürgen Michalska schon früh realisiert, wie wendig ein Landwirt heutzutage sein muss. Bereits im letzten Jahr wurde sich deswegen vom Milchvieh verabschiedet (SVZ berichtete). „Jetzt sind die Fleisch-, Strom- und Getreideproduktion unsere Standbeine“, berichtet der 39-Jährige. Doch auch dabei ist er sich sicher: „Ein Abwarten kann es in unserer Branche nicht geben. Bei dem ganzen Druck von außen müssen wir einfach permanent schauen, wo wir uns weiterentwickeln können.“

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