Schwere Anschuldigungen : Mit Tabletten beinahe vergiftet

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Beschäftigte in Hagenower Werkstätten musste zur Not-Versorgung ins Krankenhaus. Angehörige erheben schwere Anschuldigungen

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13. Januar 2018, 05:00 Uhr

Wer seine hilfsbedürftigen Angehörigen in entsprechenden Einrichtungen betreuen lässt, möchte sicher sein, dass diese auch bestmöglich versorgt sind. Nach einem Vorfall in den Hagenower Werkstätten des Lebenshilfewerkes Mölln-Hagenow bezweifeln Verwandte einer Beschäftigten allerdings, dass dort sorgfältig auf die zu Betreuenden aufgepasst wird. Ganz im Gegenteil: Sie erheben schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Lebenshilfe, konkret gegen die des Förderbereiches, in dem die Betreuung besonders intensiv ist. Sie hätten ihre Aufsichtspflicht verletzt, deshalb habe die Beschäftigte eine Überdosis Beruhigungstabletten nehmen können. Die 36-Jährige wurde daraufhin am Dienstag per Rettungswagen in die Klinik gebracht und stationär behandelt. „Meine Schwester wurde zunächst auf die Intensivstation gebracht. Kurze Zeit später kam sie auf eine Normalstation und wurde dort überwacht. Mittlerweile ist sie aus dem Krankenhaus entlassen worden“, erzählte uns eine Angehörige auf Nachfrage.

Zuvor hatte sie die SVZ per Mail über ihrer Meinung nach unzumutbare Zustände in den Werkstätten informiert. „Meine Schwester ist seit vielen Jahren dort Beschäftigte (Behinderte) wodurch ich viele Sachen erfahre, die mich sehr schockieren“, hieß es dort. Der Vorfall am Dienstag habe das Fass nun zum Überlaufen gebracht und sie dazu veranlasst, „darüber zu informieren, was wirklich hinter der Fassade der Lebenshilfe steckt. Nämlich pädagogisches Personal, welches nicht in der Lage ist, den einfachsten Pflichten wie der Aufsichtspflicht nachzukommen.“ Nur deshalb sei es ihrer Schwester möglich gewesen, unbemerkt eine Tablettenration zu nehmen, die für zehn Tage gedacht war. „Erst nachdem sie bereits die zehnte Tablette im Mund hatte, fiel es einer Betreuerin auf, und sie konnte meine Schwester gerade noch daran hindern, auch die letzte Tablette zu schlucken. Diese Betreuerin informierte den Werkstattleiter, der meine Mutter in Kenntnis setzte. Doch statt sofort den Krankenwagen wegen einer Medikamentenüberdosis zu rufen, dauerte es fast zwei Stunden bis meine Schwester im Krankenhaus ankam.“

Dieser Darstellung widerspricht Detlef Postler, der Werkstattleiter, vehement. „Die Mitarbeiter des Förderbereichs haben vorbildlich gehandelt, und zwar so, wie man es erwartet. Sie haben alle notwendigen Sofortmaßnahmen eingeleitet und unverzüglich alle Stellen informiert, die informiert werden mussten.“ Dazu zähle auch der Rettungsdienst. „Wir haben für solche Vorkommnisse eine Notfallkette eingerichtet.“ Darin sei festgeschrieben, dass der Werkstattleiter, die Betreuer und Angehörigen der Beschäftigten sowie, wenn nötig, Ärzte, Polizei und Feuerwehr umgehend benachrichtigt werden. Der Vorfall an sich sei durch äußere Umstände begünstigt worden. Die Mutter der Angehörigen habe die Tabletten in deren Brotdose getan. Diese sei darauf nicht kontrolliert worden.

„Es wird von der Werkstatt verlangt, dass ein Vorrat an Tabletten mitgegeben wird. Eigentlich packen die Betreuer die Brotdose aus“, hieß es dazu von der Familie, die den Vorfall prüfen lassen möchte. „Wir haben eine Beschwerde beim Landkreis (dem Kostenträger der Werkstätten) und bei der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen eingereicht.“ Während letztere zumindest schon den Eingang der Beschwerde bestätigt habe, gebe es vom Landkreis noch keine Rückmeldung. Auch auf SVZ-Nachfrage gab es vom Landkreis keine Stellungnahme. Die zuständige Sachbearbeiterin sei zurzeit nicht im Haus. Daher könne darauf frühestens kommende Woche reagiert werden.
 

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