Hagenow : Überträgt der Wolf die Schweinepest?

Foto:

Kreisbauernverband und Jäger sehen theoretische Möglichkeit der Virus-Einschleppung

nnn.de von
04. Februar 2018, 20:30 Uhr

Es sind weit mehr als 100 Wölfe in vier größeren Rudeln, die mittlerweile in Mecklenburg-Vorpommern beheimatet sind. Zumindest formal. Denn bei den weiten Strecken, die die Tiere allein in einer Nacht zurücklegen, sind ihre Reviere natürlich sehr groß. Eines der bekanntesten Rudel ist sicher das aus der Lübtheener Heide, das zum Teil auch mit Sendern versehen und dessen bekannte Fehe jüngst in Belgien geortet wurde. 800 Kilometer weit weg vom eigentlichen Revier nahe der Lindenstadt. Dass die Raubtiere, wenn auch in der Regel eher scheu, nicht bei allen Viehwirten und Anwohnern gern gesehen sind, liegt auf der Hand. Auch deshalb haben sich SPD und CDU jetzt in den Gesprächen zur großen Koalition zum Thema Wolf verständigt (wir berichteten). So soll es ein verbessertes Management geben, das die größer gewordenen Populationen eindämmt. Von Vergrämen ist die Rede, aber auch der Abschuss so genannter Problemtiere ist jetzt nicht mehr ausgeschlossen. Allerdings muss es erst zur Koalition kommen, damit das Papier auch wirksam wird.

Eine interessante These stellt der Kreisbauernverband Ludwigslust auf. Dessen Geschäftsführerin Nicole Gottschall hat sich in den vergangenen Tagen neben den Problemen mit dem Niederschlag in der Region noch mit der Thematik Afrikanische Schweinepest auseinandersetzen müssen und bringt dabei auch den Wolf ins Spiel. „Eine der wichtigsten Aussagen ist, dass wir die Biologie und Komplexität des Virus’ bei der Afrikanischen Schweinepest nicht hinreichend verstehen, so dass es auch keinerlei Ansatz für die Entwicklung eines Impfstoffes gibt. Demnach gilt nur eins: Vorsorge! Vor diesem Hintergrund darf man auch die Übertragung durch Prädatoren wie z.B. den Wolf nicht außer Acht lassen. Gerade in Regionen mit vermehrtem Wolfsvorkommen muss daher weiter die Forderung nach einer Reduzierung der Population aufrechterhalten werden, damit diese Möglichkeit der Einschleppung oder Übertragung der ASP eingedämmt wird.“

Unterfüttert wird diese These durch schlagkräftige Argumente. Denn der Wolf sei eben nicht nur ein Wanderer, sondern auch ein Raubtier, das in Kontakt mit Wildschweinen komme. Wenn also ein infiziertes Schwein gerissen und gefressen werde, trage der Wolf den Virus in sich. Er erkranke zwar nicht, aber er könne ihn wochenlang weitergeben. Beispielsweise an Tiere, die er hunderte Kilometer weiter dann nur verletzt. Dass sich die Seuche aber vor allem auf anderem Wege ausbreitet, ist der Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes klar. „Essensreste an den Hauptverkehrsadern zwischen Polen und Deutschland sind ein großes Problem. Da treiben sich die Wildschweine vermehrt herum. Dass unsere Bauern große Angst vor dem Einschleppen der ASP haben, ist doch klar“, so Gottschall.

Jüngst wurde das Thema auch von Vertretern des Landesbauern- und Landesjagdverbands in Krakow am See diskutiert. Prof. Franz J. Conraths, Vizepräsident des Friedrich Löffler Instituts und Leiter des Instituts für Epidemiologie hielt dabei entgegen: „Es gibt derzeit keinen Grund zur Annahme, dass der Wolf als Überträger der ASP infrage kommt.“

Neben Nicole Gottschall sieht aber auch der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Ludwigslust, Sven Drewke die Übertragungs-Gefahr, die grundsätzlich eben nicht auszuschließen sei: „Es ist nachvollziehbar, dass die Bauern Bedenken haben. Es gab aber noch keine Fälle, in denen das nachgewiesen wurde. Ich denke, dass das eine oder andere Wurstbrötchen an der Autobahn gefährlicher sein könnte.“

Die hohen Populationen der Wölfe in der Region hat auch Drewke mehr und mehr auf dem Radar, aber er sieht das Thema weniger emotional. „Weder die Jäger noch die Bauern bestimmen wie die Populationen reguliert werden. Das ist Sache der Politik. Wir können nur Hinweise geben. Und das werden wir auch weiter machen. Warten wir ab, was jetzt entschieden wird“, so Drewke.

Deutlicher wird Hauke Hanstedt, Wolfsberater für die Gemeinde Amt Neuhaus. „So genannte Entnahmen, sei es nun aus Angst davor, dass der Wolf Krankheiten überträgt, oder er sich auffällig verhält, könnte der Bestand des Rückkehrers durchaus verkraften“, meint er. „Wir sind in der Situation, dass wir die höchste Wolfsdichte in Europa haben. Es wäre nicht mehr der Fall, dass einzelne Abschüsse die Population gefährden.“ Auch Hanstedt halte es für denkbar, dass der Wolf die ASP übertragen könnte. Allerdings sei das Thema unter den Wolfsberatern, zumindest in Niedersachsen, noch nicht diskutiert. Bei der kommenden Tagung im März, könnte es aber auf der Tagesordnung stehen.

Dass alle Möglichkeiten in Betracht gezogen werden müssen, wie man die ASP aus der Region fernhalten kann, macht für Sven Drewke, den Vorsitzenden des Kreisjagdverbandes Ludwigslust aber Sinn. „Jeder Hinweis hilft. Ohne dabei Panik zu verbreiten“, so Drewke. Dass die Bauern nicht gut auf den Wolf zu sprechen sind, liegt in der Natur der Sache. Zu viele Einsätze gab es im Jahr 2017 als immer wieder Schafe und sogar ein Jungbulle von Wölfen gerissen wurden. Für die Viehwirte bedeutet das wirtschaftlichen Verlust. Dass auch Menschen sich in den Wolfs-Gebieten vor Waldspaziergängen fürchten, ist ebenso Teil der SVZ-Recherchen.

Andererseits gibt es viele, die den Wolf „begrüßen“ und als scheues Tier sehen, das alles andere als angriffslustig und gefährlich ist.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen