Hilfe für Unternehmen in Russland : Von Leisterförde nach St. Petersburg

Lutz Jürgensen an seinem Lieblingsplatz im Garten.
Lutz Jürgensen an seinem Lieblingsplatz im Garten.

Der Unternehmensberater Lutz Jürgensen lebt eine Hälfte des Jahres in Leisterförde, die andere Hälfte in Russland. Bisher hat er dort 150 Betriebe mit aufgebaut

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28. Juni 2017, 12:00 Uhr

Der Gegensatz könnte wohl kaum größer sein. Heute sitzt Lutz Jürgensen in seiner Küche in Leisterförde und schaut kilometerweit über Felder und Wald. Morgen wird er schon wieder nach St. Petersburg fliegen und mit einem seiner deutschen Kunden darüber reden, wie am besten ein Ableger der Firma in der Sieben-Millionen-Einwohner-Metropole oder anderswo in Russland aufzubauen ist. So wie er das seit 1989 schon mit Otto, Melitta, Fielmann, Tchibo, Schwarzkopf, Davidoff und den anderen 144 deutschen Firmen getan hat. „Angefangen hat alles damit, als ich vor 35 Jahren eine deutsch-englisch-chinesische Datenbank für den Handel mit China aufgebaut habe“, erinnert sich der gelernte Kaufmann. Dann ging der gebürtige Hamburger zufällig regelmäßig gemeinsam mit Klaus von Dohnanyi in der Alster-Halle schwimmen und als im Mai 1989 Gorbatschow die Bundesrepublik besuchte, wurde Lutz Jürgensen gefragt, ob er bei der Ansiedlung deutscher Firmen in der Sowjetunion mitarbeiten möchte. Vier Wochen später saß er in einem 12-Quadratmeter-Büro in St. Petersburg, das damals noch Leningrad hieß. Links neben ihm arbeitete Wladimir Putin, damals stellvertretender Bürgermeister der Millionenstadt, rechts von ihm Alexej Kudrin, lange Zeit Putins Finanzminister und jetzt sein wichtigster Wirtschaftsberater. „Wir haben viel Zeit zu dritt verbracht. Ich habe mit Putin viele Firmen in Deutschland besucht“, so Jürgensen.

Seitdem lebt der heute 72-Jährige etwa die Hälfte seiner Zeit in Russland, die andere in Leisterförde. Hier hat er seit 1990 ein Haus und mehrere Hektar Land. „Wir wollten gern Pferde halten. Nach dem Mauerfall bin ich an Silvester mit meiner Frau sofort den ehemaligen Todesstreifen abgefahren. Ein Freund hat mir erzählt, dass dort überall leere Höfe stehen, weil es für die DDR-Bürger so anstrengend war, mit Passierschein und Besuchsverbot in diesen Häusern zu wohnen“, erzählt Lutz Jürgensen. Das Paar entdeckte den Hof in Leisterförde und unterschrieb am 1. Januar 1990 den Kaufvertrag.

„Hier kann man manchmal am Abend bis zu 100 Stück Wild beobachten“, schwärmt der Hanseat. Doch er hat auch in Zukunft nicht vor, mit der Pendelei zwischen Leisterförde und St. Petersburg aufzuhören. „Ich mag die Russen sehr gern. Wenn die ‘ja’ sagen, dann meinen die auch ‘ja’.“ Bei den Russen gebe es nicht so viele „Einwegbekanntschaften“, wie er es nennt. Aber er habe auch in Leisterförde tolle Leute kennen gelernt. Die nächsten Nachbarn von Familie Jürgensen sind die Steinbergs - Tochter Berit leitet die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Südwestmecklenburg.

Doch: „Russische Freunde sind Freunde für’s Leben“, erklärt Lutz Jürgensen. Deshalb mache ihm auch das derzeit schlechte Verhältnis zwischen Russland und Deutschland zu schaffen. „Die Russen sind sehr enttäuscht über die Deutschen und die Europäer.“ Seine russischen Gesprächspartner würden in der Mehrzahl das Vorgehen im Ukraine-Konflikt und die Annektion der Krim als notwendigen Selbstschutz sehen. „Aber Putin hat in der Landwirtschaft große Fortschritte gemacht. Russland ist jetzt vor Kanada und den USA der weltgrößte Weizenproduzent. Und der deutschen Landwirtschaft sind 1,8 Milliarden Euro durch die Sanktionen verloren gegangen. Wenn die Deutschen jetzt nicht bald einlenken, verlieren sie die Russen für immer!“

Gerade arbeitet Lutz Jürgensen an einem neuen Projekt. Am 21. Juni war er mit Torben Brodersen, dem Geschäftsführer des Deutschen Franchiseverbandes, in Russland, um dort den Weg für deutsche Franchise-Unternehmen zu ebnen. „Die Russen wollen so den Mittelstand aufbauen“, weiß Jürgensen. „Am 18. Juli organisieren wir einen Russlandtag in Berlin, bei dem sich deutsche Franchisegeber vorstellen können. Wenn es eine Firma aus Mecklenburg-Vorpommern gibt, die eine Idee für Franchising in Russland hat, soll sie sich beim Deutschen Franchiseverband melden!“

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