Klinik stockt um einen Augenarzt auf

Kurt-Dietrich Freiherr von Wolff
Kurt-Dietrich Freiherr von Wolff

Wohin zum Augenarzt, fragt sich mittlerweile so mancher Wittenberger, denn in der Elbestadt gibt es seit einigen Wochen keine derartige Praxis mehr. Die Augentagesklinik Groß Pankow bietet Hilfe an.

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26. September 2009, 01:57 Uhr

Wittenberge/Groß Pankow | "Wir versorgen die Wittenberger Patienten gerne mit", verspricht Augenfacharzt Kurt-Dietrich Freiherr von Wolff, einer der Geschäftsführer der Augentagesklinik Groß Pankow. Denn wer glaubt, dass in dieser weit über die Prignitz hinaus anerkannten Facheinrichtung nur Augenoperationen ausgeführt würden, der irrt. "Wir kümmern uns auch um die Primärversorgung", betont von Wolff.

Noch vor Monaten hatte es Kritik an der Groß Pankower Tagesklinik gegeben, weil nur an einem Tag im Monat Termine vergeben wurden, Patienten mitunter minutenlang in der telefonischen Warteschleife hängen blieben, ohne jemals zum Erfolg zu kommen. Der "Prignitzer" hatte am 9. Juni darüber berichtet. Von Wolff und Dr. Holger Bull, ebenfalls Klinikleiter, sahen damals keine Möglichkeit einer durchgreifenden Änderung.

Nun ist es aber offenbar doch gelungen. "Wir haben einen neuen Arzt einstellen können, dementsprechend unsere Strukturen und den Ablauf umgestellt, um Freiräume für die Primärversorgung zu schaffen", versichert von Wolff. Mit anderen Worten, wer ein Problem mit seinen Augen hat, kann wochentags die Telefonnummer 03 39 83/760 wählen und sich in der Groß Pankower Augentagesklinik einen Termin geben lassen.

Dennoch verhehlt von Wolff nicht das grundsätzliche Problem der derzeitigen Gesundheitspolitik. Nach seiner Überzeugung seien "offenbar frei niedergelassene Fachärzte nicht mehr erwünscht, sondern nur noch als Angestellte in Krankenhäusern oder Gesundheitszentren". Noch bis in die 80er Jahre hinein sei jede vom Facharzt erbrachte Leistung bezahlt worden. Doch schon der dann folgende Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) habe den Systemwandel eingeläutet, den Ulla Schmidt (SPD) jetzt brachial fortgesetzt habe. Die Folge seien verwaiste Facharztpraxen nicht nur auf dem Land. "Der Nachwuchs will das große Risiko nicht mehr eingehen. Von fünf Assistenzärzten, die in Groß Pankow ausgebildet wurden, hat nur einer die augenärztliche Praxis der Mutter übernommen, die anderen vier waren der Meinung, dass man selbst mit einer geschenkten Praxis das Risiko einer Niederlassung nicht eingehen kann", verweist von Wolff auf die aktuelle Situation. Die Folge sei, "wir haben in Kyritz keine Augenarztpraxis mehr, in Wittenberge mit dem kürzlich verstorbenen Dr. Laux auch nicht mehr, in Genthin fehlt ein Augenarzt. In Salzwedel und in Wittstock ist einer unserer Fachärzte teilzeitig tätig, fehlt damit in Groß Pankow. In der Uckermark finden zwei Augenärzte keinen Nachfolger so wie auch in Rathenow. "

Die Misere lasse sich nur mit einer radikalen Rückkehr zur früheren Gesundheitspolitik ändern. "Wenn Politiker sagen, das ist nicht bezahlbar, müssen sie auch Grenzen dafür setzen, was der Patient als Kassenleistung erhalten kann und was nicht mehr zu erbringen ist, wofür er also persönlich in die Verantwortung und damit auch die Finanzierung gehen muss", macht von Wolff deutlich. Und er verweist auf die Bundestagswahl. "Da haben es auch die Prignitzer in der Hand, ihre Stimme der Partei zu geben, von der sie meinen, sie vertrete ihre Interessen am besten, auch in der Gesundheitspolitik. "

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