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Alstom Ludwigslust „Arbeitslosigkeit ist keine Option“

Von Katharina Hennes | 21.12.2017, 21:00 Uhr

Transfergesellschaft Quotac hilft ehemaligen Alstom-Mitarbeitern bei der Suche nach neuen Jobs in Region. Knapp ein Viertel bereits vermittelt

Mit 57 Jahren noch einmal neu anfangen? Umschulung. Arbeit im Schichtsystem. Mit neuen Kollegen. An ganz anderen Maschinen. Traut sie sich das zu? Sabine Heldt lächelt und antwortet sofort: „Klar. Das ist eine Chance. Ich will es wenigstens probieren. Und ich hoffe sehr, dass es klappt.“ Fast 27 Jahre arbeitete die Picheranerin für die Messwandlerproduktion am Standort Ludwigslust in der Bauernallee. Erst für Ritz-Messwandler, dann für Areva und schließlich für die Alstom Grid Messwandler GmbH bis zur Werksschließung im März. Angestellte, die älter als 46 Jahre alt waren, wechselten im April nahtlos in die Transfergesellschaft Quotac. Ihr Ziel: Innerhalb eines Jahres möglichst viele der Alstom-Kollegen wieder in Arbeit zu bringen. Und zwar wohnortnah in einem Umkreis von bis zu 30 Kilometern. „Wir wollen für jeden eine gute Lösung finden“, sagt Quotac-Geschäftsführer Gert Beelmann. In den ersten sechs Monaten sei es vorrangig darum gegangen, die Menschen für die neue Situation zu sensibilisieren. „Was wollen sie? Was können sie? Was trauen sie sich zu? Und: Sind sie offen für ganz neue Arbeitsfelder?“

In angemieteten Räumen bei der Gesellschaft für innovative Beschäftigung (GiB) in Ludwigslust werden die Mitarbeiter nun gruppenweise geschult. Drei Betreuer der Quotac sind regelmäßig vor Ort, knüpfen Kontakte mit Firmen, vermitteln Praktika und organisieren Betriebsbesichtigungen. Ob bei Dr. Oetker in Wittenburg, bei Brüggen in Lübtheen, SweeTec in Boizenburg, bei der Lotao Pack- und Produktions GmbH, der Hydraulik Nord GmbH in Parchim oder im Trolli-Werk in Hagenow... „Unsere Betriebsliste wächst und wächst“, sagt Beelmann. Zurzeit sei man mit 150 Firmen in Kontakt.

Fast dreißig Mitarbeiter hätten im ersten halben Jahr neue Arbeit gefunden. Sechs Kollegen hatten aber von ihrem Rückkehrrecht Gebrauch gemacht und waren nach nur wenigen Wochen im neuen Unternehmen doch wieder in die Transfergesellschaft eingetreten.

„Die Kollegen schätzen die Angebote der Transfergesellschaft“, sagt Jens Schuldt, ehemaliges Betriebsratsmitglied bei Alstom. „Wir lernen Betriebe kennen, können viel ausprobieren. Außerdem tut es auch der Seele gut, die alten Kollegen hier wiederzusehen. Wir fühlen uns immer noch wie eine große Familie.“

Ein Betriebspraktikum hat fast jeder im zurückliegenden halben Jahr absolviert. „Nur so können die Leute herausfinden, was ihnen liegt und was nicht“, sagt Gert Beelmann. Er rechnet vor allem in den letzten drei Monaten der Transfergesellschaft mit einem Schwung an Vermittlungen.

Ab Januar wird dann auch die Arbeitsagentur Gespräche mit den verbliebenen ehemaligen Alstom-Mitarbeitern aufnehmen. Die Agentur zahlt den Arbeitnehmern für ein Jahr in der Transfergesellschaft Kurzarbeitergeld, das vom vorherigen Arbeitgeber noch einmal auf 80 Prozent des Nettolohnes aufgestockt wurde. „Eine sehr gute und großzügige Lösung“, findet auch Monika Abraham, die Leiterin der Arbeitsagentur. Für Arbeitnehmer, so Abraham, sei die Transfergesellschaft „das Beste, was es geben kann. Sie fallen in kein Loch, werden gut aufgefangen und bei der Arbeitssuche umfangreich begleitet.“

Die 57-jährige Sabine Heldt aus Picher wird sich nicht beim Arbeitsamt melden müssen. Sie hat sich für den Neuanfang entschieden und wechselt an einen CNC-Arbeitsplatz in die Hydraulik Nord GmbH nach Parchim. Am Schweriner Aus- und Weiterbildungszentrum wird sie dafür einen dreimonatigen Lehrgang bis Ende März absolvieren. Ihr neuer Arbeitsvertrag beginnt am 1. April – nur einen Tag nach dem Ende der Transfergesellschaft.