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Dömitz Platt lernen bis zum Abitur

Von KATT | 20.12.2017, 21:00 Uhr

Gymnasiales Schulzentrum Dömitz gehört zu den sechs Niederdeutsch-Profilschulen im Land. Unterricht wie in anderen Fremdsprachen

„Ik heff wat mitbröcht taun läsen un œwersetten“, sagt Rabea Salomon und verteilt die Blätter. Wenig später kommen die ersten Fragen. „Wat is een Tähndokter?“ fragt Tim seine Lehrerin. Mena will wissen, was „Wisch“ bedeutet. Und Yanik erkundigt sich nach „Holt“. Die Sechst- und Siebtklässler sollen mithilfe des Textes ihren eigenen Heimatort beschreiben. Im Normalfall kein Problem. Doch Tim und seine Mitschüler sitzen im Niederdeutsch-Unterricht. Seit Beginn dieses Schuljahres wird Platt am Gymnasialen Schulzentrum „Fritz Reuter“ in Dömitz angeboten – derzeit noch im Wahlpflichtbereich, künftig als reguläres Fach.

Das Schulzentrum Dömitz gehört zu den sechs Schulen landesweit mit Niederdeutsch als Schwerpunkt. „Unsere Schule trägt den Namen ,Fritz Reuter’, und wir sind in einer Gegend, in der noch viele Leute, Omas und Opas unserer Schüler Platt sprechen“, begründet Schulleiterin Evelyn Timmermann die Bewerbung als Profilschule. „Zudem gibt es das Fach Niederdeutsch schon lange an unserer Grundschule, und wir wurden immer wieder gefragt, ob man das nicht weiterführen könnte.“ Die Dömitzer können es nun – auch dank der zusätzlichen Lehrerstelle, die die Schule für zwei Jahre finanziert bekommt, um ihr plattdeutsches Profil zu schärfen.

Mit Niederdeutsch als Schwerpunkt ist zum Schuljahr 2016/17 auch Rabea Salomon ans Schulzentrum gekommen. Die Lehrerin für Biologie, Deutsch und Deutsch als Fremdsprache kannte die Sprache von ihren Großeltern und hatte während ihres Studiums einige Niederdeutsch-Veranstaltungen belegt. Als Niederdeutsch-Lehrerin einer Profilschule arbeitet sie auch in der Netzwerkgruppe um die Plattdeutsch-Profilkoordinatorin Susanne Bliemel mit, die unter anderem den Rahmenplan für den Unterricht erstellt hat und Materialien gestaltet. An ihrer Schule soll Rabea Salomon künftig bis zu 22 Stunden pro Woche Niederdeutsch unterrichten. „Aber das muss erst nach und nach wachsen“, sagt sie. Derzeit lehrt sie in zwei Kursen mit insgesamt 13 Schülern aus siebten, achten und neunten Klassen und betreut weitere Niederdeutsch-Angebote am Schulzentrum.

Unterrichtet wird Platt wie jede andere Fremdsprache. „Texte lesen, Hörverstehen, schreiben und viel sprechen“, erklärt Rabea Salomon. „Der große Vorteil ist, dass die Schüler in Plattdeutsch gleich ganz viel verstehen.“ Das findet auch Sandro, der als Sechstklässler aufgrund seiner großen Vorkenntnisse mit in die Gruppe gerutscht ist. „Das ist viel, viel leichter als Russisch oder so“, sagt der Elfjährige und ergänzt: „Ich finde es wichtig, dass die Sprachen erhalten bleibt.“ Yanik wählte das Fach, um sich mit seiner Uroma auf Platt unterhalten zu können. Und Zoe macht der wöchentliche Unterricht einfach Spaß, aber nicht nur der. „Das Workcamp war total cool“, sagt die 13-Jährige mit Blick auf das Wochenende im September. Da hatten sich rund 150 Mädchen und Jungen aus den sechs Profilschulen des Landes aus Dömitz, Crivitz, Laage, Demmin, Wismar und Stavenhagen in Demmin und Stavenhagen getroffen. Weitere Camps sollen folgen.

Mena wollte Plattdeutsch – wie viele ihrer Mitschüler im Kurs – als zweite Fremdsprache belegen. „Aber das wird nun nicht anerkannt. Ich mache trotzdem weiter, weil mir die Sprache sehr gut gefällt und einfach ist.“ Die Kultusminister hatten Plattdeutsch als Abiturfach anerkannt, aber nicht als zweite Fremdsprache. „Die Schüler können im Fach Plattdeutsch auch eine Abiturprüfung machen“, erklärt Evelyn Timmermann. „Die anderen Abiturprüfungen werden aber in Hochdeutsch geschrieben.“

Am Ende des Unterrichts hatten Sandro, Zoe und die anderen fast nebenbei einige neue Vokabeln gelernt: Der Tähndokter ist der Zahnarzt, Wisch die Wiese und Holt der Wald.