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Karstädt Sie bringen alte Mopeds in Fahrt

Von katt | 26.06.2017, 21:00 Uhr

Den Mitgliedern des SR-Oldie-Clubs Karstädt haben es Habicht, Schwalbe & Co. angetan.

Ein Motor, den Dieter Ziggel nicht wieder zum Laufen bringt? Den gibt es eigentlich nicht. Nur ein „Lohmann“, ein Hilfsmotor fürs Fahrrad aus den frühen 1950er-Jahren, wehrt sich noch standhaft gegen die Schrauberkünste des 76-Jährigen. „Rund 100 Meter sind wir mit ihm einmal gekommen, dann war wieder Schluss“, so Ziggel. Er wird also weitere Stunden und Tage an diesem Motor, der nicht nur mit Benzin, sondern auch mit Petroleum oder Diesel läuft, tüfteln. Aufgeben gibt’s nicht.

Ob Schwalbe, KR 50, Habicht, SR 1, Wanderer oder Dürkopp – wer in der Ludwigsluster Region ein Problem mit seinem Moped oder Motorrad aus DDR- oder noch früheren Zeiten hat, geht zu Dieter Ziggel. Der hatte beruflich zwar mit viel größeren Maschinen zu tun – erst als Lokführer, dann bei der Lokkontrolle. „Aber dabei habe ich den Elektrikern und Schlossern über die Schultern geschaut“, erzählt der 76-Jährige. Den Rest hat er sich angelesen. „Im Internet findet man alles dazu.“

Dieter Ziggel ist mit seiner Leidenschaft nicht allein. Der SR-Oldie-Club Karstädt, dem er angehört, hat mehr als 20 Mitglieder mit rund 100 Mopeds, Motorrädern und Fahrrädern mit Hilfsmotoren. Der wohl fleißigste Sammler ist Hans-Joachim Roddeck, der es zwischenzeitlich auf bis zu 30 alte Zweiräder gebracht hatte. Er war es auch, der den Verein vor 19 Jahren aus der Taufe hob.

„Auf einem Sperrmüllhaufen in der Wöbbeliner Straße in Ludwigslust hatte ich 1997 einen SR 1 gefunden, der bis auf Schläuche und Decken noch komplett war“, erzählt der 64-jährige Karstädter. „Nachdem ich die erste Tour noch allein gefahren war und wegen eines Defekts schließlich schieben musste, wollte ich lieber eine Truppe Gleichgesinnter aufbauen.“ Der SR-Oldie-Club war geboren. „Zu Anfang standen in der Zeitung noch viele Mopeds zum Verkauf, und man hat sie für einen 100er bekommen“, so Roddeck. Inzwischen sind es je nach Zustand zum Teil deutlich über 1000 Euro.

Jeden Montag und Mittwoch treffen sich Mitglieder des Clubs – zum Schrauben, zum Klönen und zum Fachsimpeln. „Es ist die Freude daran, alte Technik am Leben zu erhalten“, sagt Horst Stelzner. Dieter Ziggel kann es nicht recht in Worte fassen. „Es steckt eine bestimmte Magie darin“, sagt der 76-Jährige. „Wenn wir mit den Mopeds fahren, schauen sich die Leute nach unseren alten Dingern um und nicht nach den Motorrädern von heute.“

Mopeds, Motorräder und Ersatzteile füllen bei Dieter Ziggel inzwischen zwei Garagen. Das Auto der Familie muss zumindest im Sommer draußen bleiben. Von früh morgens bis in den Abend schraubt und tüftelt der Rentner an Zweirädern – eigenen und fremden. „Nur zu den Mahlzeiten kommt er rein“, sagt Ehefrau Doris. „Und wenn er im Internet Ersatzteile bestellen muss.“

Auch wenn der SR-Oldie-Club seit Jahren für seine Jugendarbeit – unter anderem mit der „Raketenschwalbe“ und dem SR  2-Moped XXL mit 4,50 Metern Länge – bekannt ist, schaut Dieter Ziggel mit ein paar Sorgen in die Zukunft. „Uns fehlt der Nachwuchs“, sagt er. „Wir werden alle älter.“ Dabei sitzt ein hoffnungsvoller Kandidat meist schon mit am Tisch: Florian Böthling. Der Neu-Lüblower ist schon seit zehn Jahren dabei. „Das hat mir in meiner Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker sehr geholfen“, sagt der 23-Jährige, der gerade seine Meister-Schule macht. Er könnte vielleicht in Dieter Ziggels Fußstapfen treten. Der 76-Jährige widerspricht: „Das kann Florian jetzt schon, egal ob es um Mopeds oder Motorräder geht.“ Der Schrauber-Ehrgeiz hat ihn auf jeden Fall längst gepackt. „Es hat seinen Reiz, aus einer Schubkarre voller Schrott wieder ein Moped gebaut zu bekommen“, sagt Florian, der zu diesem Treffen auf einer Simson „Habicht“ gekommen ist.

Die ganze Simson-„Vogelschar“ und viele andere alte Mopeds, Motorräder und Fahrzeuge können Interessierte am Sonntag, dem 2. Juli, in Karstädt bewundern. Dann ruft der SR-Oldie-Club zum Oldtimertreffen mit Teilemarkt. Bei diesem Volksfest wechseln nicht nur Ersatzteile, sondern manchmal auch ganze Zweiräder den Besitzer. „In Schuppen und Scheunen liegt noch genügend rum. Man weiß nur nicht, wo und wer es abgibt“, so Dieter Ziggel. Aber nach Ersatzteil-Not sieht es in seiner Garage ohnehin noch nicht aus.

Übrigens: Wer als Händler beim Oldtimertreffen mit Teilemarkt in Karstädt dabei sein möchte, kann sich unter Telefon 03874/48794 informieren.