Corona-Panik in Grabow : Sind Kinder bei Lidl unerwünscht?

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Weil Kinder angeblich Hauptüberträger des Corona-Virus seien, wurden zwei Familien kürzlich der Grabower Lidl-Filiale verwiesen.
Weil Kinder angeblich Hauptüberträger des Corona-Virus seien, wurden zwei Familien kürzlich der Grabower Lidl-Filiale verwiesen.

Weil Kinder angeblich Hauptüberträger des Corona-Virus seien, wurden zwei Familien der Grabower Lidl-Filiale verwiesen

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25. März 2020, 16:30 Uhr

Nichtsahnend schlenderten Lars Brockmüller und seine Frau mit ihrem 13 Monate alten Sohn durch die Grabower Lidl-Filiale. In der Obst- und Gemüseabteilung wollte die junge Familie ihre Liste für den Wocheneinkauf abarbeiten. „Nach wenigen Minuten kam eine Mitarbeiterin ziemlich energisch angestürmt und fragte, was uns einfällt, mit Kind in den Markt zu kommen“, berichtet der junge Familienvater unserer Redaktion. Der Grund: Laut der Verkäuferin seien Kinder die Hauptüberträger des Coronavirus, welches gerade das gesamte Leben in Deutschland lahm legt. Völlig überrannt von der Situation verließ die Familie das Geschäft – mit (fast) leerem Einkaufswagen und vielen Fragen.

„Gefühlt wie Verbrecher“

Auch ein paar Tage nach dem Vorfall ist Lars Brockmüller immer noch perplex. „Die Frau sagte zu uns, wir würden die Kunden im Markt gefährden, schließlich wären auch Ältere anwesend. Wir dürften nicht mit Kind einkaufen und sollten das Geschäft umgehend verlassen. Das hat sie in einem lautstarken und vorwurfsvollen Ton gemacht, sodass es auch alle anderen Kunden im Markt mitbekamen. Wir haben uns gefühlt wie Verbrecher.“

Lediglich mit ein paar Wasserflaschen im Korb geht die Familie schnell an die Kasse, um aus dem Markt – und aus der unangenehmen Situation – herauszukommen. „Die Kassiererin ist eine gute Bekannte, der habe ich die Situation geschildert. Sie war selbst total sprachlos und meinte, dass Kinder im Markt weder verboten noch unerwünscht wären, sondern wir nur einen gewissen Abstand zu anderen Menschen halten sollen – wie es aber auch für alle anderen Kunden gilt.“ Auch ein entsprechendes Schild, dass Kinder nicht mit in den Markt dürfen, findet sich nicht an der Filiale.

Doch Lars Brockmüllers Familie ist nicht die einzige, die an diesem Tag der Grabower Lidl-Filiale verwiesen wird. Auch Wiebke F. berichtet in einer Facebook-Gruppe von einem ähnlichen Vorfall, der ihrer sechsjährigen Schwester und der Tante passiert ist. „Die Beiden wurden von einer Verkäuferin regelrecht aus dem Markt rausgeschmissen. Mit der Begründung, dass Kinder das Virus am stärksten übertragen würden.“ Ob es sich in beiden Fällen um dieselbe Verkäuferin handelt, ist nicht bekannt.

Lidl bezieht Stellung

Die Pressestelle von Lidl äußert sich auf den Vorfall lediglich so: „In unseren Filialen sind alle unsere Kunden jederzeit herzlich willkommen. Nach Rücksprache mit den Kollegen in der Grabower Lidl-Filiale können wir die von Ihnen beschriebene Situation nicht bestätigen.“

Beide Familien können an diesem Tag doch noch ihre Einkäufe erledigen. In anderen Supermärkten in Grabow und Ludwigslust sind sie erwünscht – mit Kind. Lars Brockmüller ist sich bewusst, dass die aktuelle Corona-Pandemie für alle Menschen eine besondere Situation darstellt. „Trotzdem verhält man sich gegenüber Mitmenschen oder Kunden so nicht. Die Frau hat mit gefährlichem Halbwissen um sich geschmissen und dabei noch Panik verbreitet.“ Der Familienvater arbeitet im Krankenhaus. „Wenn hier alle so in Panik verfallen würden, könnte man das Krankenhaus schließen.“

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus finden Sie in unserem Liveticker und auf unserer Dossierseite.

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