Ludwigslust : Stolpersteine glänzen wieder

Mit Lappen und Metallreiniger machten sich die Schüler ans Werk.
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Mit Lappen und Metallreiniger machten sich die Schüler ans Werk.

Schüler des Goethe-Gymnasiums reinigten Gedenktafeln – Auf Instagram wollen sie künftig über ihre Projekte berichten

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28. Januar 2020, 20:00 Uhr

Mit Eimer, Politur, Schwämmen und Lappen zogen Schüler des Goethe-Gymnasium nach Schulschluss los. Ihr Ziel: die Schweriner Straße, die Kanalstraße und die Ecke der Gartenstraße. Ihr Vorhaben: Stolpersteine putzen.

75 Jahre nach der Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau ist es immer noch genauso dringend, an die Opfer des Terrorregimes zu erinnern und ihrer zu gedenken – das fand das „Schule ohne Rassismus“-Team des Goethe-Gymnasiums auch. Und so entschieden sich die Jugendlichen gemeinsam mit Projektleiterin Ramona Stein, anlässlich des Holocaust-Gedenktages die „Stolpersteine“ in Ludwigslust zu reinigen.

75 000 Messingtafeln seit 1992

Die „Stolpersteine“ sind ein Projekt des deutschen Künstlers Gunter Demnig. Ihr Ziel ist es, auf die Spuren jüdischen Lebens in den jeweiligen Regionen und dessen Bedrohung in der NS-Zeit aufmerksam zu machen. Seit 1992 wurden in ganz Europa bereits etwa 75 000 der kleinen Messingtafeln verlegt. Auf den Gedenktafeln, die vor allem vor Wohnhäusern verlegt wurden, steht der Name der von den NS-Verbrechen betroffenen Person, deren Lebensdaten und, sofern bekannt, auch ihr Schicksal: entrechtet, verfolgt, gedemütigt, ermordet – nur einige der grausamen Beschreibungen.

In Ludwigslust gibt es fünf der kleinen Denkmäler: in der Kanalstraße 10, in der Schweriner Straße 30 und an der Ecke der Gartenstraße/Schlossstraße. Sie erinnern an Auguste Jakobsohn, Anna Kastan, Beccie Wolff, Arthur Wolff und Curt Wolff – allesamt mit dem Machtantritt der Nazis aus Ludwigslust verschwunden. Seit ihrer Verlegung waren die Steine schon stumpf und braun geworden, die Schüler wollten sie in ihrem goldenem Glanz wiederherstellen, um so ein würdiges, ungekünsteltes und aufrichtiges Zeichen für die Opfer zu setzen – und das in nur 30 Minuten.

 

Die „Stolpersteine“ schimmern nun wieder wie neu. Trotz Freistellung durch die Schulleitung nutzten die Jugendlichen ihre Freizeit nach Unterrichtsschluss für die Aktion. „Diese Aktion war sehr spontan und ohne viel Aufwand und hatte dabei trotzdem eine ungeheure Wirkung“, so Lehrerin Ramona Stein begeistert. Für alle Mitglieder des Projektteams war eines klar: Wiederholungsbedarf in einem Jahr. So soll das Erinnern an die Opfer auch in der Schülerschaft zu einer Tradition werden, einer Tradition in Aktion und im Dialog.

Die Menschen hinter den „Stolpersteinen“

„Wenn ihr das nächste Mal durch die Straßen zieht, haltet Ausschau und befasst euch einen kurzen Moment selbst mit diesen Stolpersteinen und gedenkt so der Opfer“, schreibt Abiturientin Wiebke Schmal unter einem Beitrag auf der offiziellen Instagram-Seite des Projektteams (@schule.ohne_rassismus). Dort will das Team in Zukunft vor allem junge Menschen über wichtige Projekte und Inhalte der Gruppe informieren.

Es nahm die Follower mit durch die Straßen Ludwigslusts und mit zu den Menschen hinter den „Stolpersteinen“. Auch eine Anleitung zum Putzen der Messingtafeln ist zu finden. In den nächsten Wochen soll dort eine Serie über die fünf ehemaligen Ludwigsluster erscheinen.

Eines steht nach diesem Nachmittag für die Schüler fest: Wir alle haben eine Verantwortung ob der Verbrechen unseres Volkes – ein „Vergessen“ wird es hier so schnell nicht geben.

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