Ludwigslust : Die Busse blieben wieder stehen

Das Tor des Betriebshofes in Ludwigslust blieb zu: Busfahrer der Verkehrsgesellschaft VLP hatten die Arbeit niedergelegt.
Das Tor des Betriebshofes in Ludwigslust blieb zu: Busfahrer der Verkehrsgesellschaft VLP hatten die Arbeit niedergelegt.

Zweiter Streik der VLP-Fahrer innerhalb von acht Tagen: Sie wollen vor nächster Verhandlungsrunde den Druck erhöhen

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23. Januar 2020, 17:57 Uhr

Es ist 6 Uhr morgens. Die Temperatur hat es noch nicht ganz über den Gefrierpunkt geschafft. Trotzdem harren an diesem Donnerstag schon rund 20 Busfahrer auf der Einfahrt zum Ludwigsluster Betriebshof der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim aus. Das große Tor bleibt geschlossen, ihre Busse bleiben im Depot. „Wir wollen vor der nächsten Runde der Tarifverhandlungen in der kommenden Woche ein Zeichen setzen“, sagt Busfahrer Hilmar Landsberg. „Das ist notwendig, um den Druck zu erhöhen.“ Denn noch lägen die Tarifparteien in ihren Meinungen weit auseinander.

Die zweite Runde der Tarifverhandlungen war in der vergangenen Woche ohne Ergebnis vertagt worden. „Wir wollen uns dem Tarifvertrag Nahverkehr Schleswig-Holstein annähern“, betont Hilmar Landsberg. „Alle reden davon, den ÖPNV ausbauen zu wollen, und jammern, dass wir Fachkräfte brauchen – dann muss man auch mal was tun.“ Für Technik sei Geld da.

Die Ludwigsluster Busfahrer hatten sich mit Klappstühlen und Feuerschalen vor dem Hoftor eingerichtet. Die ersten starteten den Streik schon um 4.30 Uhr – bevor der erste Dienst begonnen hätte. Und diesmal sind es nicht nur Mitglieder der Gewerkschaft Verdi. „Wir stehen heute gemeinsam mit den Mitgliedern der Nahverkehrsgewerkschaft NahVG“, betont Hilmar Landsberg. Im Laufe des Tages sollen es am Standort Ludwigslust bis zu 30 streikende Busfahrer werden. Wann die ersten Busse wieder fahren, ist am Morgen – anders als beim Ausstand vor einer Woche – noch unklar. Der Streikaufruf galt bis auf Widerruf.

Je nach Altersgruppe wirkte sich der Streik offenbar unterschiedlich aus. „In der Grundschule und den fünften und sechsten Klassen haben kaum Schüler gefehlt“, sagte Michael Tiede, Leiter der Theodor-Körner-Schule in Picher. „In den höheren Klassen, also ab der siebten, waren allerdings nur drei bis vier Schüler pro Klasse anwesend.“

Unverständnis über die Kurzfristigkeit des Streiks beim Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP). „Ich kann nicht nachvollziehen, warum es diese super kurze Vorankündigung gab“, sagte Stefan Lösel gegenüber SVZ. „Bei einer längeren Frist hätten sich die Leute darauf einstellen können.“ Es gebe deshalb viel Unmut. „Wir hatten mehrere hundert Anrufe von Leuten, die sauer waren“, so Lösel. „Der Tenor dabei ist, dass sie den Streik schon in Ordnung finden, aber die Ankündigungsfrist nicht.“

Die Kritik möchte die Gewerkschaft nicht auf sich sitzen lassen. „Wir wollten den Warnstreik eigentlich längerfristig ankündigen. Im Gegenzug wollten wir aber auch eine Absicherung von der Arbeitgeberseite, dass dann keine Streikbrecheraktivitäten geplant werden“, erklärte Christian Manke vom Verdi Landesbezirk Nord, Fachbereich Verkehr. Mit anderen Verbänden sei das möglich gewesen, mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband Mecklenburg-Vorpommern, der die Tarifverhandlungen für die kommunalen Unternehmen führt, allerdings nicht. Das habe nicht nur die erste Warnstreikrunde gezeigt. „Auch dieses Mal gab es einige Betriebe, die Streikbrecherprämien ausgelobt oder Rentner angesprochen haben, ob sie Dienste für hohe Sonderzahlungen übernehmen“, so Christian Manke, der den Nutzern des öffentlichen Personennahverkehrs rät, sich täglich ab 18 Uhr zu informieren, ob die Busse am nächsten Tag fahren.

Die Streikenden kritisieren möchte Stefan Lösel nicht, die Forderungen der Gewerkschaft hält er aber offenbar für übertrieben. „Verdi fordert im Schnitt 15 Prozent mehr Stundenlohn. Das überfordert den Landkreis“, so der Geschäftsführer. Die Folge wäre wohl, dass dann Leistungen, sprich die Anzahl an Fahrten, die zuletzt ausgebaut worden war, gestrichen würden. „Ich hoffe deshalb, dass es am Dienstag einen Abschluss gibt, mit dem die Angestellten zufrieden sind und der Landkreis nicht überfordert wird.“

Robert Lehmann, Kathrin Neumann, Sascha Nitsche

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