Ludwigslust : Die Rettung des Prinzenpalais’

Sie sind froh, dass der Kauf des Prinzenpalais’ endlich geklappt hat: Vewoba-Chef Harry Lutzke (l.) und Reinhard Mach.
Sie sind froh, dass der Kauf des Prinzenpalais’ endlich geklappt hat: Vewoba-Chef Harry Lutzke (l.) und Reinhard Mach.

Nach Kauf des Gebäudeensembles will die Vewoba sanieren. Die Fertigstellung ist wohl frühestens in drei oder vier Jahren möglich

nnn.de von
13. Februar 2018, 21:00 Uhr

Wenn Harry Lutzke vor dem Prinzenpalais steht, kommen die Erinnerungen. 1987 hatte er das geschichtsträchtige Haus zum ersten Mal betreten. Damals besuchte er seine Tochter im Internat der Schwerhörigenschule, das dort seinen Platz hatte. Keine zwei Jahre später zog die Familie von Anklam nach Ludwigslust. „Der wöchentliche Abschied am Bus war zu schwer“, erinnert sich Harry Lutzke. Dass er rund 30 Jahre später das Gebäudeensemble als Geschäftsführer des städtischen Wohnungsunternehmens Vewoba zu neuem Leben erwecken würde, war damals nicht abzusehen.

Im Januar hatte die Vewoba die Immobilie vom Vorbesitzer gekauft (SVZ berichtete). Der Ahrensburger hatte in den vergangenen knapp 20 Jahren kaum etwas am Prinzenpalais getan, nach eigener Aussage in einem SVZ-Interview 2014 wegen Missverständnissen bezüglich der Förderung. Wind, Wetter und ein Feuer sorgten dafür, dass nicht viel mehr als eine Ruine übrig blieb – und das inmitten der historischen Anlage zwischen Schloss und Stadtkirche. „Das Problem war, dass es im Kaufvertrag von damals keine Klausel gab, die den Käufer verpflichtete, innerhalb einer bestimmten Zeit in die Häuser zu investieren“, erklärt Bürgermeister Reinhard Mach. Obwohl Bebauungsplan und Baugenehmigung Anfang der 2000er-Jahre vorlagen, tat sich nichts. Daran änderten auch die unzähligen Gespräche  nichts, die die Stadt mit dem Eigentümer – auch über einen Verkauf – führte. „Doch eines Tages stellten wir überrascht fest, dass der Gebäudekomplex im Internet zum Verkauf stand – allerdings zu einem unrealistischen Preis“, so Reinhard Mach. Die Stadt nahm Kontakt zum Makler auf, wieder folgten unzählige Gespräche. Harry Lutzke selbst war es dann, der die Vewoba ins Spiel brachte. Und das nicht nur wegen seiner persönlichen Beziehung zum Prinzenpalais. „Städtebaulich geht es doch gar nicht, dass inmitten einer so schönen Stadt so ein wertvolles Ensemble verfällt“, betont der Vewoba-Geschäftsführer. „Und wenn die Rettung in der jetzigen Tiefzinsphase nicht klappt, dann gelingt sie nie.“

Dass der Erhalt des rund 240 Jahre alten Gebäudekomplexes in greifbare Nähe gerückt ist, freut auch die untere Denkmalschutzbehörde beim Landkreis. Zum einen, weil es sich um ein ganz wichtiges Gebäude innerhalb des Schlossensembles handle, so Andreas Wißuwa, Fachdienstleiter Bauordnung. „Und zum anderen weil unsere Verwaltung entlastet wird und künftig mehr Zeit für andere Aufgaben hat.“ Seit Jahren habe seine Behörde um den Erhalt des Denkmals gekämpft, gegen den Eigentümer Zwangsgelder und Zwangsmaßnahmen verhängt, vor Gerichten gestanden. „Ansatzweise hat er guten Willen gezeigt“, erklärt Andreas Wißuwa. So wurde mal ein vom Schwamm befallener Gebäudeteil abgerissen, mal eine Folie aufs Dach gebracht.

Mit dem Eigentümer Vewoba soll es nun schneller vorangehen. Harry Lutzke hat nach eigener Aussage schon Kontakt zu dem Architekten aufgenommen, der bereits mit dem Gebäudekomplex befasst war. In der kommenden Woche ist ein Gespräch mit unterer und oberer Denkmalbehörde geplant. „Wir wollen besprechen, inwieweit die Sanierung mit der zukünftigen Nutzung in Einklang gebracht werden kann“, so Lutzke. „Ich hoffe, dass man kompromissbereit ist. Die Zeiten haben sich ja geändert, ein Prinz wird nicht wieder ins Prinzenpalais ziehen.“

 Auch wenn noch nichts entschieden ist, sieht es derzeit sehr nach neuen Wohnungen in Schlossnähe aus. „Wohnungen scheinen im Moment die einzige Nutzungsvariante zu sein, die eine dauerhafte Refinanzierung sichert“, so Reinhard Mach. Immerhin geht es um Investitionen von mehreren Millionen Euro. Stadt und Vewoba setzen dabei auch auf Unterstützung aus der Städtebauförderung.

Erste Anfragen möglicher Bewohner gibt es bereits. Doch bevor die ersten Umzugswagen am Bassin vorfahren können, wird es nach Aussage von Harry Lutzke mindestens drei Jahre dauern. „Und das ist wohl noch optimistisch gedacht.“ In diesem Jahr sollen erst einmal Sicherungsmaßnahmen erfolgen, um den Verfall zu stoppen.

„Das ist ja mal eine sehr schöne Nachricht“, kommentierte Harry Lutzkes Tochter die Berichte über den Prinzenpalais-Kauf in einer Nachricht an ihren Vater. Damit dürfte sie vielen Ludwigslustern aus der Seele sprechen.

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